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Kampf der Werbepartner im Fußball : Die Füße der Stars, die Köpfe der Kids

Neue Schuhe auch für die Wachsfigur: Nach einem Jahr Zwangspause darf Mesut Özil nun Adidas tragen Bild: dpa

Mesut Özils Wechsel zu Schuhen mit den drei Streifen belegt: Der Kampf um die attraktivsten Werbepartner nimmt immer größere Dimensionen an. Im lukrativen WM-Jahr 2014 wird sich das Duell zwischen Adidas und Nike noch verschärfen.

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          Schon morgens vor dem Kleiderschrank kann man teure Fehlentscheidungen treffen. Als Mario Götze in der vergangenen Woche beim ersten Auftritt in München in einem T-Shirt mit breiter Nike-Aufschrift vor die Kameras trat, war man zweihundert Kilometer weiter in Herzogenaurach nicht sehr amüsiert. „Das war ärgerlich. Er muss, wenn er offiziell auftritt, die Ausrüstung des FC Bayern tragen oder etwas Neutrales“, sagte Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der Adidas AG, die seit über fünfzig Jahren den FC Bayern ausrüstet.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Bayern München und Götzes Management haben sich bei uns entschuldigt. Aber solche Fehler dürfen nicht wieder vorkommen.“ „Von Nike enttäuscht“ zeigte sich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und brummte Götze eine Geldstrafe von 20.000 Euro zugunsten von Flutopfern auf, jeweils 10.000 mussten wegen ähnlicher Vergehen Jan Kirchhoff und Mario Gomez bezahlen. Rummenigge beklagte den Mangel an „Fairplay“ beim Konkurrenten seines Ausrüsters.

          Dabei lässt die offenbar geplante Guerrilla-Aktion von Nike-Spielern bei einem Adidas-Klub ahnen, wie sich das Duell der beiden globalen Sportartikelriesen zuspitzen wird im lukrativen WM-Jahr 2014. Es ist der große Kampf um die Füße der Stars und die Köpfe der Kids. Verträge der Hersteller mit Klubs und nationalen Verbänden regeln, was die Spieler auf dem Platz und bei anderen offiziellen Auftritten tragen - mit Ausnahme der Schuhe. Über sie dürfen Spieler eigene Verträge abschließen.

          So trägt Franck Ribéry das Bayern-Trikot von Adidas, aber Schuhe von Nike und Lionel Messi das Nike-Trikot des FC Barcelona und Schuhe von Adidas. Solche Verträge bekommen in der Regel nur die besten und beliebtesten Spieler. „Es gibt vielleicht zehn Schauspieler, die jedem sofort einfallen, wie Brad Pitt“, sagt Hainer. „Genauso ist es im Fußball. Und diese zehn ziehen die Aufmerksamkeit der jungen Kids auf sich.“

          Beim deutschen EM-Aus im Halbfinale 2012 gegen Italien trug er noch Nike-Schuhe

          Wie umkämpft diese Spieler sind, zeigt das Beispiel von Mesut Özil, den Adidas am Donnerstag als neuen Vertragspartner präsentieren konnte. Bis zum vergangenen Sommer hatte der Mittelfeldstar bei seinen Einsätzen für Real Madrid und das deutsche Nationalteam, beide von Adidas ausgestattet, einen Schuhvertrag mit Nike. Nach dessen Auslaufen war er ein Jahr lang ohne Ausrüster, um nach eigener Aussage „unterschiedliche Schuhe zu testen“. So probierte er im WM-Qualifikationsspiel des deutschen Nationalteams gegen Färöer im September 2012 Adidas-Schuhe mit neutralem Outfit aus, weiß und ohne das Markenzeichen der drei Streifen.

          Dagegen klagte Nike, das aus dem abgelaufenen Vertrag ein halbjähriges Vorrecht auf Abgabe eines Gegengebotes zu jedem neuen Vertragsabschluss reklamierte, und bekam recht vor einem Amsterdamer Gericht. Laut Urteil durfte Özil 180 Tage lang keine Schuhe von Nike-Konkurrenten mehr tragen - bei einer drohenden Strafe von 150.000 Euro pro Tag. Erst seit April sind Özils Füße wieder frei. „Wir haben gewartet, bis er frei wurde. Ab sofort gehört er zu unseren globalen Werbepartnern“, sagte Hainer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er betonte, dass die „kursierenden Zahlen“ über die Dotierung „fern von jeder Realität“ seien. Zu lesen war von Summen von mehr als drei Millionen Euro pro Jahr.

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