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Fußballstar und Corona-Krise : Die andere Seite des Cristiano Ronaldo

Fußballstar Cristiano Ronaldo hilft in der Corona-Krise. Bild: Picture-Alliance

Viele denken beim Fußballstar aus Portugal an seine divenhaften Posen. Doch Cristiano Ronaldo ist mehr. Ausgerechnet die Corona-Pandemie führt der Welt das nun vor Augen. Allerdings stellt sich dabei eine Frage.

          2 Min.

          Diese Corona-Krise, so heißt es, kehre das Beste und das Schlechteste der Menschen nach außen. Aber manchmal ist es auch das Überraschendste. In dieser Woche schickte Cristiano Ronaldo ein Video in den Social-Media-Orbit, das ihn zeigte, wie er drei seiner Kinder, ordentlich nebeneinander aufgereiht in ihren Hochstühlen sitzend, die Hände desinfizierte, um seine Millionen Follower auf der ganzen Welt nochmals darauf hinzuweisen, wie wichtig Hygiene in diesen Zeiten ist.

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          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kurz danach wurde bekannt, dass der portugiesische Star von Juventus Turin und sein Berater Jorge Mendes mehrere Intensivstationen mit einer Kapazität von jeweils zehn Betten für Krankenhäuser in Porto und Lissabon finanzieren wollen. „Dies ist eine sehr wichtige Investition, die mehr als ein Dutzend Beatmungsgeräte und andere notwendige Ausrüstung umfasst“, sagte Eurico Castro Alves, Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Porto, der Zeitung „Jornal de Noticias“. Er kündigte an, dass die Station die Namen von Ronaldo und Mendes tragen werde.

          Die Juve-Profis haben sich mit dem Verein auf einen Gehaltsverzicht von insgesamt 90 Millionen Euro geeinigt, wie der Klub am Samstag mitteilte. Zuvor hatte sich Ronaldo schon in den Reigen jener Profis eingereiht, die derzeit helfen wollen und Gutes tun. Bei manch einem wird dies womöglich das eingefrorene Ronaldo-Bild im Kopf verändern. Das Bild, das bis vor kurzem noch vor allem aus diesen johnwaynehaften Freistoß-Posen, den divenhaften Jubel-Posen, diesem Ich-zentrierten Sein bestand. Doch Ronaldo ist mehr. Fans des Portugiesen wussten das schon lange, seine Kritiker wollten es nie glauben – doch ausgerechnet diese Coronavirus-Pandemie führt der Welt nun vor Augen, wie facettenreich und mitfühlend der Fünfunddreißigjährige sein kann.

          Seine Mitspieler und ehemaligen Teamkollegen haben das auch in der Vergangenheit immer wieder betont. Sami Khedira etwa, der in der vergangenen Saison gemeinsam mit Ronaldo mit Juventus Turin die Supercoppa Italiana und die italienische Meisterschaft gewann, verglich den Stürmer im „Kicker“ sogar mit zweien der ganz Großen: „Ältere Spieler sind dazu da, die jungen Spieler an die Hand zu nehmen, zu fördern und aufzuzeigen, was zu tun ist. Da ist Cristiano definitiv ein großes Vorbild für alle Sportler, ähnlich wie die Superstars LeBron James im Basketball oder Tom Brady im Football“, sagte Khedira.

          Was zu tun ist also: Als die Coronavirus-Infektionen in Italien immer mehr zunahmen und die Serie A entschied, ihren Spielbetrieb zu unterbrechen, setzte sich Ronaldo nach Madeira ab, auch um dort nach seiner kranken Mutter zu sehen. Er war der erste Profi, der Turin den Rücken kehrte, Miralem Pjanic, Gonzalo Higuáin, Sami Khedira und Douglas Costa folgten seinem Beispiel und flogen ebenfalls in ihre Heimatländer.

          Ronaldo hat sich seitdem in den Kreis seiner Familie zurückgezogen, und glaubt man seinen Einträgen auf seinen Social-Media-Kanälen, dann kümmert er sich um die Kinder und seinen Körper. An der Beinpresse stehen seine Oberschenkel unter Vollspannung, Ronaldo zeigt mit beiden Daumen nach oben, er lächelt, und unter das Bild schreibt er: „Wenn du jemals davon geträumt hast, für Millionen auf der ganzen Welt zu spielen, jetzt ist deine Chance. Spiele drinnen, spiele für Millionen.“ Im Klartext: Bleibt zu Hause! Auf Instagram hat er damit mehr als 200 Millionen Menschen erreicht, so viele also, wie kaum ein Politiker derzeit erreichen dürfte.

          Es wird eine Zeit nach der Corona-Krise geben. Der Blick auf den Fußball und seine Hauptdarsteller wird dann ein anderer sein, ganz sicher. Doch die entscheidende Frage ist dann: Wie lange?

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