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Aufsehen um Torhüter-Ikone : Gianluigi Buffon, der Mann ohne Alter

Ich bleibe, capito? Gianluigi Buffon ist zuverlässig wie eh und je. Bild: AFP

Er bleibt noch ein Jahr bei Juventus Turin: Torhüter-Legende Gianluigi Buffon wird beim italienischen Fußball-Rekordmeister dringend gebraucht – aus drei wichtigen Gründen.

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          Am Dienstagabend, beim Heimspiel gegen den CFC Genua, war sein Einsatz nicht geplant: Bei Ligaspielen in der Serie A sitzt Torwartlegende Gianluigi Buffon meistens auf der Bank. Die unbestrittene Nummer eins im Tor beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin ist seit 2017 der polnische Nationaltorhüter Wojciech Szczesny. Der trägt folgerichtig auch das Trikot mit der Nummer eins. Buffon, inzwischen 42 Jahre alt, suchte sich im Juli 2019, bei seiner Rückkehr aus Frankreich vom „Jahresausflug“ bei Paris Saint-Germain, die Nummer 77 aus. Es war die Trikotnummer, die er zu Beginn seiner Profilaufbahn bei AC Parma getragen hatte. Und die ihm, nach sieben Jahren bei dem Traditionsverein in der Emilia-Romagna, 2001 den Weg in den Piemont zu Juventus ebnete.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In den folgenden 17 Spielzeiten gewann Buffon, ordnungsgemäß mit der Rückennummer eins, fast alles, was es zu gewinnen gibt: mit dem Verein neun nationale Titel – so viele wie kein anderer Spieler in der Geschichte der Serie A –, mit der Squadra Azzurra 2006 den Titel bei der WM-Endrunde in Deutschland. Und auch gegen Genua bejubelte er nach 90 Minuten einen 3:1-Erfolg. Dass er in der Serie A und in der Nationalmannschaft Rekordspieler ist, versteht sich fast von selbst.

          Zwei Jahrzehnte Fußball

          Beim Wechsel 2018 zu Paris Saint-Germain unterschrieb Buffon einen Einjahresvertrag. Mehr konnte der damals 40 Jahre alter Keeper nicht verlangen. Einen weiteren Einjahresvertrag bot ihm Juventus bei der Rückkehr 2019 an. Mit 41 Jahren durfte selbst eine Vereinslegende wie Buffon nicht mehr erwarten. Und jetzt, mit 42 Jahren, hat „Gigi“ Buffon abermals verlängert, um ein Jahr, versteht sich. Wenn er gesund bleibt, wird er zwei Jahrzehnte nach seinem ersten Vertrag bei Juve noch immer und wiederum im Kader der Bianconeri stehen.

          Zum Einsatz kam Buffon in der vergangenen Saison vor allem bei Pokalspielen. Zuletzt, nach der langen Coronavirus-Pause seit Anfang März, im nachgeholten Halbfinalrückspiel der Coppa Italia vom 12. Juni gegen AC Mailand sowie im Finale von Rom am 17. Juni gegen SSC Neapel. In beiden Spielen hielt Buffon seinen Kasten in der regulären Spielzeit sauber und war in einer müden Juve-Truppe der beste und vitalste Mann: Mit sagenhaften Reflexen rettete er Juventus gegen Milan zunächst ins Finale und dann im Endspiel gegen Neapel ins Elfmeterschießen. Dass Juventus dabei mit 2:4 verlor, konnte niemand Buffon ankreiden. Vielmehr bereiteten die ersten Juve-Schützen Paulo Dybala und Danilo, die beide kläglich verschossen, Napoli den Weg zum sechsten Pokalsieg.

          Dem Spott begegnet

          Bei der Heimkehr des „verlorenen Sohnes“ nach Turin hatte es vor Jahresfrist geheißen, Buffon sei wohl vor allem wegen seiner Beteiligung an dem Start-up-Unternehmen The Grand House, das Luxusimmobilien vermittelt, nach Italien zurückgekommen. Den Spott ließ Buffon scheinbar ungerührt an sich abtropfen und trainierte zuverlässig wie eh und je mit Profis, die seine Söhne sein könnten. Wann immer man ihn brauchte, war Buffon zur Stelle und brachte die erwartete und erforderliche Leistung. In der Serie A hat Buffon mit 647 Spielen inzwischen zu Rekordhalter Paolo Maldini aufgeschlossen. Am Samstag, beim Derby gegen den FC Turin, wird Buffon sein 648. Ligaspiel absolvieren und damit zum alleinigen Rekordhalter werden, hat Trainer Maurizio Sarri am Rande der Vertragsunterzeichnung vom Montag versprochen. Zusammen mit Einsätzen in Pokalspielen bringt es Buffon auf 903 Pflichtspieleinsätze, auch dies natürlich ein Rekord.

          Doch Buffons Aufgabe im Team ist es natürlich nicht, weitere Rekorde zu sammeln. Und auch nicht nur, das Tor zu hüten, wenn man ihn als Ersatzmann ruft. Vielmehr ist er so etwas wie der Kitt in der Mannschaft, die gerade nach der Pokalniederlage gegen Neapel bedrohlich an Kohäsion zu verlieren drohte. Es dürfte auch dem „Kabinenzauberer“ Buffon zu danken sein, dass sich Juve nach der Pokalenttäuschung gegen Neapel mit zwei überzeugenden Pflichtsiegen gegen Bologna und Lecce im Titelkampf der Serie A etwas Luft vor den Verfolgern Lazio Rom und Inter Mailand verschaffen konnte. Es heißt, Superstar Cristiano Ronaldo rede im Team einzig mit Buffon auf Augenhöhe und nehme sich dessen Rat zu Herzen. Und auch beim nicht immer harmonischen Miteinander zwischen Trainer und Startruppe brauche es oft das „Übersetzertalent“ Buffons.

          Dass der Altmeister im Tor nach all den Jahren und Titeln seinen Siegeshunger noch immer nicht hat stillen können oder wollen, ist eine Berufskrankheit, von der sich ein zuletzt verunsichertes Team mitten im Generationenumbruch dringend anstecken lassen muss. Die Vertragsverlängerung mit „Gigi ohne Alter“ war für Juve deshalb eine Entscheidung ohne Alternative.

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