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FC Liverpool : Klopp und ein ziemlich schönes Problem

  • -Aktualisiert am

Alex Oxlade-Chamberlain (links) und Jürgen Klopp können sich auf Weihnachten freuen. Bild: Reuters

Kurz vor Weihnachten ist Jürgen Klopp rundum „happy“. Das liegt nicht nur am hohen Sieg von Liverpool über Crystal Palace. Und ein Luxusproblem dürfte dem deutschen Trainer nicht die Festtagsstimmung verderben.

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          Jürgen Klopp hat ein Sturmproblem. Das war beim 7:0-Premier-League-Sieg seines FC Liverpool bei Crystal Palace am Samstagnachmittag eindeutig zu erkennen. Das Problem ist, dass sich seine Stürmer in guter bis herausragender Form befinden, er sie aber schlecht alle gleichzeitig aufstellen kann. Als Trainer ist er dafür verantwortlich, auch seine Stammspieler hin und wieder zu schonen. Als er aber Sadio Mané gegen Crystal Palace in der 57. Spielminute für Mohamed Salah auswechselte, war dem Torschützen zum 2:0 sein Ärger über die Entscheidung deutlich anzusehen – und auch Salah jubelte später nur verhalten nach seinen Toren zum 6:0 und 7:0.

          Von der BBC darauf angesprochen, sagte Klopp mit breitem Grinsen, er sei „happy“ gewesen, Mané so früh auswechseln zu können – „er offensichtlich nicht. Aber das ist komplett okay und normal.“ Salah habe ja „auch keine Party veranstaltet“, als er ihm mitgeteilt habe, dass er nicht von Anfang an spielen werde. „Ich muss diese Entscheidungen treffen. Die Jungs akzeptieren sie. Manchmal mögen sie sie, aber nicht immer. So ist das.“

          Dieses Luxusproblem wird Klopp nicht die Weihnachtsstimmung verderben. Zumal Liverpool die Tabellenführung über die Feiertage nicht zu nehmen ist; erst am Sonntag spielen sie das nächste Mal, dann gegen Aufsteiger West Bromwich Albion. Am vergangenen Mittwoch hatte Liverpool den bis dahin Tabellenersten Tottenham Hotspur 2:1 besiegt und dadurch zum ersten Mal seit Ende Oktober wieder die Führung in der Meisterschaft übernommen, die sie nun eindrucksvoll mit auf den Gabentisch legten. Dass Tottenham am Sonntag gegen Leicester City gleich nochmal verlor, dürfte die Stimmung auch nicht gedrückt haben.

          Zwei Spiele, zwei Siege derweil für Liverpool, die Tabellenführung zurückerobert und die 2:7-Blamage gegen Aston Villa vom vierten Spieltag in der Tordifferenz mehr als kompensiert: Man kann die Häufung des Wortes „happy“ in Klopps jüngsten Interviews schon verstehen. Zwischendurch wurde er vom Internationalen Fußball-Verband (Fifa) auch noch zum Trainer des Jahres gekürt – zum zweiten Mal nacheinander –, obwohl viele Bayern Münchens Trainer Hans-Dieter Flick in diesem Jahr vorne gesehen hatten.

          Womöglich auch deshalb machte Klopp keine große Sache aus der Auszeichnung. „Hättet ihr mich gefragt: ,Bist du der beste Trainer der Welt?‘, hätte ich ,nein‘ gesagt“, lenkte er die Aufmerksamkeit lieber auf seine Assistenten: „Hättet ihr mich gefragt: ,Hast du die besten Trainer der Welt um dich herum?‘, hätte ich ,ja‘ gesagt.“ Unterm Strich gebe es wichtigere Dinge auf der Welt als den Fifa-Preis, der sei aber trotzdem „nett“.

          In der vergangenen Saison, an deren Ende Liverpool zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder englischer Meister wurde, hatte Liverpool nach 14 Spieltagen schon acht Punkte Vorsprung vor seinen Verfolgern. Diese Saison ist es knapper, worauf Klopp nach dem Sieg über Crystal Palace hinwies: „Zu diesem Zeitpunkt ergibt es keinen Sinn, wegen irgendetwas aus dem Häuschen zu sein.“

          Zur Erklärung seiner Nüchternheit hatte er für das englische Publikum eine deutsche Bolzplatzweisheit parat: „In Deutschland sagen wir, es ist besser, siebenmal 1:0 zu gewinnen als einmal 7:0.“ Gleichwohl müsse er zugeben, dass sich so ein Kantersieg „auch schön“ anfühle. Er empfinde deshalb keine Zufriedenheit, dafür sei es zu früh. Nach dem tollen Spiel seiner Mannschaft sei er für den Moment aber „happy, absolut“.

          Und sein Sturmproblem wird auch dadurch nicht leichter, dass es bei den sieben Toren gegen Crystal Palace sieben verschiedene Vorlagengeber gab. Das ist schon organisatorisch hoch- kompliziert. Aber vermutlich ist es das schönste Problem, dass Klopp gerne hätte.

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