https://www.faz.net/-gtl-8vf1h

München im Pokal gegen Schalke : Die neue Bayern-Generation ist noch im Wartestand

  • -Aktualisiert am

„Hier bin ich!“: Joshua Kimmich macht bei den Bayern auf sich aufmerksam Bild: Picture-Alliance

Vor dem Pokal-Viertelfinale gegen Schalke moderiert Carlo Ancelotti das Münchner Star-Ensemble erfolgreich. Doch im Hintergrund bringen sich einige Spieler in Stellung. Aber nicht jedem von ihnen wird die Zukunft bei den Bayern gehören.

          Wenn der Frühling naht und damit der Saison-Endspurt, hatte in den vergangenen Jahren beim FC Bayern stets die medizinische Abteilung alle Hände voll zu tun. Kaum ein Spieltag verging, an dem nicht mindestens ein Profi der Münchner über Beschwerden klagte, bestenfalls waren es kleinere Wehwehchen, aber oft eben auch schwere Verletzungen. Carlo Ancelotti hat es in diesen Wochen vergleichsweise gut.

          Abgesehen von Jerome Boateng, der nach seiner Schulterverletzung wieder kurz vor der Rückkehr steht, hatte es der Münchner Trainer zuletzt nur mit Kleinigkeiten zu tun. Vor dem Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FC Schalke 04 an diesem Mittwoch (20.30 / live in der ARD, auf Sky und im Pokalticker auf FAZ.NET) plagt David Alaba eine Zehenprellung, sein Einsatz ist fraglich. Und Renato Sanches hat sich eine Erkältung eingefangen, aber das kann Ancelotti wohl ganz gut verschmerzen. Der 19 Jahre alte Portugiese hätte wohl ohnehin nur auf der Bank gesessen.

          „Wucht in die richtigen Bahnen lenken“

          Die Entdeckung der EM, dort war er zum besten jungen Spieler des Turniers gewählt worden, ist noch immer nicht in München angekommen. Dass Sanches noch nicht einmal kleinere Proben seines Talentes in München abgeben konnte, liegt für Ancelotti an der schwierigen Integration. Der Spieler selbst nannte es kürzlich einen „heftigen Wechsel“. Er spricht kaum Englisch und noch weniger Deutsch, musste die gewohnte Umgebung, die Familie, die Freunde verlassen. Dazu kommen die Erwartungen, die beim FC Bayern eben stets besonders hoch sind. Ancelotti ist sicher, dass sich Sanches als Teil der neuen Bayern-Generation in München durchsetzen wird. „Ich habe nicht viele Mittelfeldspieler mit dieser Power gesehen“, hatte er im Januar im „kicker“ gesagt. „Wir müssen diese Wucht in die richtigen Bahnen lenken.“ Für den Bayern-Trainer heißt das offenbar, ihm erst einmal nicht zu viel Verantwortung aufzubürden. Noch ist das auch nicht notwendig, die Mittelfeldzentrale ist gut besetzt.

          Wann kommt der Wechsel? Bislang ist Kingsley Coman nur der Backup für Arjen Robben

          Ähnliches gilt für Kingsley Coman, der bisher allenfalls eine Alternative für Arjen Robben ist. Es scheint fraglich, ob der 20-Jährige die Klasse hat, den Niederländer auf der rechten Angriffsseite irgendwann adäquat zu ersetzen. Immerhin ist er aber schon einen Schritt weiter als Sanches und macht gelegentlich auf sich aufmerksam. Gegen den Hamburger SV am Samstag empfahl sich Coman mit zwei Treffern für eine Weiterbeschäftigung beim FC Bayern.

          Bis Ende April müssen sich die Münchner entscheiden, ob sie die Kaufoption bei Juventus Turin ziehen. Die Tendenz, das verriet der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zuletzt, gehe dahin, den Franzosen zu behalten – im Wissen, dass Robben ohnehin nicht gleichwertig zu ersetzen sein wird. Ancelotti sieht die Förderung von Talenten als Teil des Trainer-Jobs, aber seine große Stärke ist es, ein Star-Ensemble zu moderieren. Vor allem in der entscheidenden Phase der Saison wird er auf jene Kräfte setzen, von denen er weiß, dass sie Spiele entscheiden können und in schwierigen Situationen kühlen Kopf bewahren.

          Muss sich noch beweisen: Renato Sanches wartet bei den Bayern noch auf seinen Durchbruch

          Rotation, sagt er, gebe es nur, „wenn Spieler müde sind“. Oder nicht ganz fit sind - wie Xabi Alonso oder Alaba jetzt gegen den HSV. Für Sanches und Coman bedeutet dies damit auch weiterhin nur eine Teilzeit-Beschäftigung - wenn nichts dazwischenkommt. So wie im vergangenen Jahr, als sich im Frühjahr plötzlich alle Innenverteidiger verletzten. Pep Guardiola musste improvisieren - und schob damit die Karriere von Joshua Kimmich kräftig an.

          Der gelernte Mittelfeldspieler Kimmich spielte als Aushilfs-Innenverteidiger zwar nicht ganz fehlerfrei, aber er unterstrich seine große Begabung für gleich mehrere Positionen. Es folgten die Nominierung für die EM und der Aufstieg zur Stammkraft in der Nationalmannschaft. Trotz der Empfehlung in den ersten Saisonspielen als zuverlässiger Torschütze – der 22-Jährige traf bis Mitte Oktober siebenmal in Bundesliga und Champions League und damit so oft wie Robert Lewandowski – zieht Ancelotti dem Schwaben bisher oft die erfahreneren Spieler vor. In der neuen Saison soll sich das ändern. Kimmich ersetzt Philipp Lahm nach dessen Karriereende im Sommer auf der rechten Abwehrseite. Im Gegensatz zu Coman und Sanches kann er sich ziemlich sicher sein, dass die Zukunft beim FC Bayern ihm gehört.

          Weitere Themen

          Der neue Manuel

          FAZ Plus Artikel: Torwart Alexander Nübel : Der neue Manuel

          Alexander Nübel gleicht in vielem seinem Vorgänger Manuel Neuer. Demnächst könnte die Schalker Nummer eins ihn sogar beim FC Bayern ablösen. Am Samstag treffen die beiden aufeinander.

          Topmeldungen

          Vizekanzler Olaf Scholz (SPD)

          Pläne der SPD : Auch Olaf Scholz will die Vermögenssteuer

          Der SPD-Politiker stellt sich hinter den Vorschlag seines Parteikollegen Schäfer-Gümbel, das Vermögen von Unternehmen und Reichen zu besteuern. Die CSU kritisiert die Pläne scharf.
          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.