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Kampfansage von Ultras : „Wir werden Spielabbrüche in Kauf nehmen“

Auslöser der aktuellen Debatte: Mönchengladbach-Ultras haben sich mit den BVB-Anhängern im Februar solidarisiert. Bild: Reuters

Der Streit zwischen Fangruppen und dem Deutschen Fußball-Bund droht zu eskalieren. Ultras wollen sich nicht den Mund verbieten lassen. Das haben sie nun unmissverständlich klargestellt.

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          Der Konflikt zwischen den Ultragruppen und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wird sich in den kommenden Tagen kaum beruhigen. Das geht aus einer gemeinsamen Stellungnahme der „Fanszenen Deutschlands“ hervor, die an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Wir werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht einfach so hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen.“ Am vergangenen Wochenende hatte es wegen teilweise beleidigender Plakate gegen Dietmar Hopp, den Mäzen des Bundesligaklubs TSG Hoffenheim, mehrere Spielunterbrechungen in den drei deutschen Profiligen gegeben. Der DFB drohte anschließend mit Spielabbrüchen, sollten die Beleidigungen nicht aufhören.

          Anders als Vertreter von eher gemäßigteren Fanzusammenschlüssen hatten die Ultragruppen nicht an einer gemeinsamen Diskussion der „AG Fankulturen“ mit Vertretern des DFB und der Deutschen Fußball-Liga am vergangenen Donnerstag in Frankfurt teilgenommen. Dabei hätten sich die Vertreter von DFB und DFL, darunter DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius, „durchaus selbstkritisch“ geäußert und angekündigt, „für den kommenden Spieltag für höhere Handlungssicherheit sorgen zu wollen, zum Beispiel durch eine bessere Information für Schiedsrichter. Aber auch der Öffentlichkeit“. Das teilte das Bündnis „Unsere Kurve“ anschließend auch im Namen weiterer Gesprächsteilnehmer mit.

          „Verzerrtes Bild von Rechtsstaatlichkeit“

          Die „Fanszenen Deutschlands“, der Zusammenschluss nahezu aller großen Ultragruppen im deutschen Profifußball, gaben ihrerseits zu verstehen, weiter gegen die „Doppelmoral und Demokratiefeindlichkeit der Vertreter des sogenannten ,modernen‘ Fußballs“ vorgehen zu wollen und die Proteste gegen die vom DFB wieder zur Anwendung gebrachte Kollektivstrafe auch an diesem Wochenende fortzuführen. Die Ultragruppen fordern eine Änderung der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB und damit eine Abschaffung der Kollektivstrafe, die dem Rechtsempfinden der „Fanszenen Deutschlands“ widerspricht. Eine Kollektivhaftung sei mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht vereinbar. Die Ultras sprechen von einem „verzerrten Bild von Rechtsstaatlichkeit“, das auf nichts anderes als eine „Zensur“ der Fankurven ziele. „Der DFB hat über Jahrzehnte eine Paralleljustiz aufgebaut“, sagte zudem ein Vertreter der Bremer Ultragruppe „L‘Intesa Verde“, die nicht Teil des Zusammenschlusses „Fanszenen Deutschland“ ist und auch nicht als Stimme der gesamten Ultraszene verstanden werden will, gegenüber der F.A.Z. Entgegen des Versprechens des DFB von 2017, künftig auf Kollektivstrafen verzichten zu wollen, seien diese im Fall der Dortmunder Fans abermals zum Einsatz gekommen. „Dadurch entsteht der Eindruck einer gewissen Scheinheiligkeit“, teilte „L‘Intesa Verde“ weiter mit.

          Die Ultras nehmen mit ihren Aussagen Bezug auf die Entscheidung des DFB, nach wiederholt in der Öffentlichkeit vorgetragenen Beleidigungen des TSG-Mäzens alle BVB-Fans von den nächsten drei Spielen der Dortmunder bei der TSG Hoffenheim auszuschließen. Neben der Änderung der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB fordern die „Fanszenen Deutschlands“ auch die Aufhebung der gegenüber den Fans von Borussia Dortmund ausgesprochener Sanktionen.

          „Wir nehmen den Kampf gegen den DFB gerne an“, erklärten die Ultragruppen. Letztlich seien es die aktiven Fanszenen, die „den Finger in die Wunde legen“ und sich für demokratische Vereine und effektive Mitbestimmung einsetzten. Dieses Engagement sei dem DFB jedoch ein Dorn im Auge, weshalb sich die Fronten zwischen beiden Parteien immer weiter verhärtet hätten. „Wir haben keine andere Wahl, den Kampf zu führen. Er kann plakativ, zugespitzt und provokant geführt werden oder tiefgründig und differenziert – wichtig ist, dass wir ihn führen!“, schrieben die „Fanszenen Deutschlands“ weiter. Auch „L‘Intesa Verde“ beteuerte: „Wir lassen uns nicht mundtot machen.“

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