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Von Null bis 15.000 Fans : Wieder ein Flickenteppich im Fußball

Wieder ein Flickenteppich: Geisterspiele wird es flächendeckend nicht geben. Bild: Getty/F.A.Z.

Bund und Länder können sich nicht auf ein Maß einigen: Während in Dortmund 15.000 Zuschauer ins Fußball-Stadion dürfen, müssen die Bayern Geisterspiele austragen.

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          Wenige Stunden bevor die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel und der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz zusammen mit den Ministerpräsidenten der Länder die Maßnahmen verkündeten, mit denen die deutsche Politik nun die vierte Welle der Corona-Pandemie bekämpfen will, hatte sich schon Hans-Joachim Watzke an die Öffentlichkeit gewandt. Wie es der Zufall wollte, stand bei der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA die Hauptversammlung der BVB-Aktionäre an. Watzke sprach dort als BVB-Geschäftsführer.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Doch in der sportpolitischen Wirklichkeit dieser Tage wird der BVB-Chef längst als derjenige Fußballfunktionär gesehen, der in Deutschland für den gesamten Profifußball spricht. Es gilt nur noch als reine Formsache, dass Watzke in zwei Wochen dafür auch das offizielle Mandat der Deutschen Fußball Liga (DFL) bekommt, um dann dort als Aufsichtsratsvorsitzender und Stellvertretender Sprecher des DFL-Präsidiums zu wirken. Der politisch nicht zuletzt in Nordrhein-Westfalen bestens vernetzte BVB-Geschäftsführer appellierte daher schon im Vorfeld nochmals an die Politik, bei ihren Corona-Maßnahmen mit Blick auf die Zuschauer in Bundesligastadien „bei aller Ernsthaftigkeit Maß und Mitte zu halten – und nicht dem Populismus nachzugeben, „um möglicherweise von eigenen Versäumnissen abzulenken“.

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          Die Bundesliga, sagte Watzke auf der Online-Versammlung, sei „verantwortungsbewusst“ und „zu Kompromissen bereit“. Der BVB-Geschäftsführer kündigte zudem schon mal an, die Besucherzahl beim Bundesliga-Spitzenspiel gegen den FC Bayern München an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) aufgrund der hohen Infektionszahlen von 81.000 auf 26.000 zu reduzieren. Doch als einige Stunden später die politische Entscheidung auf dem Tisch lag, war das in der neuen Corona-Realität noch nicht genug. Nun gilt: Zu Fußballspielen werden vorerst nur noch maximal 15.000 Zuschauer zugelassen.

          Die Bundesregierung und die Länderchefs einigten sich darauf, dass in den Stadien maximal 50 Prozent der Kapazität genutzt werden dürfen. In Sporthallen dürfen es höchstens 5000 Zuschauer sein. Es gilt Maskenpflicht und die 2G-Regel, wonach nur noch Geimpften und Genesenen der Zutritt erlaubt ist. Je nach Örtlichkeit und Infektionslage kann zudem ein aktueller Corona-Test verlangt werden. In einigen Bundesländern mit besonders hohen Infektionszahlen wird es wieder Geisterspiele geben, auch Absagen sind möglich.

          „Wir reden über eine sehr schwierige Lage, über eine ganz dramatische Situation auf den Intensivstationen unser Krankenhäuser“, gleichzeitig gäbe es aber „volle, engbesetzte Fußballstadien“, sagte Olaf Scholz in Berlin auf der Pressekonferenz einleitend auf die Frage, weshalb in den Bundesligastadien nun unterschiedliche Regelungen gelten. Es sei richtig, dass es im Rahmen der „unterschiedlichen Situationen“ nun „unterschiedliche Regelungen“ gelten werden. „Aber dass man gesagt hat, das kann nicht so bleiben, wie es ist, und man eine sehr drastische Maßnahme getroffen hat, das ist gut“, so der designierte Bundeskanzler.

          Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kündigte Geisterspiele im Freistaat für dieses Wochenende an, zunächst gilt die Anordnung für das laufende Jahr. Er verstehe, dass Länder mit niedriger Inzidenz den erlaubten Rahmen ausschöpfen wollten. Aber die Menschen hätten dafür „kein Verständnis, auch nicht die Fußballfans“, sagte Söder.

          Die Bundesliga, so war Watzke im Vorfeld zu verstehen, hatte auf weniger scharfe Regelungen gehofft, wird aber mit der Entscheidung leben können. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zeigt Verständnis für die Entscheidung. Eine „vorübergehende Beschränkung“ bei der Zulassung von Fans in die Stadien sei „dem Grunde nach verständlich", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. BVB-Geschäftsführer Watzke hatte vor dem Bund-Länder-Treffen auf eine Stadionauslastung gesetzt, die es generell möglich machen sollte, ein Viertel bis ein Drittel der Plätze zu füllen. Das aber ist im Gros der Stadien, mit einem Fassungsvermögen von unter 60.000 Zuschauern, nun auch der Fall. Alle, die Verantwortung im deutschen Profifußball trügen, seien aus „Infektionsschutzgründen“ und als „Zeichen in die Gesellschaft hinein“ der Meinung, „dass wir in dieser Phase der Pandemie eine signifikante Reduzierung der Zuschauerzahlen benötigen“, hatte Watzke am Donnerstagvormittag gegenüber den Aktionären gesagt. Mittlerweile – muss man mit Blick auf einige Fälle ergänzen.

          Noch am vergangenen Samstag hatte die Auslastung beim rheinischen Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach auf Antrag des Bundesligaklubs bei 100 Prozent gelegen – und bundesweit Unverständnis und Empörung ausgelöst. Am Mittwoch war der Corona-Inzidenzwert in Köln sprunghaft gestiegen. „Es war sicher nicht das Spiel allein. Aber es hat beigetragen. Das Spiel hätte so nie genehmigt werden dürfen“, twitterte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Nach Angaben der Stadt Köln hat es, Stand Mittwoch, noch keinen Infektionsfall im Zusammenhang mit dem Bundesligaspiel vom Samstag gegeben.

          Söder hatte vor den Bund-Länder-Gesprächen wiederum flächendeckende Geisterspiele im ganzen Land gefordert. „Es macht auf absehbare Zeit keinen Sinn, wieder Zuschauer zuzulassen“, sagte Söder vor der Sitzung. Er sehe es als wichtige Forderung, eine bundeseinheitlich Regelung zu beschließen. „Wenn das auf Bundesebene nicht funktioniert, würden wir das für Bayern allein machen.“ In Sachsen hatten schon am vergangenen Wochenende wieder Geisterspiele stattgefunden, Baden-Württemberg hatte sie in dieser Woche wie Bayern ebenfalls angekündigt. Doch von 100 auf 0 innerhalb von fünf Tagen – das wollte die Politik dann doch nicht, zumindest nicht bundesweit.

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