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Eklat beim Training : „Piqué, du Scheißkerl, Spanien ist deine Nation“

  • -Aktualisiert am

Das Training der spanischen Nationalmannschaft dauerte nur zwanzig Minuten. Bild: Moya/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Gerard Piqué muss sich nach dem Katalonien-Referendum schlimme Sprüche von etwa 800 sogenannten Fans anhören. Spaniens Trainer bricht das Training ab – und hat eine klare Botschaft.

          Manchmal kann eine Szene einen Fußballspieler für alle Zeiten zum Helden der Fans machen. Gerard Piqué hat viele davon geliefert. Er ist ein Turm in Abwehrschlachten, köpft, grätscht, schont sich nie. „Sudar la camiseta“ ist eine häufige Forderung spanischer Fußballanhänger. Das Trikot muss nach dem Spiel vollgeschwitzt sein. Legendär ist eine Szene während der Weltmeisterschaft in Südafrika beim Spiel Spaniens gegen Honduras, als Piqué mit einer Grätsche an der Außenlinie klärt. Sein Gegenspieler schlägt ihm die Stollen ins Gesicht. Piqué liegt auf dem Boden, blickt mit blutendem Mund und roten Augen in die Kamera. Man hat den Eindruck, solche Situationen würden ihn besonders motivieren. Und trotzdem pfeifen sie ihn aus. Denn Piqué ist für das Recht der Katalanen, über ihre Zugehörigkeit zu Spanien abzustimmen.

          „Piqué – hau ab!“, „Piqué raus“, „Piqué, ich will nicht, dass du gehst, ich will, dass sie dich rauswerfen“, „Piqué, du Scheißkerl, Spanien ist deine Nation.“ Solche Sprüche musste sich der Innenverteidiger beim Training der Nationalelf in Madrid diese Woche von etwa 800 sogenannten Fans anhören. Manche davon trugen militärische Kleidung, einige begannen, faschistische Kampflieder aus dem spanischen Bürgerkrieg anzustimmen. Beamte der Guardia Civil entfernten beleidigende Spruchbänder, aber der spanische Fußballverband machte nicht von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die Fanatiker nicht vom Trainingsgelände. Darum brach Trainer Julen Lopetegui das Training nach nur 20 Minuten wieder ab.

          Das Problem des Innenverteidigers des FC Barcelona und der spanischen Nationalelf: Seine Erläuterungen zum Thema Katalonien und zum Referendum sind für manche offenbar zu differenziert. Er hat sich wiederholt offen dafür ausgesprochen, dass die Katalanen in einem Referendum entscheiden sollten, ob sie zu Spanien gehören wollen oder nicht. Das heißt nicht, dass er auch für die katalanische Unabhängigkeit wäre. Diesen Unterschied wollen nicht alle verstehen. Piqué versinnbildlicht für sie stattdessen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung. „Während der Franco-Diktatur konnten wir nicht abstimmen, aber es ist ein Recht, das wir verteidigen müssen“, sagt er. Zu den Ereignissen vom Sonntag in Katalonien, als die spanische Polizei in den Wahllokalen des vom Verfassungsgericht verbotenen Referendums hart gegen katalanische Aktivisten vorging, sagte er unter Tränen: „Was an diesem Tag passiert ist, war vielleicht die schlimmste Erfahrung in meinem Leben.“

          Nicht nur Piqué und nicht nur Katalanen kritisierten das Vorgehen der Polizei. In Madrid versammelten sich spontan 10.000 Menschen, um dagegen zu protestieren. „In ganz Spanien glauben die Menschen an die Demokratie. Wäre das nicht so, würde ich nicht für die Nationalelf spielen“, sagte Piqué, kündigte aber auch an: „Wenn der Trainer oder der Verband glauben, dass ich ein Problem bin, trete ich noch vor 2018 zurück.“

          Man mag es als Fehler ansehen, dass der 30-Jährige solche Erklärungen stets vor oder nach den Spielen oder am Rande des Trainings abgibt. Seine Botschaft richtet sich eigentlich an ein politikinteressiertes Publikum, doch er verbreitet sie immer nur über die unzähligen Sportsendungen im spanischen Radio und Fernsehen. Die bilden aber ganz offensichtlich nicht den geeigneten Rahmen für eine politisch schwierige Debatte, die die Bereitschaft erfordert, zuzuhören und zu differenzieren, die stattdessen aber von radikalen Standpunkten dominiert wird und so schnell die Gemüter erhitzt.

          Allerdings stammt Gerard Piqué ja aus der Jugend des FC Barcelona, spielt seit 2009 in der ersten Mannschaft eines Vereins, der sich selbst als „más que un club“ – mehr als nur ein Fußballverein – versteht. Politik, katalanische Identität und Sport gehören zum Selbstverständnis Barças. Der Verein hatte mehrfach bekräftigt, das Referendum zu unterstützen. Aus Protest gegen das Vorgehen der Polizei wollte der Verein am Sonntag zunächst gar nicht zum Ligaspiel gegen Las Palmas antreten, doch auf Druck des Verbands und der Gastmannschaft wurde die Partie angepfiffen – in einem leeren Camp Nou. Die Fans hatten gedroht, sie könnten einen Spielabbruch provozieren.

          Am Dienstag nun hat sich auch Barça einem Proteststreik in ganz Katalonien gegen das harte Vorgehen der spanischen Polizei angeschlossen, zu dem katalanische Nationalisten aufgerufen hatten. Keines der Profiteams und auch nicht die Jugendmannschaften würden trainieren, teilte der Klub mit. Vielleicht sollten sich alle Parteien an die Worte von Nationaltrainer Lopetegui halten: „Der Sport eint die Menschen, er kann Unmögliches erreichen.“

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