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Klopp zurück in Dortmund : „Ich werde ein Tor bejubeln wie immer“

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Begeisterung ist anders: Jürgen Klopp ist genervt wegen des Hypes um seine Person Bild: dpa

Jürgen Klopp ist vor dem Wiedersehen mit Borussia Dortmund im Viertelfinale der Europa League um Normalität bemüht - nimmt aber einen Geschenkkorb dennoch verspätet an. Sportlich sieht er sein Team in der Außenseiterrolle.

          Den Geschenkkorb, für den eine Boulevardjournalistin in der alten Nachbarschaft von Jürgen Klopp gesammelt hat, nahm der ehemalige BVB- und jetzige Liverpool-Trainer zunächst nicht an. Und auch einige der nur wenig sportspezifischen Fragen bei der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale der Europa League am Donnerstag (21.05 Uhr/ Live bei Sport1, Sky und FAZ.NET-Europa League-Liveticker) nahm Klopp bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte genervt zur Kenntnis.

          Der Hype um das Wiedersehen mit Borussia Dortmund nur zehn Monate nach dem Abschied im vergangenen Frühjahr prallte an Klopp ab. Stattdessen war er darum bemüht, Normalität herzustellen. „Als Kind fingen wir mit Freunden an, Fußball zu spielen und wir wollten sie auch immer schlagen“, sagte Klopp. Und so will er auch gegen Borussia Dortmund gewinnen und im Zweifelsfall auch Freude zum Ausdruck bringen. „Ich bin an einem Ort, an dem ich eine wunderschöne Zeit hatte. Besser hier als in Nordkorea. Aber bei einem Tor von Borussia Dortmund werde ich sicher nicht jubeln“, sagte Klopp. „Und ich würde ein Tor für uns bejubeln wie immer.“

          Für die Arbeit seines Dortmunder Nachfolgers Thomas Tuchel, der in seinen Mainzer Jahren fünfmal als „Gastgeber“ bei der Rückkehr des zuvor in Mainz tätigen Klopp fungierte, hat der Trainer vom FC Liverpool derweil nur lobende Worte. „Die Mannschaft hat eine coole Entwicklung genommen. Sie kann sogar noch die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Europa League gewinnen. Aber dabei wollen wir auch ein Wörtchen mitreden“, sagte der einstige BVB-Trainer, der sein Liverpooler Team dennoch in der Außenseiterrolle sieht: „Nur wenn wir ein Topniveau erreichen, haben wir eine Chance. Ich glaube nicht, dass wir Favorit sind. Aber wenn wir den BVB schlagen, einen der stärksten Gegner, könnten wir zu einem Favoriten in diesem Wettbewerb werden.“

          Im alten Wohnzimmer: Jürgen Klopp auf dem Rasen des Westfalenstadions

          Schon auf dem Weg vom Flughafen ins Stadion empfing ihn ein über eine Stadtautobahn-Brücke gespanntes Spruchband der Stadt Dortmund – allerdings mit einer süffisanten Kampfansage: „Lieber Jürgen Klopp, zuhause auf'm Platz sind Auswärtsniederlagen am besten zu ertragen.“ Das Kurzcomeback des Kulttrainers in der Revierstadt erhöht den Aufmerksamkeitsgrad des Spiels auf Champions-League-Niveau – und sorgt für „El Kloppico“-Schlagzeilen.

          Tuchel hält Vergleiche für müßig

          Dass dieser Personenkult die Konzentration der Borussia stören könnte, glaubt Gonzalo Castro jedoch nicht: „Wir wollen den Klopp-Hype mit einer guten Leistung vergessen lassen.“ Der Rummel um den einstigen BVB-Trainer, der seit Oktober 2015 sein Glück beim englischen Traditionsklub versucht, drängt selbst das nur drei Tage später anstehende prestigeträchtige Revierderby auf Schalke vollends in den Hintergrund.

          Dass sein Vorgänger in der Revierstadt noch immer so große Popularität genießt, kommentierte BVB-Trainer Thomas Tuchel ohne eine Spur von Neid: „Wir sind, was wir sind, weil die Geschichte mit Jürgen vorher so war. Alles andere als ein warmer Empfang wäre eine große Überraschung.“ Von Vergleichen zwischen Klopp und ihm hält Tuchel jedoch wenig: „Es ist müßig zu definieren, wie viel von Jürgen und wie viel von mir in unserer Mannschaft steckt.“

          Am Ende des Tages war dann indes zumindest die Gelassenheit zurückgekehrt: Klopp nahm letztlich nicht nur den Geschenkorb doch noch entgegen. Er gestattete zudem den Medien entgegen der Gepflogenheiten im Europapokal, die lockere Trainingseinheit komplett anzusehen.

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