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Zweite Bundesliga : Das marode Gesamtbild des Karlsruher SC

  • -Aktualisiert am

Trostspender: „Willi Wildpark“ hat viel zu tun in dieser Saison. Bild: Imago

Vor zwei Jahren war der Karlsruher SC noch ein Aspirant für die Bundesliga – nun ist der Klub so gut wie abgestiegen aus der zweiten Liga. Wie konnte das passieren?

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          Es ist ein symptomatisches Bild, das Karlsruhe derzeit bietet: Das altehrwürdige Wildparkstadion modert vor sich hin, ein Neubau, unlängst vom Gemeinderat beschlossen, soll dessen Nachfolge antreten. Die so entstehende Fußballarena an der Stelle des jetzigen Stadions sollte einmal einen Neubeginn markieren, für einen frischen und sportlich zukunftsfähigen Sportclub stehen.

          Doch der KSC ist heftig ins Wanken geraten in dieser Saison in der Zweiten Bundesliga, ein Abstieg ist vor der an diesem Samstag anstehenden Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern (13.30 Uhr/Live bei Sky und im Zweitliga-Liveticker bei FAZ.net) kaum noch zu verhindern. Auch Sportdirektor Oliver Kreuzer sagt der F.A.Z.: „Wir sind faktisch abgestiegen.“

          Planungen für Liga drei in vollem Gange

          Mit 22 Punkten steht der KSC weit abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz, elf Punkte hinter dem Relegationsrang. Bei vier ausstehenden Begegnungen brauchte es also ebenso viele Siege, um noch eine Chance auf die Rettung zu haben – genauso viele, wie die Badener in dieser Saison überhaupt erst erzielen konnten. In dieser Rechnung dürften aber auch die Konkurrenten nicht mehr punkten.

          Die Vorbereitungen auf eine Saison in der dritten Liga jedenfalls sind in vollem Gange. Am Freitag unterzeichnete Cheftrainer Marc-Patrick Meister einen neuen Vertrag bis 2019, der Kader steht vor drastischen Einschnitten: „Mit einer Jugendmannschaft wird der direkte Wiederaufstieg nicht realisierbar sein“, sagt Kreuzer. „Wir brauchen auch Führungsspieler. Die Mischung muss stimmen.“

          Genau diese Mischung hat dem KSC in der aktuellen Spielzeit gefehlt. Abgesehen von wenigen erfahrenen Akteuren, ist der Kader gespickt mit jungen Talenten, die zwar durchaus über fußballerisches Können, aber eben nicht über die entsprechende Mentalität, Qualität und Routine verfügen, die im Abstiegskampf vonnöten wären. Das Durchsetzungsvermögen fehlt, der Wille und der Biss, sich auch einmal in einer engen Partie Geltung zu verschaffen in diesem harten Tagesgeschäft in der zweiten Liga. „Vielleicht fehlte uns Teamgeist, vielleicht fehlte uns eine gewisse Hierarchie, vielleicht fehlten uns diese vier, fünf Schlüsselspieler, die vorneweg gehen“, sagt Kreuzer selbstkritisch, betont aber auch: „Ich war mir sicher, dass unser Kader die Qualität hat, die Klasse zu halten.“

          Kreuzers Fehleinschätzung

          Dass dies eine Fehleinschätzung war, musste er in den vergangenen Wochen nun schmerzlich feststellen, dennoch will er zu seinem Vertrag stehen und in der kommenden Saison Sportdirektor in Karlsruhe bleiben. Die entscheidenden Fehler, sagt Kreuzer, seien vor seiner Zeit gemacht worden. Zwar hält er sich mit persönlichen Anschuldigungen diplomatisch zurück – im Gegenteil zu Präsident Ingo Wellenreuther, der jüngst den ehemaligen Sportdirektor Jens Todt (mittlerweile beim Hamburger SV) sowie den früheren Trainer Tomas Oral insbesondere für deren Kader- und Transferpolitik scharf kritisierte. Trotzdem weist auch Kreuzer darauf hin, dass die unter Trainer Markus Kauczinski in den Jahren 2012 bis 2016 gebildeten Strukturen nach dem Weggang des Fußballlehrers in Richtung Ingolstadt zerbrochen worden sind: „Da ging eine Mannschaft kaputt, mit wichtigen Identifikationsfiguren, die abgegeben wurden. Das konnte man nicht in einer einzigen Transferperiode ersetzen.“

          Auch in der Trainerfrage griff der KSC daneben, hier war Kreuzer direkt beteiligt. Sein „Wunschkandidat“ Mirko Slomka wurde bereits nach zehn Zweitligapartien wieder freigestellt. Acht von möglichen 30 Punkten waren zu wenig für die Ansprüche des Vorstands und der Sportlichen Führung, „dennoch würde ich ihn immer wieder verpflichten, wenn ich heute noch einmal in der damaligen Situation wäre. Er hat einfach zum Verein gepasst.“

          Ein neues Stadion wird trotzdem gebaut

          So kam es also, dass aus dem ehemaligen Aufstiegsaspiranten, der 2015 äußerst unglücklich in der Relegation am Hamburger SV scheiterte, innerhalb von nur zwei Jahren sportliches Brachland wurde – eine Entwicklung, gegen die man sich nun vehement stemmt. Aber einfacher wird die Situation für den KSC in der kommenden Saison nicht werden. Die TV-Gelder, die in der zweiten Liga noch knapp elf Millionen Euro betragen haben, schrumpfen in der dritten Liga auf 750.000 Euro zusammen. Auch das sowieso schon spärliche Zuschaueraufkommen dürfte nicht sonderlich ansteigen, zumal aktuell bereits ein grundsätzlicher Unfrieden zwischen dem Verein und seinen Fangruppen besteht.

          In der neuen Saison muss sich vieles ändern bei den Blau-Weißen, der Wiederaufstieg muss so schnell wie möglich erfolgen. „Wenn wir nicht direkt wieder hochgehen, wird es eben noch größere Einsparungen geben. Von der Landkarte verschwinden wird der KSC aber ganz sicher nicht“, betont Kreuzer, wohlwissend, dass der Stadionneubau ungeachtet der eigenen sportlichen Situation realisiert wird. Bezahlen für die geplante Arena, deren Fertigstellung für 2020 geplant ist, muss der Sportclub nichts. Die Kosten, zwischen 113 und 117 Millionen Euro, werden vollständig aus kommunalen Mitteln finanziert. Automatisch besseren Fußball spielen wird der KSC dort deshalb allerdings nicht. Genau das sollte aber das Ziel sein.

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