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Kapitän Schweinsteiger : Eher eine Zwischenstation

Die logische Wahl - aber keine für die Zukunft: Kapitän Schweinsteiger Bild: REUTERS

Die Entscheidung des Bundestrainers, Bastian Schweinsteiger zum neuen Kapitän der Nationalelf zu befördern, ist keine Überraschung. Sie ist aber auch kein Zeichen für die Zukunft. Ein Kommentar.

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          Keine Experimente: Die Entscheidung des Bundestrainers, Bastian Schweinsteiger zum neuen Kapitän der Nationalelf zu befördern, ist keine Überraschung. Joachim Löw hat sich ganz einfach für den großen Favoriten vom Fan bis zum Präsidenten entschieden. Widerspruch oder gar Proteste, wie sie sich nach der Selbsternennung Philipp Lahms in Abwesenheit des verletzten Michael Ballack erhoben, wird es nicht geben.

          Im Gegenteil: Kein anderer Nationalspieler unter all den Weltmeistern hat diese Ehre und Aufwertung so verdient wie der schon leicht ergraute emotionale Leader, zu dem Löw den Musterprofi und vorbildlichen Sportsmann schon vor vier Jahren ernannt hatte. Der Wille und die Kraft, alles für die Nationalelf und den ersehnten Titel zu geben, verkörperte in Brasilien niemand so sehr, wie der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und malträtierte Schweinsteiger. Am Münchner Mittelfeldspieler vorbei konnte also keiner der anderen die Binde erhalten – oder gar fordern. Er war dafür schon ohne Amt ein zu großer Spieler.

          Fußball-Nationalmannschaft : Schweinsteiger wird Kapitän

          Ein Zeichen für die Zukunft ist die Wahl des 30 Jahre alten unermüdlichen Kämpfers in 108 Länderspieleinsätzen jedoch nicht. Eher eine Zwischenstation für die Auszeichnung als Ehrenspielführer nach seiner Karriere, die den Deutschen Fußball-Bund dann ebenso schmücken würde wie Schweinsteiger. Bis dahin und auf dem Weg zur Europameisterschaft 2016 dürfte der frisch Ernannte zwar nicht gleich zu einem virtuellen, vermutlich aber zu einem abwesenden Kapitän zu werden.

          In den letzten beiden Jahren fehlte Schweinsteiger wegen eines über die Jahre im Hochleistungssport arg geschundenen Körpers öfter, als er dabei sein konnte. Daran, so steht zu befürchten, wird sich nichts ändern. Schon an diesem Mittwoch beim Erinnerungsspiel an das WM-Finale von Rio wird Schweinsteiger nicht dabei sein, ebenso beim EM-Qualifikationsauftakt vier Tage später gegen Schottland in Dortmund. Mindestens.

          Die neue Hierarchie muss sich noch bilden

          Die Auswahl des Stellvertreters, der die Nationalelf bei den zu erwartenden und wohl immer wieder nötigen Pausen des Kapitäns dann ganz real auf dem Platz anführt, ist in diesem Fall daher keine rein symbolische, sondern eine ganz praktische Frage.

          Einen kommissarischen Kapitän hat der Bundestrainer aber am Dienstag weder ernannt noch bestimmt – noch in Aussicht gestellt. Ganz nach dem Motto: Zeit für Experimente. Den Anfang lässt der Bundestrainer nun erst einmal Manuel Neuer machen, der neben Sami Khedira den größten Wunsch und die größte Hoffnung auf die Binde hegte. Eine Festlegung in der Stellvertreterfrage zu vermeiden, ist kein schlechter Beitrag des Bundestrainers, um die neue Hierarchie, die sich nach den Abschieden von Lahm, Klose und Mertesacker erst noch herausbilden muss, nicht vorzeitig festzuzurren.

          Da könnten nun auch geeignete Kandidaten wie Thomas Müller oder Mats Hummels mal einspringen und die Nationalelf führen. Schon der Gewinn des Titels ruhte auf vielen Schultern im Team. Da kann nun auch die Binde gut und gerne von Arm zu Arm wandern.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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