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2:4 im DFB-Pokalfinale : Auch mit Havertz bleibt Bayer „Vizekusen“

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Volle Konzentration, wenig Ertrag: Kai Havertz Bild: dpa

Es war das wichtigste Spiel seiner bisherigen Karriere, doch trotz eines Tores überzeugt Kai Havertz im Pokalfinale nur selten. Zum ersten Titel seit 1993 kann er Leverkusen nicht verhelfen. Und Havertz' Zukunft bleibt ungewiss.

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          Nach kurzer Bedenkzeit hängte sich Kai Havertz die Silbermedaille doch noch um den Hals. Er hatte sie zunächst nur in der Hand baumelnd von der Bühne getragen, sie kurz angeschaut. Skeptisch, enttäuscht. Ganz am Rand schaute Bayer Leverkusens Nationalspieler dann nach dem 2:4 (0:2) im Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern den jubelnden Münchnern beim Feiern zu. Mit verschränkten Armen und starrem Blick.

          DFB-Pokal

          In dieser Sekunde wird die Sehnsucht des Ausnahme-Talents auf Titel noch einmal gestiegen sein. Gut, dass die meisten Vereine, die um Havertz werben, fast schon eine Garantie darauf haben. So eben die Bayern. Zwar hat der 21-Jährige auch mit Leverkusen beim Finalturnier der Europa League im August noch eine Titel-Chance. Doch an diesem Abend in Berlin blieb erst einmal die Erkenntnis: Auch mit Havertz hat Leverkusen seine „Vize-Serie“ nicht beendet. Nach dessen erstem Finale in seiner Profi-Karriere steht für den Verein der neunte zweite Platz seit dem letzten Titel 1993.

          Interviews gab Havertz nach dem Spiel keine. Vielleicht, weil er keine Lust auf Fragen nach seiner Zukunft hatte, die ihn wohl auch durch den zwölftägigen Kurz-Urlaub begleiten werden. Aber sicher auch, weil er gefrustet war. Denn trotz seines grandios verwandelten Elfmeters in allerletzter Sekunde zum Endstand hatte Havertz die große Bühne nicht für Eigenwerbung genutzt. Vor allem nicht in der ersten Halbzeit, als er in der Sturmspitze verloren und verschenkt wirkte.

          Mit Havertz auf der Zehn brachte Bayer die bis dahin starken Double-Bayern nach der Pause trotz 0:3-Rückstands noch einmal ins Wanken. Hatte Trainer Peter Bosz sich also vercoacht? „Es ist immer einfach, nach dem Spiel zu sagen: Die zweite Halbzeit war besser, hey, warum habt ihr nicht von Anfang an so gespielt?“, antwortete Bosz, der als erster von vier niederländischen Trainern ein Endspiel im DFB-Pokal verlor.

          Richtig ist, dass Bosz’ Taktik nicht aufging. Richtig ist aber auch, dass seine Spieler zu viele Fehler machten. Nicht nur beim offensichtlichsten Patzer, als Torhüter Lukas Hradecky mitten in Leverkusens bester Phase einen harmlosen Schuss von Robert Lewandowski durch die Arme rutschen ließ (59.). „Leider hat mein Fehler alles kaputtgemacht“, sagte der über weite Strecken der Saison ganz starke Finne: „Manchmal sieht man eben wie ein Depp aus.“

          Insgesamt hätten vor allem „der Mut, die Erfahrung und das Vertrauen gefehlt“, analysierte Kapitän Lars Bender treffend. Davon musste sich wahrscheinlich auch Havertz angesprochen fühlen. Vor allem bezog es Bender aber auf das Team und den Verein. Denn seit 2009 – Havertz wechselte da als E-Jugendlicher gerade von Alemannia Mariadorf zu Alemannia Aachen – hatte Bayer in keinem Finale gestanden.

          Mit zweiten Plätzen, damit, in Endspielen dabei zu sein, will sich die Werkself aber nicht mehr begnügen. Die Enttäuschung überwiege, sagte Bosz: „Ganz deutlich.“ Nun wolle man „in der Europa League attackieren“, kündigte Bender an. Da wird Havertz mitspielen, das haben die Leverkusener Bosse klargestellt. Selbst, wenn er wie der aufs Champions-League-Turnier mit RB Leipzig verzichtende Timo Werner zum FC Chelsea wechseln sollte. Die Blues sollen ihr Werben angeblich verstärken. Sie haben seit 1993 übrigens 24 Titel geholt.

          Falls eine Entscheidung bis August nicht gefallen ist, wird Havertz vielleicht dann sehen, ob er den Verein in diesem Jahr wechseln muss, um Trophäen zu gewinnen. Bundestrainer Joachim Löw sah bei Bayer am Samstag jedenfalls „schon Waffen“. Und ARD-Experte Bastian Schweinsteiger sagte mit Blick auf die Europa League: „Ich traue ihnen da viel zu.“

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