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Jupp Heynckes : Das Schönste zum Schluss

  • -Aktualisiert am

Auf Händen getragen: Jupp Heynckes auf dem Höhepunkt Bild: AFP

Für Jupp Heynckes ist der Titel die Krönung seines Lebenswerks. Bei den Bayern erlebt er einen Teamgeist wie nie - und tritt selbst als geschickter Moderator auf. Am Rande verrät er ein kleines Geheimnis.

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          Die überschwänglichen Szenen, die Party mit den Fans, die großen Momente ungebändigter Emotionen überließ der Herr im grauen Anzug seinen Spielern. Jupp Heynckes, der Dirigent des besten europäischen Fußballensembles, stand ein wenig im Hintergrund, als die Spieler des FC Bayern München den schönsten Tag ihrer Karriere im Londoner Wembleystadion feierten. Nur einmal trat der Gentleman aus Mönchengladbach an die Rampe und warf die Arme zum Zeichen des Jubels in die Höhe. Schließlich hat er eine gigantische Serie des Erfolges und der Triumphe bei seinem Team in Gang gesetzt und am Leben erhalten, ein Erfolgsstück, das im deutschen Vereinsfußball seinesgleichen sucht und am Samstagabend beim 2:1-Erfolg im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund gekrönt wurde.

          Vom kommenden Sonntag an, nach dem DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart, wird die dritte Trainermission des Rheinländers bei seinem liebsten Klub nach seinem Heimatverein Borussia Mönchengladbach Vergangenheit sein - und alle, die es mit dem FC Bayern halten und das Lebenswerk des Jupp Heynckes bewundern, werden einen Augenblick innehalten. Jeder, dessen Wort im deutschen Fußball Gewicht hat, gratulierte Heynckes nach dem streckenweise faszinierenden und verdientermaßen von den Bayern gewonnenen Endspiel. Voran Uli Hoeneß, der wegen seiner Steuerhinterziehungsaffäre schwer unter Druck stehende Präsident des Klubs: „Jupp Heynckes“, lautete seine Laudatio, „hat hier einen unglaublich guten Job gemacht. Die Mannschaft mit all den Stars bei Laune zu halten und immer wieder zu Höchstleistungen zu treiben, ist seine Handschrift.“

          Ein zweifelndes Team gefordert und gefördert

          Heynckes, als deutsche Trainer-Ikone inzwischen auf einer Stufe mit großen Vorgängern wie Ottmar Hitzfeld und Udo Lattek stehend, scheint in seinen letzten Trainerjahren eher jünger als älter geworden. Der Titelsammler hat es ohne Wortgetöse geschafft, die Kräfte seiner im Vorjahr auf nationaler Ebene vom damaligen Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund abgehängten und international in der Champions League im „Finale dahoam“ vom FC Chelsea schwer geschlagenen Mannschaft so zu bündeln und zu stärken, dass die Münchner alle in die Schranken verwiesen, die sich ihnen in den Weg zu stellen trauten. Es waren am Ende einer Saison der eigenen Rekorde nicht viele.

          „Ich war strenger, konsequenter und ehrgeiziger im Detail“, sagt der Trainer, der nach Ernst Happel (Feyenoord Rotterdam und Hamburg), Ottmar Hitzfeld (Dortmund und Bayern) und José Mourinho (FC Porto und Inter Mailand) als vierter Coach (Real Madrid 1987 und Bayern) mit zwei verschiedenen Vereinen den schweren Silberpott gen Himmel strecken konnte, über sich und seine eigene Formverbesserung, „man muss die Spieler aber auch bei Laune halten, denn niemand will auf der Reservebank sitzen“. Dieser Balanceakt ist dem lebenserfahrenen Moderator manchmal gegenläufiger Interessen exzellent gelungen. Er hat ein Team, das an sich zweifelte und dann mit geschickten Transfers eine neue Qualität erreichen konnte, gleichermaßen gefordert und gefördert - und sich auch ein bisschen in seine Mannschaft verliebt, die einen Charaktertest in neuer Geschlossenheit und ohne „Mia-san-mia“-Imponiergehabe bestand.

          Über Missgunst und Neid erhaben

          Der Trainer konnte sich auf der vielleicht letzten Etappe seiner dualen Spitzenkarriere als Klassestürmer von Borussia Mönchengladbach und exzellenter Fußballlehrer in Spanien und Deutschland einem Aufgebot widmen, das seinem Ideal ganz nahe kam. „Wir haben einen Teamgeist, den ich in der Form noch nie im Profifußball erlebt habe“, sagte er. Die Generation Lahm/Schweinsteiger, die ihren ersten über die nationalen Grenzen hinaus beachteten Titel eroberte, hat in ihrer uneigennützigen Dienstleistungsbereitschaft fast nichts mit der Generation Leitwolf und Ich-AG gemein, die der damals selbst noch zu prinzipiell auftretende Heynckes nach zwei atmosphärisch angenehmen Trainerjahren in Bilbao zum Beispiel bei Eintracht Frankfurt 1994 oder beim FC Schalke 04 2003 antraf. Das in Zeiten der kollektiv und laufintensiv zu verrichtenden Defensiv- und Offensivaufgaben notwendige Zusammengehörigkeitsgefühl bemächtigte sich schließlich auch der Individualisten in Heynckes’ Aufgebot.

          Der Trainer und sein wichtigster Spieler Bilderstrecke

          Dass er nun auf dem Gipfel seines Erfolges die Bayern verlässt, habe für ihn schon nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel des vergangenen Jahres festgestanden, sagte Heynckes. Ob er nach seiner Laufbahnkrönung noch einmal in die Arena zurückkehren oder sich dauerhaft auf seinen Bauernhof bei Mönchengladbach zurückziehen wird, will er nach dem Berliner Pokalfinale verraten. Seinem Nachfolger Pep Guardiola hinterlässt der sensible Hochleistungsfachmann Heynckes ein reiches Erbe, das der Trainerkünstler mit seiner beim FC Barcelona perfektionierten Spielidee weiter veredeln möchte. „Mario Götze wird kommen, Robert Lewandowski wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen“, sagte Heynckes am Samstag, „dann hat man noch zwei Offensivspieler dazu. Es ist gut möglich, dass der FC Bayern mit gezielten Einkäufen eine neue Ära in Europa schaffen kann.“ Es ist aber auch möglich, dass der Glanz, der jetzt über den Bayern funkelt, zur Hypothek für Guardiola wird.

          Gentleman Jupp wird es von weitem interessiert beobachten und seinem Nachfolger alles Gute wünschen. Über Missgunst und Neid ist der vielleicht etwas zu früh aufs Altenteil geschickte Maestro vom Niederrhein erhaben. Seine Spieler wissen das und haben auch, um die Erwartungen ihres charakterfesten Chefs nicht zu enttäuschen, in diesem Jahr ihre eigene Reifeprüfung summa cum laude bestanden.

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