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Klopp hadert nach Topspiel : „Wie zum Himmel ist das keine Rote Karte?“

Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch der Schiedsrichter dazu, findet Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. Bild: AFP

Erstmals in dieser Saison verliert Liverpool in der Premier League. Das Titelrennen ist wieder offen. Millimeter entscheiden das Duell mit Manchester City. Jürgen Klopp echauffiert sich über ein Foul.

          Das fängt ja schlecht an. Gleich bei erster Gelegenheit im neuen Fußball-Jahr 2019 verlor der FC Liverpool. In dieser Saison in der englischen Premier League war dies noch gar nicht der Fall. Zuletzt unterlag die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp Anfang Mai bei Chelsea. Am Donnerstagabend beim Knaller drei Tage nach dem Silvester-Feuerwerk bei Titelrivale Manchester City verloren die „Reds“ mit 1:2 Toren. Der Verfolger um Coach Pep Guardiola ist in der Tabelle nun auf vier Punkte herangerückt – das Titelrennen in England verspricht nun keine One-Team-Show mehr zu werden, zumal auch Tottenham noch ein wenig mitmischt und sechs Punkte hinter Liverpool liegt.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Sergio Agüero, der in all seinen sieben Heimspielen gegen Liverpool traf, war wieder erfolgreich, kurz vor der Halbzeit zum 1:0 für City (40. Minute). Roberto Firmino glich zwar für Liverpool zunächst aus (64.), doch der deutsche Nationalspieler Leroy Sané sorgte mit seinem Tor für Manchesters Sieg (72.). „Wir können besser spielen“, sagte Klopp. „Wir hatten kein Glück beim Abschluss. Mit etwas mehr Glück hätten wir das 2:2 erzielen können. Das wäre perfekt für uns gewesen.“

          Klopp bezog sich vor allem eine kuriose Szene zu Beginn der Partie. Liverpool hatte die erste Chance – und was für eine! Das viel gerühmte Angriffstrio von der Anfield Road nahm Manchesters Abwehr im Alleingang auseinander. Mohamed Salah initiierte den Spielzug im Mittelfeld. Sein Ball kam per Hackentrick von Roberto Firmino zurück zum Ägypter, der den in die Spitze startenden Sadio Mané mit einem perfekten Pass freispielte. Doch der Schuss des Senegalesen sprang vom Innenpfosten zurück ins Spielfeld.

          Danach wäre City fast ein Slapstick-Eigentor unterlaufen. John Stones wollte nach dem Pfostentreffer in seiner Not das Spielgerät aus der Gefahrenzone schießen. Dabei traf er allerdings den durch seinen Strafraum hechtenden Torwart Ederson. Von dem prallte der Ball im hohen Bogen Richtung Tor – und wurde von Stones doch noch so gerade von der Linie gekratzt. Liverpool jubelte schon, aber Schiedsrichter Anthony Taylor zeigte nur auf seine Uhr – kein Tor. Die Torlinientechnik bewies es.

          Es fehlten nach späteren offiziellen Angaben der Liga genau zwölf Millimeter, damit der Ball die Linie überschritten hätte. Mit bloßem Auge wären die Unparteiischen mit dieser Entscheidung überfordert gewesen. „Es waren 1,2 Millimeter oder Zentimeter oder weiß ich was?“, sagte Klopp bei DAZN. „Jedenfalls: Der Ball war nicht drin. Wir schießen den Ball an den Innenpfosten und er ist springt raus. Leroy (Sané) schießt den Ball an den Innenpfosten und er springt rein. Manchmal kann es so sein.“

          Denn auch Sané zielte bei seinem Siegtreffer ganz genau. Einen Pass von Raheem Sterling nahm er auf seiner linken Seite an und versenkte den Ball mit einem strammen Schuss ins lange Eck über das Gestänge im Tor. Anders als zuvor brauchte es dafür keine technische Hilfe. Der Ball zappelte letztlich deutlich sichtbar im Netz. „Es war ein sehr, sehr wildes, intensives Spiel“, sagte Klopp. „2:2 wäre für uns ein Top-Ergebnis gewesen, 2:1 ist nicht einmal halb so gut.“ Mit der Leistung sei er zufrieden. Der Trainer ist sich sicher: Aus der ersten Niederlage der Saison und dem Heranrücken des ärgsten Verfolgers „wird jetzt relativ viel gemacht werden, das ist logisch.“ Klopp weiß aber auch, was dagegen hilft: „Jetzt werden die Geschichten mal so lange umgedreht, bis wir wieder gewinnen.“

          Die nächste Gelegenheit in der Liga allerdings lässt, anders als rund um den Jahreswechsel, als der Spielplan in England traditionell dicht gedrängt war, ein wenig auf sich warten. Zunächst steht am nächsten Montag das Spiel im FA-Cup in Wolverhampton an. Erst am darauffolgenden Wochenende geht es in der Premier League weiter mit dem Auswärtsspiel in Brighton.

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          Der Traum vom ersten Meistertitel von Liverpool seit 1990 lebt, trotz der Niederlage in Manchester. Und dafür gibt es trotz des 1:2 weiter gute Gründe. Denn Klopp hat es geschafft, auch mit dem Einsatz von sehr viel Geld, das große Problem der Vergangenheit zu beheben. Die Abwehr war nicht dicht. Nun ist sie es. Virgil van Dijk kam vor einem Jahr für 84,5 Millionen Euro aus Southampton und ist damit der teuerste Abwehrspieler der bisherigen Fußball-Geschichte. Im Sommer folgte Torwart Alisson Becker für 75 Millionen Euro von der AS Rom. Beide sind Garanten dafür, dass die „Reds“ mit nun erst zehn Gegentoren in 21 Spielen die beste Abwehr der Premier League hat.

          Womöglich hätte sie beim zuletzt schwächelnden Meister Manchester auch nicht zwei Tore kassiert, wenn Liverpool nach einer halben Stunde in Überzahl weiterspielen hätte können. Nach einem schlimmen Fehlpass von Stones sprang City-Kapitän Vincent Kompany mit einer Fluggrätsche in den sprintenden Salah und traf ihn nur deswegen nicht ganz böse, weil der Stürmer das Unheil kommen sah und ein wenig hochsprang. Kompany sah die Gelbe Karte, was Klopp gar nicht verstand: „Ich mag Vincent Kompany wirklich sehr gerne, aber wie zum Himmel kann das keine Rote Karte sein? Er ist der letzte Mann und geht drauf. Wenn er Mo mehr trifft, ist er für die Saison raus“, sagte Klopp. „Es ist natürlich nicht einfach für den Schiri und er sieht es vielleicht auch nicht so, wie ich es sehe.“ Dass es so war, zeigte die Farbe der Karte.

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