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Kevin Kuranyi : „Weil ich das nicht mehr ertragen konnte“

  • Aktualisiert am

Seine erste Pressekonferenz als „ehemaliger Nationalspieler”: Kevin Kuranyi Bild: AP

Bei den Parallel-Pressekonferenzen von Kevin Kuranyi und Joachim Löw kam es zu keiner Annäherung der Kontrahenten. Der Stürmer verteidigte seinen Abgang, entschuldigte sich aber bei Löw. Der Bundestrainer nahm zwar an, baute Kuranyi aber keine Brücke mehr für den Rückweg.

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          Kevin Kuranyi hat nach seinem Rauswurf aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seine Entscheidung verteidigt, gleichzeitig aber einen Fehler eingeräumt. „Es tut mit für die Mannschaft leid, dass ich einfach gegangen bin. Es war falsch. Dafür habe ich mich in einem Telefonat mit dem Bundestrainer auch entschuldigt. Dafür gibt es keine Worte der Wiedergutmachung.“

          Joachim Löw hat Kuranyis telefonische Entschuldigung angenommen, zugleich die Trennung vom Schalker Stürmer als „unwiderruflich“ bezeichnet. „Daran gibt es nichts zu rütteln“, erklärte Löw am Montag bei der Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Düsseldorf. Kuranyi hatte sich erst am später Sonntagabend bei Löw gemeldet „und sich grundsätzlich für seine Reaktion entschuldigt“, sagte der DFB-Chefcoach. Kuranyi habe den „Fehler, die Mannschaft im Stich gelassen zu haben“ eingestanden, berichtete Löw vom Gespräch. „Aber meine Entscheidung steht und ist unwiderruflich.“

          Löw: „Immer alle Spieler fair behandelt“

          Kuranyi sagte auf seiner eigenen Pressekonferenz, die er zeitgleich auf Schalke anberaumt hatte, dass er den Rauswurf durch Bundestrainer Joachim Löw akzeptiere. Sichtlich bewegt sagte er: „Ich bin gegangen, weil ich das, was in den vergangenen Jahren passiert ist, nicht mehr ertragen konnte“. Löw dagegen unterstrich, dass er „immer alle Spieler fair behandelt und Kuranyi nach der WM 2006 in die Nationalmannschaft zurückgeholt habe“.

          Yogi beinhart: „Meine Entscheidung steht und ist unwiderruflich”
          Yogi beinhart: „Meine Entscheidung steht und ist unwiderruflich” : Bild: ddp

          Seine erneute Rückkehr in die DFB-Auswahl wollte Kuranyi, der 52 Länderspiele absolviert hat und dabei 19 Tore erzielte, nicht kategorisch ausschließen: „Das ist Zukunftsmusik. Wichtig ist, dass ich Leistung bringe.“ Solange Löw Trainer bleibt, kann er darauf aber sicherlich vergeblich warten.

          Schalke-Manager Müller will Kuranyi „auffangen“

          Der 26 Jahre alte Stürmer hofft nun, „dass sich alles schnell wieder beruhigt und der Alltag kommt. Ich will meine Arbeit für Schalke so gut wie möglich machen und habe noch genügend Ziele, für die ich kämpfen werde“. Am Montag trainierte er wieder bei seinem Klub Schalke 04, allerdings nicht mit der Mannschaft. Kuranyi absolvierte eine Reha-Einheit im Kraftraum. Am Dienstag will er wieder in den normalen Trainingsbetrieb zurückkehren.

          Schalkes Manager Andreas Müller betonte, dass er „höchsten Respekt“ vor Kuranyis Entscheidung habe: „Er hat einen Fehler gemacht. Aber man muss sich einmal Gedanken machen, warum so ein Junge mit 26 Jahren nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen will.“ Kuranyi sei bei Schalke „sehr gut aufgehoben. Wir werden ihn auffangen. Hier hat er das Vertrauen, das er in der Nationalmannschaft nicht so hatte“.

          „Als Trainer verletzt man auch mal einen Spieler“

          Vor dem Eklat in der Nacht zum Sonntag hatte der Stürmer bereits am Samstagmittag Bundestrainer Joachim Löw darum gebeten, das Spiel zu Hause gucken zu dürfen, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht zu dem 18er-Kader gehört und er deshalb das Match auf der Tribüne verfolgen muss. Löw hatte diesem Wunsch nicht entsprochen und Kuranyi gebeten, noch mal in Ruhe seine Situation zu überdenken und nach dem Spiel gegen die Russen im Training wieder um seinen Platz zu kämpfen.

          Kuranyi habe danach bereits Freunde darüber informiert, dass er aus der Nationalelf zurücktreten wolle. Zudem soll er Schalke-Manager Müller telefonisch mitgeteilt haben, dass er nach dem Spiel nicht mehr ins DFB-Quartier nach Düsseldorf zurückfahre. Müller habe diese Entscheidung akzeptiert. In der Halbzeit hatte Kuranyi dann einem DFB-Verantwortlichen mitgeteilt, dass er auf die Ehrentribüne wolle. Allerdings soll er bereits in der Pause mit seinem Bruder Kenny die Arena verlassen und nach Hause gefahren sein.

          Der Bundestrainer sagte: „Wenn Kevin mich am Sonntag um ein Gespräch gebeten und zurückgetreten wäre, dann hätte ich das verstanden. Ich wusste, dass meine Entscheidung für ihn schwer zu verarbeiten ist. Aber einfach abhauen, das geht nicht. Als Trainer verletzt man auch mal einen Spieler mit einer Entscheidung. Das muss man aushalten.“

          „Alle Spieler müssen auf die Bank“

          Unabhängig vom Fall Kuranyi setzt sich Löw dafür ein, dass künftig bei jedem Länderspiel alle nominierten Spieler auf der Ersatzbank Platz nehmen können. „Diese Diskussion gibt es schon länger. Es wäre absolut sinnvoll, wenn diese Regel endlich eingeführt wird. Alle Spieler müssen auf die Bank“. Im Gegensatz zu großen Turnieren dürfen derzeit nur die Ersatzspieler, die auch auf dem Spielberichtsbogen stehen, auf der Bank Platz nehmen; da nur 18 Spieler benannt werden dürfen, müssen die anderen Akteure auf die Tribüne.

          Für das WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen Wales (20.45 Uhr/live im ZDF) will Löw keinen neuen Stürmer nachnominieren: „Vier Stürmer sind völlig ausreichend.“ Löw stehen noch Miroslav Klose, Lukas Podolski, Mario Gomez und Patrick Helmes zur Verfügung. Gomez hat zwar im Training eine Prellung an der rechten Hand erlitten, könnte aber spielen.

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