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Suche nach Bundestrainer : Klopp erklärt, warum er nicht Löw-Nachfolger wird

Jürgen Klopp (links) möchte nicht Nachfolger von Joachim Löw werden (Bild von 2013) Bild: Picture-Alliance

Für viele wäre es ein Traum: Jürgen Klopp als Bundestrainer der Fußball-Nationalelf. Doch dazu kommt es vorerst nicht. Klopp macht nun sehr deutlich, warum er Joachim Löw nicht nachfolgen will.

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          Für viele Fußball-Fans in Deutschland und wohl auch manchen Funktionär beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist es ein Traum, der ganz plötzlich realistischer zu werden schien. Nach dem angekündigten Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft im Sommer galt Jürgen Klopp für viele als der ideale Nachfolger. Dazu scheint eine lange Zukunft von ihm beim stark kriselnden FC Liverpool auf einmal nicht mehr so sicher wie noch vor ein paar Monaten. Doch der große Traum wird so schnell wahrscheinlich nicht in Erfüllung gehen.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Klopp hat nun nochmal sehr deutlich gemacht, warum der Job des Bundestrainers für ihn derzeit kein Thema ist. „Dass ich gefragt wurde, ist erstmal eine Ehre. Aber ich sage: Nein, ich habe einen Vertrag, und selbst wenn Liverpool mich hier rausschmeißt: Wenn meine Zeit hier rum ist, werde ich erstmal ein Jahr Pause machen“, sagte der Trainer des englischen Fußballmeisters in einem Interview dem Pay-TV-Sender Sky, das am Mittwochabend vor dem Spiel Liverpools gegen RB Leipzig (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) in voller Länge ausgestrahlt werden soll.

          Klopp bekräftigte in dem vorab publik gewordenen Ausschnitt: „So funktioniert das einfach nicht. Und dementsprechend: Nein.“ Bundestrainer Löw hatte am Dienstag seinen Abschied nach der EM im Sommer angekündigt. Dieses Timing vor dem Turnier findet Klopp in Ordnung. „Drei Monate vor der EM ist das kein Problem. Der Verband hat jetzt Zeit, sich Gedanken zu machen.“ Einen kleinen Seitenhieb an Löw verteilte Klopp, der die Nachricht am Dienstag während eines Analyse-Treffens vor dem Liverpool-Spiel erfuhr, auch noch: „Danke, dass du es gemacht hast an einem Tag, an dem wir eine Pressekonferenz haben. Dass mich auch jeder danach fragen kann, was auch jeder gemacht hat.“

          „Ich habe ja einen Job“

          Er habe sich überhaupt nicht mit dem Gedanken an den Bundestrainer-Job befasst, behauptete Klopp. „In dem Job sind keine Ressourcen frei, um mich irgendwo anders hinzuträumen“, unterstrich der frühere Coach des FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund. Und auch für einen späteren Zeitpunkt ließ sich der 53 Jahre alte Klopp kein Hintertürchen offen. „Wir werden einen neuen Bundestrainer haben. Und wenn der erfolgreich ist, wird weder 2024 noch 2026 irgendein Hahn nach mir krähen.“

          Und 2028? Für alle Zeiten scheint ein Bundestrainer Klopp nicht ausgeschlossen. Auf die Frage, was ihn grundsätzlich am Job des Bundestrainers reizen würde, wollte Klopp nicht eingehen. Er sagte nur: „Dazu sage ich gar nichts. Weil alles, was ich dazu sage, wird irgendwann gegen mich verwendet und aufs Brot geschmiert werden. Ich will mich mit dem Job jetzt einfach nicht befassen. Denn ich mache den jetzigen mit allem, was ich habe. Es ist also alles fein.“

          Schon am Dienstag, wenige Stunden nach der Mitteilung von Löws Rücktritt, hatte Klopp ausgeschlossen, nach der EM Nachfolger zu werden. „Nein, ich werde in oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen“, sagte er in der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel, das in Budapest stattfindet. „Ich habe ja einen Job, einen Dreijahresvertrag in Liverpool. Man unterschreibt Verträge und versucht, sich daran zu halten. Das ist eine einfache Situation. Im Leben geht es immer um Timing. Wenn es nicht passt, muss man sich nicht aufregen, sondern muss mit den Dingen umgehen.“

          Zuvor hatten zahlreiche Fußball-Prominente die Meinung vertreten, Klopp wäre der ideale Nachfolger für Löw. So hatte sich der frühere Bundestrainer Berti Vogts starkgemacht. „Klopp gehört definitiv auf die Liste der möglichen Löw-Nachfolger“, hatte er der „Rheinischen Post“ gesagt. Neben Klopp werden insbesondere Ralf Rangnick und Hansi Flick gehandelt, wobei der beim FC Bayern bis Mitte 2023 gebunden ist. Und dass die Münchner ihn bald ziehen lassen, erscheint zumindest arg unwahrscheinlich, wenn Flick nicht selbst darauf dringt. Rangnick wäre verfügbar und hielt sich zunächst komplett zurück. Dass er wollen würde, ist aber ein offenes Geheimnis.

          Ob eine Zusammenarbeit von Rangnick und DFB-Direktor Oliver Bierhoff jedoch funktionieren würde, ist durchaus fraglich. Seit 2018 ist Bierhoff offiziell „Direktor Nationalmannschaften und Akademie“. Die konkrete Suche nach einem neuen Bundestrainer obliegt damit ihm. Das ist durchaus pikant. Der frühere Nationalstürmer dürfte kaum einen Kandidaten präferieren, der in seinen Autoritätsbereich des Managements und der Konzeptentwicklung eingreifen will, wie es Rangnick auf seinen Vereinsstationen wie zuletzt in Leipzig machte.

          Die endgültige Entscheidung muss laut DFB-Statuten noch das Präsidium absegnen und der kleinere Präsidialausschuss. Beide Gremien haben in den vergangenen Monaten vor allem durch den andauernden Streit zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius an Glaubwürdigkeit verloren. In der Zeit vor Löw, nach Rudi Völler und vor Jürgen Klinsmann, gab es eine sogenannte „Trainerfindungskommission“. So kompliziert sollte das Verfahren diesmal nicht werden. Doch dass der Name, der auf Löw folgt, Klopp lauten wird, bleibt vorerst wohl nur ein Traum.

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