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Kritik in England : Taten statt Worte gegen Rassismus

„Die Diskussion dreht sich im Kreis“: Les Ferdinand Bild: Picture-Alliance

Die Fußballspieler der Queens Park Rangers knien nicht als Zeichen des Protests gegen Polizeigewalt. Ignorante Profis? Der verärgerte Klub wehrt sich und lässt heiße Luft aus dem Ballon des Anti-Rassismus-Kampfes.

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          Wie man heiße Luft aus einem Luftballon lässt? Mit Worten. In einer Pressemitteilung eines Fußballvereins. Les Ferdinand, englischer Nationalspieler in den Neunzigern, musste am Montag das Verhalten der Spieler der Queens Park Rangers rechtfertigen, die sich vergangenes Wochenende in Coventry nicht hingekniet hatten als Zeichen des Protests gegen Polizeigewalt – obwohl das Spiel doch im Fernsehen übertragen wurde!

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          Ignorante Profis? Ferdinand, Sportdirektor bei QPR, ließ sich in einer Mitteilung des Vereins zitieren: Hinknien? Sei zu „guter PR“ geworden. „Die Botschaft ist verlorengegangen. Es ist kein großer Unterschied mehr zu einem schicken Hashtag oder einem netten Anstecker am Revers. Wie wollen wir denn weitermachen? Knien sich die Leute die nächsten zehn Jahre hin, ohne dass es Fortschritt gibt?“

          Lee Hoos, der Vorstandsvorsitzende des Londoner Klubs, brachte die Lage auf den Punkt: „Wer glaubt, unsere Spieler dulden Rassismus, versteht es nicht. Wer auf ,Black Lives Matter‘ mit ,Alle Leben sind wichtig‘ antwortet, versteht es nicht. Wer glaubt, Hinknien reicht, um soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen, versteht es nicht.“ Hinknien, sagt Ferdinand, „ändert nichts im Spiel. Nur Taten.“

          Die in jedem Wort durchklingende Verärgerung der Londoner Funktionäre über die schnell gebildeten Urteile haben einen längeren Anlauf. Im Sommer 2019, die Jugendlichen der U 18 von QPR tourten auf einer Testspielreise durch Andalusien, brachen die Nachwuchsspieler in Sevilla ein Match nach rassistischen Beleidigungen und fortgesetzter Inaktivität des Schiedsrichters ab.

          Fortgesetzte Inaktivität wurde zum Kennzeichen des Falls. Der Europäische Fußball-Verband Uefa verwies an den Weltverband Fifa. Die Fifa verwies zurück. Daraufhin verwies die Uefa an den Andalusischen Fußballverband. Die Zeit ging ins Land. Bewegung? Nur auf Uhrzeigern und Kalenderblättern. Les Ferdinand hat mitgezählt. Sein Fazit „nach mehr als zwölf Monaten“: „Die Uefa hat sich geweigert, sich mit dem Fall auseinanderzusetzen, der spanische Verband hat gar nichts gemacht. Wie viel haben die Medien berichtet? Nicht ansatzweise so viel wie darüber, dass QPR sich nicht hinkniet.“

          Er habe jüngst entschieden, keine Interviews zu Rassismus im Fußball mehr zu geben, teilte Ferdinand mit: „Die Diskussion dreht sich im Kreis.“ Rundherum, wie die Uhrzeiger. Den Supercup am Donnerstagabend eröffnete die Uefa dann wieder mit einem – metaphorischen – bunten Ballon: Vor dem Anpfiff zeigten die Kameras die Anti-Rassismus-Botschaft.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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