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Ärger bei Jürgen Klopp : „Wenn euch das gefällt, schaut Wrestling“

  • -Aktualisiert am

„Es ist so, als ob wir 10 bis 15 Jahre zurückgehen“: Jürgen Klopp Bild: Reuters

Liverpool startet mit zwei Siegen in die Saison in der Premier League. Dennoch ist Jürgen Klopp nicht ganz glücklich. Nach dem 2:0-Erfolg über Burnley klagt er über die Härte der Gegner.

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          Eigentlich war der Liverpooler Trainer Jürgen Klopp rundum zufrieden. Seine Mannschaft hat am Samstag den FC Burnley souverän 2:0 besiegt, es war ihr zweiter Sieg im zweiten Spiel der neuen Premier-League-Saison, noch dazu im ausverkauften Anfield Stadium. Doch nachdem er in den ersten Fernsehinterviews wenige Minuten nach dem Abpfiff noch mit breitem Lächeln etwa über die formidable Leistung des erst 18 Jahre alten Harvey Elliott geschwärmt hatte, holte er wenig später zu einem Appell an die Liga aus.

          Mit Blick auf zwei Spielsituationen, in denen Burnleys Angreifer Ashley Barnes und Chris Wood aus seiner Sicht zu hart gegen Liverpools Innenverteidiger Virgil van Dijk und Joel Matip vorgegangen waren, sagte Klopp dem Sender BT Sport: „Ich mag Entscheidungen zugunsten des angreifenden Teams, das ist gut so. Aber wir müssen weiterhin die Spieler beschützen. Das können wir nicht abstreiten. Wenn ihr solche Dinge mögt, guckt Wrestling.“

          Insgesamt gab es in dem Spiel 18 Fouls, zwölf davon begingen Burnleys Spieler. Der erfahrene Schiedsrichter Mike Dean zeigte jedoch keine einzige Gelbe Karte. In dieser Saison sollen Englands Schiedsrichter bei sogenannten „trivial things“, also belanglosen Dingen wie dem üblichen Körperkontakt rivalisierender Spieler, nicht mehr das Spiel unterbrechen.

          Das soll in der traditionell vergleichsweise körperbetonten englischen Eliteliga einen besseren Spielfluss ermöglichen. Zweikämpfe gehörten zum Fußball, erklärte Schiedsrichter-Chef Mike Riley: Entscheidend müsse sein, ob ein Körperkontakt wirkliche Konsequenzen nach sich zieht, oder ob einer der darin verwickelten Spieler den Kontakt ausnutze, um einen Freistoß oder einen Elfmeter zu schinden. „Es reicht nicht, einfach nur zu sagen: ,Ja, da ist ein Kontakt‘.“

          „Niemand wurde verletzt“

          Klopp bezweifelte nun, ob dies die richtige Richtung ist. „Die Botschaft lautet, das Spiel soll im Fluss bleiben, aber niemand weiß so genau, was das bedeutet.“ Sein mahnendes Fazit des Spiels lautete: „Wir haben gewonnen – und niemand wurde verletzt.“ Burnleys Trainer Sean Dyche sah die Situation dagegen vollkommen anders. Aus seiner Sicht pfiff Schiedsrichter Dean sogar zu viele Kleinigkeiten ab, verweigerte seinem Team dann aber einen seiner Meinung nach klaren Foulelfmeter: „Wenn das in der Mitte des Spielfelds passiert wäre, hätte er es gepfiffen.“

          Insgesamt scheint Klopp mit seinem Appell nicht unbedingt für die Mehrheit der englischen Fußball-Öffentlichkeit zu sprechen. In der BBC-Sendung Match of the Day diskutierten am Samstagabend Moderator Gary Lineker und die Studiogäste Jermaine Jenas und Danny Murphy – wie Lineker ehemalige Profis – Klopps Äußerungen.

          Jenas sagte, die Expertenrunde habe keine der von Klopp beanstandeten Spielsituationen überhaupt erkennen können; vielmehr handele es sich dabei um „Gameplay“, also um das gezielte Beeinflussen der kommenden Begegnungen: „Er denkt schon an Chelsea nächste Woche und platziert diese Gedanken in den Köpfen der Schiedsrichter. So machen das die besten Trainer seit Jahren.“

          Spielerisch war der FC Liverpool dem FC Burnley in allen Belangen überlegen, der Sieg hätte auch höher ausfallen können. Die Tore erzielten Diogo Jota und Sadio Mané, ein Treffer von Mohamed Salah wurde wegen einer Abseitsstellung nicht gewertet. Auch beim Abseits sollen die Premier-League-Schiedsrichter und der Video-Assistent in dieser Saison nicht mehr so kleinlich entscheiden wie in der vergangenen Saison. Die „Zehennägel und Nasen“, die zum Teil über Abseits entschieden hätten, würden jetzt nicht mehr reichen, sagte Schiedsrichter-Chef Riley. Das neue Credo: Im Zweifel für den Angreifer.

          Kreuzbandriss am fünften Spieltag

          Womöglich dachte Klopp bei seiner Kritik auch an die vergangene Saison. Abwehrchef van Dijk zog sich damals schon am fünften Spieltag gegen Everton einen Kreuzbandriss zu und fehlte bis zum Ende der Spielzeit. Weil sich auch Joe Gomez wenig später schwer verletzte, war Klopp in der Verteidigung zum Experimentieren gezwungen.

          Damit sich das nicht wiederholt, hat der FC Liverpool RB Leipzigs Innenverteidiger Ibrahima Konaté für 40 Millionen Euro verpflichtet. Bis jetzt ist er Liverpools einziger Zugang in diesem Sommer. „Wir mischen durch, wenn wir müssen“, sagte Klopp über die Abwehr, die bis jetzt kein Gegentor zugelassen hat: „Nach ihren langen Verletzungen sollten sie nicht dreimal pro Woche spielen.“ Bis zum Auftakt der Champions League müssen sie das so oder so nicht. Das Liga-Spitzenspiel gegen Chelsea mit Trainer Thomas Tuchel ist erst am nächsten Samstag.

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