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Katalonien-Referendum : Ärger bei Guardiola, Tränen bei Piqué

  • Aktualisiert am

„Menschen sind mit Gummigeschossen verletzt worden, die sind in Katalonien illegal“: Pep Guardiola. Bild: Reuters

Der FC Barcelona will am Tag des Referendums in Katalonien nicht spielen, tut es dann aber doch – ohne Zuschauer. Besonders emotional ist es für Gerard Piqué. Auch Pep Guardiola meldet sich zu Wort.

          Gerard Piqué versagte immer wieder die Stimme. Der Fußballstar des großen FC Barcelona stotterte, seine Augen waren feucht von Tränen. Der 30-Jährige sprach nach dem 3:0 gegen UD Las Palmas nicht über seinen Sport, nicht über den siebten Sieg im siebten Ligaspiel, er richtete eine emotionale Botschaft an seine katalanischen Landsleute und die spanische Regierung. „Sie haben immer gesagt, dass wir eine kleine Minderheit sind“, sagte Piqué nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Katalanen. „Es wurde gezeigt, dass das nicht so ist, sondern dass wir Millionen von Menschen sind.“

          Damit richtete er sich direkt an die spanische Regierung. Mit einem massiven Polizeiaufgebot hatte Madrid versucht, die von der Justiz verbotene Abstimmung zu verhindern. Zahlreiche Verletzte in Barcelona und die Tränen Piqués waren die Folge. Nach dem „härtesten Spiel“ seiner Karriere zog er sogar einen vorzeitigen Rücktritt aus dem spanischen Nationalteam in Erwägung. „Falls der Verband wirklich denken sollte, dass ich ein Problem bin, werde ich zurücktreten“, sagte der aufgewühlte Verteidiger.

          Über 90 Prozent der Katalanen hatten für die Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Nicht nur Piqué, auch die ehemaligen Barca-Profis Xavi und Carles Puyol zeigten offen ihre Unterstützung. Der ehemalige Bayern-Trainer Pep Guardiola warb schon seit langem ebenfalls für die Loslösung Kataloniens von Spanien. Ministerpräsident Mariano Rajoy ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken. Es habe „kein Referendum, sondern eine Inszenierung“ gegeben, sagte er.

          Die spanische Sportpresse betrachtete die Solidarität des FC Barcelona mit den Unterstützern des Referendums mit gemischten Gefühlen. Schon vor der Partie gegen Las Palmas hatten sich Piqué, Lionel Messi und Co. in Shirts mit den katalanischen Farben aufgewärmt. Wegen der Unruhen in der Stadt musste Barça vor leeren Rängen spielen. „Es gibt keinen Applaus für dieses Barça“, titelte die in Madrid ansässige „Marca“, die den Klub der Hilfe für das „illegale Referendum“ bezichtigte. Die „Sport“ aus Barcelona bezeichnete die Austragung des Spiels als „Schande“. Barça hatte das Match wegen des Referendums eigentlich verschieben wollen, was aber nicht möglich war. Piqué dagegen habe mit Würde agiert. „Es gibt viele Menschen in Spanien, die nicht damit einverstanden sind, was heute passiert ist und die an die Demokratie glauben“, sagte Piqué.

          Es war nicht das erste Mal, dass der Weltmeister von 2010 die Fußball-Fans spaltet. Außerhalb Barcelonas wird Piqué in den spanischen Stadien regelmäßig ausgepfiffen, egal ob er für seinen Klub oder das Nationalteam spielt. Nach einem Spiel gegen Albanien war er vor etwa einem Jahr dafür kritisiert worden, dass er seinen Trikotärmel angeblich so präpariert habe, dass man die spanische Flagge nicht mehr sehen konnte. Auch für seine regelmäßige Kritik an Real Madrid ist Piqué bekannt. Irgendwann nervten ihn die ganzen Debatten so sehr, dass er für den Sommer 2018 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft ankündigte. Ob es nun vielleicht sogar eher dazu kommt und Piqué sogar auf eine WM-Teilnahme in Russland verzichtet, bleibt abzuwarten.

          „Falls der Verband wirklich denken sollte, dass ich ein Problem bin, werde ich zurücktreten“: Gerard Pique (Mitte).

          Barcelonas früherer Trainer Pep Guardiola beobachtete das Referendum von England aus, wo er derzeit bei Manchester City unter Vertrag steht. Er zeigte sich erschüttert von Gewaltexzessen. „Sie unterstützen Polizisten, die Menschen attackieren, die zur Wahl gehen wollen. Das sind doch keine Bankräuber. Menschen sind mit Gummigeschossen verletzt worden, die sind in Katalonien illegal“, sagte Guardiola bei Catalunya Radio. Und er kritisierte die Umstände, in denen das Spiel in Barcelona stattfand. „Ich hätte es gar nicht ausgetragen, aber wenn man sich dafür entscheidet, dann mit Zuschauern und allen möglichen Konsequenzen“, befand er. Guardiola war zumindest froh darüber, dass die Welt wahrnahm, wie mit den Bürgern umgegangen wurde: „Spanien wird seine Realität verbergen, aber der Rest der Welt wird sie zeigen.“

          Es ging Guardiola wie Pique vordergründig nicht darum, ob die Wahl letztlich zur Abspaltung Kataloniens von Spanien führt, es ging ihnen vor allem darum, dass es die Menschen selbst entscheiden können. Spaniens Ministerpräsident Rajoy jedoch nannte die Abstimmung einen „Angriff auf den Rechtsstaat“. Pique, der sogar seine Nationalmannschaftskarriere infrage stellte, hielt dem entgegen: „In den vielen Jahren unter Francos Diktatur konnten wir nicht wählen, und ich denke, das ist ein Recht, das wir mit jedem möglichen Gesetz verteidigen müssen.“ Wie Guardiola bekräftigte Pique, die Bestrebungen Kataloniens hätten keineswegs etwas mit grundsätzlicher Antipathie gegen Spanien zu tun.

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