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Klopp in Liverpool : „Ich bin ja nicht krank“

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„In unserem Leben zählen wir keine Jahre, sondern Saisons“: Jürgen Klopp Bild: dpa

2019 verlief für Jürgen Klopp und den FC Liverpool grandios, 2020 soll noch besser werden – mit dem Titel in der Premier League. Doch es ist nicht nur der sportliche Erfolg, der Klopp auch in England so beliebt macht.

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          Jürgen Klopp lachte sein Jürgen-Klopp-Lachen, als er zugab, wie sehr ihn die vergangenen vier Jahre in Liverpool schon zum „Engländer“ gemacht haben. „Ich trinke nur noch Tee, keinen Kaffee mehr“, sagte er der BBC: „Wenn mich in Deutschland jemand gefragt hätte, ob ich einen Tee will, hätte ich geantwortet: „Nein, ich bin ja nicht krank.“

          Klopp ist längst auf der Insel angekommen. Mehr noch, er fasziniert die Briten. Und dies nicht nur wegen des aktuellen sportlichen Erfolgs: Nach dem 1:0 gegen die Wolverhampton Wanderers zum Jahresabschluss hat sein Team 13 Punkte Vorsprung auf den ärgsten „Verfolger“ Leicester City. Die erste Liverpooler Meisterschaft sei 1990 ist sehr wahrscheinlich. An diesem Donnerstag (21.00 Uhr bei Sky) startet Liverpool mit einem Heimspiel gegen Sheffield United ins neue Jahr.

          Doch Klopp gönnte sich auch rund um den Jahreswechsel keine Pause. Ob er sich denn mal einen Moment des Nachdenkens leiste, wurde er gefragt. Darüber, was für ein Jahr es für Liverpool und ihn selbst gewesen sei. Nach den Erfolgen in der Champions League, der Klub-WM und dem Lauf in der Liga eine durchaus berechtigte Frage. Doch Klopp antwortete knapp: „Nein, keine Chance. In unserem Leben zählen wir keine Jahre, sondern Saisons. Deshalb sind wir erst zur Hälfte durch.“

          Doch unbestritten ist: 2019 war das Jahr des Jürgen Klopp. Neben den Erfolgen mit den Reds wurde er zum Welttrainer des Jahres gewählt und vom Fachmagazin „Kicker“ zum „Mann des Jahres“ gekürt. Die Herzen der „Liverpudlians“ hat er ohnehin schon im Sturm erobert. Und 2019 war auch das Jahr, in dem Klopp seinen persönlichen „Finalfluch“ besiegte. Sechs Endspiele in Serie hatte er verloren – ehe es in Madrid mit einem 2:0 gegen Tottenham zum Triumph in der Königsklasse reichte.  

          Wer danach die Bilder von der Feier in Liverpool sah, eine Stadt getaucht in Rot, konnte die Sehnsucht der Liverpool-Anhänger nach einem großen Titel erahnen. Kein Wunder also, dass Klopp mit Liverpool Ende Dezember in die Verlängerung ging. Bis zum Sommer 2024 läuft nun sein Vertrag. Die Gerüchte über den Posten als Bayern-Coach oder die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw verstummten. „Wir haben uns entschieden, fortzusetzen, was bislang nicht allzu schlecht funktioniert hat“, sagte Klopp.

          Da war es wieder, das mit einem Klopp-Lächeln garnierte Understatement. Das Kokettieren mit der Position des Underdogs. Auch, wenn sich dies inzwischen ins Gegenteil verkehrt hat. Seit Mai 2018 hat Liverpool genau ein einziges Spiel in der Liga verloren. 1:2 bei Manchester City vor ziemlich genau einem Jahr am 3. Januar 2019. Nur: Es war die eine Niederlage zu viel. City schnappte Liverpool den Titel weg. Die Gier nach der ersten Meisterschaft seit 1990 ist dadurch nur noch größer geworden.

          Es scheint derzeit kein wirkliches Mittel gegen Liverpool zu geben. Kein anderes Team hat derzeit diese perfekte Mischung aus Spielwitz, Robustheit und mentaler Stärke. Und es besitzt eben einen Trainer, der gezeigt hat, dass er zu den besten der Welt  gehört. „Ich weiß, ich bin in ein paar Dingen gut, in ein paar weniger Dingen sehr gut – und das reicht“, sagte er und setzt auf Teamwork: „Ich habe genug Selbstvertrauen, dass Leute neben mir wachsen können. Das ist kein Problem, ich brauche Experten neben mir.“

          Eine Sichtweise, die sich inzwischen ausgezahlt hat – auch finanziell. Als Werbefigur ist Klopp allgegenwärtig, gerade erst unterschrieb er einen millionenschweren Vertrag mit einer Brauerei. Inzwischen scheint selbst ein „Tee-Sponsor“ für Klopp kein unrealistisches Szenario mehr zu sein – auch wenn noch ein kleines bisschen zum „echten“ englischen Genuss fehlt. „Ich trinke ihn noch nicht mit Milch“, sagte Klopp – fügte aber an: „Noch nicht.“

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