https://www.faz.net/-gtl-a4h94

„Die Nacht war nicht die beste“ : Verkehrte Welt bei Jürgen Klopp

  • Aktualisiert am

Schwärmt von seinem Gegner FC Everton: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp Bild: AP

Nach dem peinlichen 2:7 gegen Aston Villa geht Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool als Herausforderer in das Stadtderby bei Tabellenführer FC Everton. Zuvor findet er deutliche Worte.

          2 Min.

          Jürgen Klopp schwärmt. Vom „perfekten“ Transfersommer. Von einem Mittelstürmer, der „alles“ habe. Von einem „Top-Team“ mit einem „Top-Trainer“. Das Problem ist nur: Er spricht nicht über sich und seinen FC Liverpool, sondern von Stadtrivale FC Everton. Und, noch schlimmer: Der Spitzenreiter der Premier League um Coach Carlo Ancelotti ist am Samstag (13.30 Uhr/Sky) Klopps Gegner.

          Blau gegen Rot – das Merseyside-Derby elektrisiert auch vor seiner 237. Ausgabe die Stadt. Und Klopp. „Es gibt wohl niemanden, dem dieses Spiel egal ist“, sagt er. Doch genau genommen kommt das Spiel für seine Roten zur Unzeit.

          Überraschung der Saison

          Der Meister trägt noch immer schwer an der peinlichen 2:7-Klatsche bei Aston Villa, Klopps höchster Niederlage in 854 Profispielen. Der Erfolgscoach berichtete jetzt, wie er sich am Morgen danach in einer „langen, langen Textnachricht“ an seine Stars den Frust von der Seele schrieb: „Die Nacht nach dem Spiel war nicht die beste.“ Also die SMS: „Danach ging es mir besser, weil es raus war.“ Ob es auch auf dem Platz hilft?

          Everton ist das Überraschungsteam der Saison, gewann alle sieben Pflichtspiele – nur 1894/95 gab es eine bessere Serie (acht Siege). Klopp verweist zurecht auf die Top-Verpflichtungen mit dem früheren Münchner James, Allan und Abdoulaye Doucoure. Am „Deadline Day“ kam für 27,5 Millionen Euro noch U21-Nationalspieler Ben Godfrey aus Norwich dazu. „Sie haben genau die Spieler gefunden, die sie brauchten, um ein gutes Team noch zu verbessern“, meint Klopp.

          Wieder mit dabei: Liverpool-Kapitän Jordan Henderson kann gegen Everton spielen.
          Wieder mit dabei: Liverpool-Kapitän Jordan Henderson kann gegen Everton spielen. : Bild: EPA

          Neben James sticht der englische Neu-Nationalspieler Dominic Calvert-Lewin (23) heraus, der bereits neun Tore erzielt und auch bei seinem Debüt für England getroffen hat. Sein Klubkollege Richarlison vergleicht ihn angesichts seiner Sprungkraft und Kopfballstärke mit Cristiano Ronaldo, Ancelotti fühlt sich an den früheren italienischen Stürmer-Schlawiner Filippo Inzaghi erinnert.

          „Er hat alles, was ein Top-Angreifer braucht“, schwärmt auch Klopp: „Größe, Beweglichkeit, Geschwindigkeit, Hingabe, starke Technik, stark in der Luft, Beidfüßigkeit.“ Überhaupt sieht er in Everton, in der vergangenen Saison noch 50 (!) Punkte hinter dem Meister zurück, den „nächsten ernstzunehmenden Herausforderer“.

          Dabei trennen Rot und Blau seit Jahren Welten, obwohl die Stadien Anfield Road und Goodison Park nur 1,4 Kilometer voneinander entfernt liegen. Mehr als Platz fünf war für die Toffees in den vergangenen 15 Jahren nicht drin, ihr bislang letzter Derby-Sieg liegt genau zehn Jahre zurück (2:0 am 17. Oktober 2010).

          „Ich habe genügend Derbys in meinem Leben verloren, ich habe da keinen Bedarf mehr“, sagt Klopp. Was ihn trotz des Ausfalls des früheren Leipzigers Naby Keita hoffen lässt: Die Rückkehr von Kapitän Jordan Henderson, seinem neuen Mittelfeld-Strategen Thiago und Top-Stürmer Sadio Mane. „Es wird ein sehr interessantes Spiel“, sagt er.

          Weitere Themen

          St. Pauli ärgert den HSV im Hamburger Derby

          Zweite Bundesliga : St. Pauli ärgert den HSV im Hamburger Derby

          Fünf Spiele, fünf Siege: Nun endet die makellose Bilanz des HSV in dieser Saison in der zweiten Bundesliga. Ausgerechnet im Derby gegen St. Pauli gelingt erstmals kein voller Erfolg. In Düsseldorf gibt es dagegen einen Sieger.

          Topmeldungen

          Kapazitätserhöhung in Person: Vanessa Op te Roodt im Labor in Ingelheim

          Immer mehr Corona-Tests : Deutschlands Labore sind am Limit

          Die Labore in Deutschland werten immer mehr Corona-Tests aus und verdienen gut daran. Doch nun schlagen Laborärzte Alarm: Noch mehr Untersuchungen seien unmöglich. Muss die Teststrategie geändert werden?
          Der belgische Premierminister Alexander De Croo informiert die Bürger nach den Beratungen über verschärfte Corona-Maßnahmen am Freitagabend.

          Corona-Spitzenreiter : Belgien scheut den Lockdown

          Belgien hat die höchste Infektionsrate in Europa. Die Maßnahmen werden verschärft, aber einen Lockdown wird es vorerst nicht geben. Aus Sicht von Fachleuten ist das viel zu wenig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.