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Jürgen Klopp im Interview : "Die großen Dinge liegen noch vor uns"

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„Wir lassen das Feuer nicht ausgehen” verspricht Jürgen Klopp Bild: Zentralbild

Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das "Spiel gegen den Ball", Schaukelstuhl-Geschichten und die Kommentare von Günter Netzer.

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          Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp über das "Spiel gegen den Ball", Schaukelstuhl-Geschichten und die Kommentare von Günter Netzer.

          Fassenachter, Lustige Musikanten, Spaßfußballer, Prinz Kloppo - fühlen Sie sich eigentlich ernst genommen als Aufsteiger in die Bundesliga?

          Mir ist es egal, wie man uns sieht. Mainz ist eben für die Fastnacht bekannt, und Fußball ist auch Showgeschäft, da wird manches plakativ dargestellt. Wenn es uns hilft, Punkte zu holen, dann dürfen die anderen noch viel mehr Dinge über uns sagen, die uns verniedlichen.

          Was bedeutet Fußball für Sie?

          Ich spiele Fußball, seit ich fünf Jahre alt bin, er bietet die Möglichkeit, zu gewinnen, sich zu messen, er ist Wettkampf. Ich wüßte nicht, wobei ich mich sonst jedes Wochenende mit anderen messen könnte, ich kann nichts anderes so gut. Fußball ist eine Chance, sich völlig auszuleben. Aber auch eine Chance, Menschen zu unterhalten. Letztlich ist die Begeisterung der Menschen die einzige Daseinsberechtigung für den professionellen Fußball.

          Die Aufführung muß spektakulär sein? Fühlen Sie sich als Unterhalter?

          Geschenkte Siege sind nicht schön. Wenn du gegen ein viel schwächeres Team gewinnst, ist das nicht toll. Am größten sind die Siege, um die du kämpfen mußt, bei denen du in der letzten Minute und mit letzter Kraft die Entscheidung erzwingst.

          Als Spieler seien Sie limitiert gewesen, haben Sie gesagt, als Trainer sähen Sie keine Grenzen. Wie meinen Sie das?

          Als Spieler war ich in meinen Anlagen limitiert. Irgendwann mußte ich mich damit abfinden, daß ich an meine Grenzen komme, daß ich in bestimmten Situationen den Ball nicht stoppen kann.

          Ohne den Ball stoppen zu können, ist Ihre Bilanz nicht schlecht: Sie haben 325 Zweitligaspiele bestritten.

          Mein Rezept war, nie zu resignieren. Ich war immer überzeugt davon, daß ich irgendwie bestehen kann. Ich habe viele Spieler kommen und gehen sehen, die viel besser waren als ich. Aber wenn man immer lernen will, wenn man sich nie zufriedengibt, geht vieles, auch wenn die eigenen Möglichkeiten nicht so perfekt sind.

          Sie wollen in der Bundesliga den Stil des Mainzer Spiels nicht ändern. Ein weit nach vorn geschobenes 4-3-3-System mit Offensivpressing - kann das gutgehen?

          Das ist unsere Art, Fußball zu spielen.

          In der zweiten Liga hat Ihre Mannschaft die besten Spiele gegen die stärksten Gegner bestritten. Das könnte Hoffnung machen für die erste Liga.

          In der Bundesliga haben wir nur gute Gegner, wie praktisch. Je mehr ein Gegner Fußball spielt, desto größer sind die Probleme, die er gegen uns haben kann. Wir sind eine ganz normale Fußballmannschaft, mit dem kleinen Unterschied, daß wir uns ganz extrem damit beschäftigen, was wir machen, wenn der Gegner den Ball hat, daß wir versuchen, keine Sekunde abzuschalten, daß auf jeden Paß des Gegners eine Reaktion von uns kommt. Wenn das funktioniert, ist es für den Gegner äußerst unangenehm. Das haben wir in der zweiten Liga gegen starke Gegner oft hinbekommen.

          Ihre Ankündigung, die Mainzer wollten die beste deutsche Mannschaft im "Spiel gegen den Ball" sein, also in Phasen, wenn der Gegner den Ball hat, könnten einige Konkurrenten als Anflug von Größenwahn werten.

          Ich habe das so gesagt und sogar so gemeint, wobei ich nicht daran gedacht habe, daß mir das als größenwahnsinnig ausgelegt werden könnte, weil ich meinte: Okay, Spiel gegen den Ball, das interessiert eh keinen, das ist wie Synchronschwimmen. Also: Wir wollen Olympiasieger im Synchronschwimmen werden, das finden wir äußerst erstrebenswert. Das Spiel gegen den Ball gewinnt keine Spiele, es ist ein Teilaspekt, aber in diesen Bereich investieren wir so viel, daß ich das auch sehen möchte. Natürlich wissen wir, daß die individuelle Qualität der Mannschaften in der ersten Liga exorbitant größer ist als das, was wir bislang erlebt haben, vor allem in der Konstanz. Daß wir Zweikämpfe verlieren, daß ein Marcelinho mal drei Leute ausspielt und einen genialen Paß spielt, die Wahrscheinlichkeit, daß dies passiert, ist nicht so gering, aber das würde auch passieren, wenn wir taktisch anders spielten. Die Häufigkeit dieser Aktionen wollen wir möglichst klein halten. Und dabei ist es wichtig, daß die Jungs das mit Überzeugung angehen.

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