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Juventus Turin : Spitze nur im Trainer-Rauswurf

  • -Aktualisiert am

Erst gefeiert, nun gefeuert: Luigi del Neri Bild: REUTERS

Juventus Turin verpasst den Europacup und sucht verzweifelt nach dem alten Geist. Der Neuaufbau wird zum Dauerzustand, in der neuen Saison soll alles besser werden: Stadion, Spieler, Trainer. Der Klub setzt auf Veteranen wie Andrea Pirlo.

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          Es gibt zumindest eine gute Nachricht für Juventus Turin nach dieser Spielzeit in der Serie A: Die Erzrivalen von Inter Mailand sind nach fünf Jahren als italienischer Meister abgelöst. Vom siebten Platz aus, fern aller Möglichkeiten, sich in Europa zu beweisen, blickt Juventus selbst wieder auf eine enttäuschende Saison zurück und zu einigen Überraschungsteams in der Abschlusstabelle auf.

          Ganz oben stehen zwar zwei erwartbare Namen, der AC Mailand als Meister und Inter als Zweiter, die übrigen beiden Champions-League-Plätze aber belegen Teams, denen man das nicht unbedingt zugetraut hatte: der SSC Neapel, der nach 21 Jahren erstmals wieder zum renommiertesten europäischen Klubturnier antreten wird, sowie Udinese Calcio, das sich noch in zwei Entscheidungsspielen für die Gruppenphase der Königsklasse qualifizieren muss. Auch Lazio Rom, der AS Rom und US Palermo werden sich schon bald mit den Gegnern aus den anderen europäischen Ligen beschäftigen - nur Juventus Turin kreist weiter um sich selbst.

          Die abgelaufene Spielzeit sollte die endgültige Wende bringen im Anschluss an den „Calciopoli“-Betrugsskandal und den Zwangsabstieg 2006. Zu Beginn der Saison galt Juventus dank gewaltiger Investitionen in neue Spieler neben Inter als Titelfavorit. „Wir sind sauer und enttäuscht“, sagte Kapitän Alessandro Del Piero. „Inzwischen gewinnen wir selten oder gar nicht mehr.“

          „Total enttäuscht”: Präsident Agnelli

          Kein Verein hat zu Hause mehr Gegentore bekommen als Juventus (31), vielleicht ist Präsident Andrea Agnelli auch deshalb so froh, dass die Heimspiele von diesem Sommer an im neuen, vereinseigenen Stadion ausgetragen werden. „Del Piero und Nedved haben mir gesagt, das neue Stadion könnte am Saisonende acht bis zehn Punkte ausmachen“, sagte der Enkel des ehemaligen Juventus-Eigentümers und Fiat-Präsidenten Gianni Agnelli.

          Die Turiner werden bald der erste Serie-A-Verein mit eigenem Stadion sein, die Arena soll Garantie für wirtschaftliche Solidität und somit auch sportlichen Erfolg sein. Angesichts der sportlichen Misere wird nun aber damit gerechnet, dass die von der Familie Agnelli kontrollierte Eigentümer-Gesellschaft Exor auch in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro für den Ausbau der Profimannschaft bereitstellt.

          Agnelli: „Ich bin total enttäuscht“

          Vom Abgang der Stars wie David Trezeguet, Fabio Cannavaro, Mauro Camoranesi und Pavel Nedved, der nun im Verwaltungsrat sitzt, hat sich das Team nie erholt. Einige Einkäufe wie Stürmer Fabio Quagliarella erlitten schwere Verletzungen und fielen lange aus, fast alle neuen Spieler, etwa Simone Pepe oder Milos Krasic sowie die ehemaligen Bundesligaspieler Luca Toni, Andrea Barzagli oder Hasan Salihamidziç zeigten sich den Anforderungen nicht gewachsen.

          „Ich bin total enttäuscht“, sagte Präsident Agnelli. „Einige Neuzugänge haben nicht verstanden, was Juventus ist, und die, die es wussten, haben es vergessen.“ Mit gellenden Pfiffen schickten die Tifosi die Mannschaft auch nach dem 2:2 am Sonntagabend gegen den SSC Neapel in die Kabine, nur Torwart Gigi Buffon und Del Piero bekamen Applaus. Mit knapp 37 Jahren genießt Del Piero weiterhin Kultstatus in Turin, auch weil er einer der wenigen Spieler ist, auf die Verlass ist. Mit elf Saisontreffern war er der beste Torschütze seiner Mannschaft, keiner im Team kam über die 45 Saisoneinsätze Del Pieros hinaus.

          Neuaufbau mit dem in die Jahre gekommenen Pirlo

          Der Neuaufbau bei Italiens Rekordmeister weitet sich zum Dauerzustand aus, das Management schreckt dabei nicht vor der Verpflichtung teurer, aber in die Jahre gekommener Stars zurück. Bereits jetzt ist der Wechsel des 32 Jahre alten Andrea Pirlo sicher, der nach zehn Jahren den AC Mailand verlässt. Milan bot Pirlo nur zu verringerten Bezügen eine Vertragsverlängerung an, Pirlo lehnte ab. Beide Mailänder Vereine wollen ihre Teams verkleinern und haben eine moderatere Gehaltspolitik angekündigt, teure Stars wie Inters Wesley Sneijder könnten bei guten Angeboten auch ins Ausland wechseln. In Neapel (3. Platz), Udine (4.) und bei Lazio Rom (5.) setzen die Eigentümer vor allem auf junge Spieler und Gehaltsobergrenzen und haben damit Erfolg. Juventus scheint auch in Sachen Transferpolitik ganz die „alte Dame“ geblieben zu sein.

          In dieses Bild fügt sich auch die Entlassung von Trainer Luigi Delneri, der zu Saisonbeginn als eine Art Messias gefeiert wurde. Nun wird er aller Wahrscheinlichkeit nach vom ehemaligen Juventus-Kapitän Antonio Conte abgelöst, der mit dem AC Siena den Aufstieg aus der Serie B schaffte. Conte ist ein Idol der Turiner Tifosi und verkörpert den „spirito juventino“ wie wenige. Lange Zeit hatte bekanntlich Inter Mailand das Primat im Trainer-Rauswurf, aber auch in dieser Rangliste gibt es einen neuen Spitzenreiter, der seit 2006 durchschnittlich einen Trainer pro Saison verbraucht. Sein Name: Juventus Turin.

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