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Champions-League-Sieger : Klopp und eine knifflige Frage für Liverpool

  • Aktualisiert am

Wie aktiv sollen Jürgen Klopp und der FC Liverpool auf dem Transfermarkt werden? Bild: AFP

Mit dem Sieg im Champions-League-Finale gewannen Jürgen Klopp und Liverpool endlich einen Titel. Vor dem Start der neuen Saison ist der Trainer bestens gelaunt. Doch die Spekulationen auf dem Transfermarkt sorgen für Unruhe.

          Bei strahlendem Sonnenschein absolvierten die Spieler des FC Liverpool Laufeinheiten im Örtchen Notre Dame im amerikanischen Bundesstaat Indiana. Virgil van Dijk, Divock Origi und die anderen Champions-League-Helden trugen aufgrund der Hitze ärmellose Shirts. Bei Temperaturen um 36 Grad bereitet sich das Team von Jürgen Klopp auf die neue Spielzeit in der Premier League vor – und plant einen neuen Angriff auf den englischen Fußballmeister Manchester City. Die Frage ist nur: Mit welchem Personal?

          „Ich freue mich wirklich auf die neue Saison“, sagte Klopp in Indiana, „das wird wieder sehr spannend.“ Klopp sieht vor der Premier-League-Saison Manchester City wieder als „großen Favoriten“ an. In der abgelaufenen Spielzeit hatte die Elf von Pep Guardiola sich die Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung auf die Reds gesichert. Mit einem ähnlichen deutlichen Abstand zu den weiteren Verfolgern rechnet Klopp nicht. „Alle Teams fangen wieder neu an, es gibt kein Duell zwischen City und uns und der Rest schaut zu. So läuft die Premier League nicht, alle Spiele sind so schwer“, sagte er.

          Mit dem aktuellen Stand der Vorbereitung ist Klopp zufrieden, wenn auch noch viel Arbeit warte. „Soweit, so gut“, sagte er: „Wir haben letzte Saison ein besonderes Level erreicht und das sollte die Basis davon sein, was wir von uns in der nächsten Saison erwarten.“ Die Situation sei auf dem Weg dorthin etwas anders im Vergleich zum letzten Jahr. „Die Spieler steigen erst spät wieder ein, wir hatten einen kürzeren Urlaub als so ziemlich alle anderen Teams, weil das Champions-League-Finale drei Wochen nach dem Ende der Saison war“, sagte Klopp. Liverpool eröffnet die Saison am 9. August mit einem Duell gegen Aufsteiger Norwich City um den deutschen Teammanager Daniel Farke.

          Bis dahin ist einiges zu tun, eher auf dem Trainingsplatz als auf dem Transfermarkt. Dort will Liverpool in diesem Sommer etwas zurückhaltender agieren als in den Vorjahren. Ist das die richtige Strategie?  „Wir gucken mal, was kommt“, sagte Klopp, der mit dem bestehenden Team „sehr zufrieden“ ist. „Wir müssen mal sehen, ob wir vielleicht auf der einen oder anderen Position was machen. Aber es gibt keinen Druck, weil wir niemanden verpflichten müssen.“

          Britische Medien sorgten zuletzt für etwas Unruhe und spekulierten, die Reds könnten sich beim FC Barcelona bedienen. Der frühere Liverpool-Star Philippe Coutinho konnte sich bei Barça nicht wirklich durchsetzen. Sein Agent Kia Joorabchian deutete an, Coutinho könne sich eine Rückkehr nach Anfield vorstellen. Ein Wechsel zu einem anderen englischen Klub – Manchester United soll ebenfalls Interesse zeigen – sei demnach undenkbar. Über Klopps Chancen auf ein Coutinho-Comeback sagte der Agent: „Es wird ein sehr schwieriger Deal, aber das gilt für alle großen Deals. Es liegt an ihnen.“ Es geht also mal wieder ums Geld.

          Und das könnte aus Sicht von Liverpool-Legende Jamie Carragher der Knackpunkt sein. „Ich würde nicht alles tun, um ihn zu verpflichten“, sagte er dem Liverpool Echo, „aber wenn es die Möglichkeit gibt, ihn für faires Geld zu holen, würde ich es machen.“ Alternativ ist David Neres von Ajax Amsterdam im Gespräch. Ajax-Sportdirektor Marc Overmars spricht im AD von einem „konkreten Angebot“, ohne den interessierten Klub namentlich zu nennen. Mögliche Ablöse: 39 Millionen Euro.

          Das Interesse beim FC Liverpool an Coutinho dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Denn seit dem Abschied des Brasilianers vor anderthalb Jahren ging es für die Reds stetig bergauf. Und so stellt sich die knifflige Frage, in wie weit der Klub überhaupt tätig werden sollte. Dass beim Champions-League-Sieger, der Coutinhos Barcelona im Halbfinal-Rückspiel mit 4:0 demütigte (Hinspiel 0:3), Platz für den 27-Jährigen ist, darf zudem bezweifelt werden. Die Fans haben auch nicht vergessen, wie er seinen Abschied damals forcierte. „Philippe Coutinho verdient keine zweite Chance in Liverpool“, schrieb das Fußballportal „90min“. „Seine Einstellung ist nicht gut genug, seine Form ist nicht gut genug, er ist nicht gut genug.“

          Als weiterer Kandidat gilt Medienberichten zufolge der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé, der die Erwartungen bei Barça auch nicht erfüllen konnte. Die Spanier sollen dem FC Liverpool den Franzosen sogar direkt angeboten haben. Bei einer kolportierten Ablösesumme von umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro scheint ein Wechsel aber unwahrscheinlich. „Wir haben in den letzten zwei Jahren viel in die Mannschaft investiert“, stellte Klopp unabhängig von Dembélé klar. „Wir können nicht jedes Jahr so viel ausgeben.“

          Noch ohne seine Stars Mohamed Salah, Roberto Firmino und Alisson Becker, die wegen des Afrika-Cups und der Copa America erst Ende des Monats zur Mannschaft stoßen, bestreitet Liverpool den ersten hochkarätigen Test. Im Notre Dame Stadium, wo in dieser Woche extra ein Naturrasen verlegt wurde, treffen die Reds am Samstag (2.00 Uhr MESZ bei DAZN) auf Klopps ehemaligen Verein Borussia Dortmund. Nur ein Freundschaftsspiel, aber es dürfte trotzdem heiß werden. Denn für die kommenden Tage hat der Wetterdienst in Indiana eine Hitzewarnung rausgegeben.

          Klopp betonte dieser Tage zudem, noch mindestens bis ins Jahr 2022 Teammanager in Liverpool bleiben zu wollen – so lange läuft sein Vertrag. Ob es danach für den früheren BVB-Coach in Anfield weitergeht, will oder kann er noch nicht beantworten. „Wir werden sehen. Warum sollten wir jetzt darüber nachdenken?“, fragte der Klopp. Seit dem Triumph im Finale der Königsklasse über Tottenham am 1. Juni (2:0) wird über eine mögliche Vertragsverlängerung von Klopp diskutiert. Zuletzt berichtete ESPN, dass der deutsche Erfolgstrainer nach dem Ende seines aktuellen Arbeitspapiers eine Pause einlegen könnte.

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