https://www.faz.net/-gtl-9x54t

Bayern im DFB-Pokal-Halbfinale : „Er kann einfach alles“

  • -Aktualisiert am

Aufgepasst! Thomas Müller (links) und Torschütze Joshua Kimmich Bild: dpa

Die Schalker Spielverderber verhindern den Einzug der Münchner ins Halbfinale im DFB-Pokal nicht. Beim 1:0 der Bayern ragt ein Spieler heraus an einem Abend, an dem es fast nur um Sport geht. Fast.

          3 Min.

          Nach all den Aufregungen am vergangenen Bundesliga-Wochenende mit den konzertierten Protesten der Ultras gegen die Verhängung von Kollektivstrafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den Anfeindungen gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp ging es am Dienstag im DFB-Viertelfinalspiel zwischen dem Schalke 04 und dem Bayern München fast nur um den Sport. Das war zur Abwechslung wohltuend.

          DFB-Pokal

          Zwar demonstrierten auch die Schalker Fans gleich nach dem Anpfiff auf drei Bannern, was sie von Zuschauerausschlüssen halten, wie sie Borussia Dortmund und seine Fans bei den kommenden zwei Auswärtsspielen in Sinsheim gegen die TSG 1899 Hoffenheim in Kauf nehmen müssen. Doch Textzeilen wie, „Dementer Fußball-Bund – Eure Zusagen gegen die Kollektivstrafen vergessen – versucht Ihr nun, uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen“, führten nicht dazu, dass Schiedsrichter Tobias Stieler das Spiel unterbrach oder gar abbrach.

          Auch die für einen Moment aufflammenden ortsüblichen „Hurensohn“-Schmährufe gegen das frühere Schalker Torwartidol Manuel Neuer, inzwischen Kapitän und Anführer des FC Bayern München, verhallten schnell und prallten am Nationaltorhüter ab. Es zeigte sich, dass es richtig war, sich noch am Spieltag unter allen am Spiel beteiligten Parteien sowie der Gelsenkirchener Polizei eine Linie der Vernunft vorgenommen zu haben. Der Vorsatz, „deeskalierend“ und mit „Augenmaß“ in womöglich kritischen Momenten zu reagieren, war leicht in die Tat umzusetzen, weil die Schalker Fans inklusive Ultra-Fraktion am Dienstagabend ihren guten Ruf bestätigten.

          Die Anhänger der „Königsblauen“ honorierten auch die kämpferisch überzeugende Leistung ihrer durch sporadische Konter auch mal attackierenden, sonst jedoch von Kopf bis Fuß auf Defensive eingestellten Mannschaft mit Applaus – trotz der 0:1-Niederlage durch einen Treffer des diesmal als Innenverteidiger glänzenden Nationalspielers Joshua Kimmich (40. Minute). „Er kann einfach alles“, pries der Münchner Sportdirektor Hasan Salihamidzic den vifen Schwaben, der egal, wo er eingesetzt wird, ob als rechter Verteidiger, defensiver Mittelfeldspieler oder eben Innenverteidiger, stets bella figura macht. Kimmich selbst freute sich besonders darüber, das Tor des Tages nach einem von Burgstaller ungeschickt abgewehrten Münchner Eckball kurz entschlossen geschossen zu haben. „Als Torschütze bei einem 6:0 reiht man sich irgendwie ein“, beschrieb er den Unterschied zu dem diesmal einmaligen Erlebnis, der Torschütze und Mann des Tages gewesen zu sein.

          Kimmich trug mit seiner Dynamik, Passsicherheit und Spielfreude wesentlich dazu bei, dass die Münchner an einem Abend ohne großen Glanz zum elften Mal nacheinander das Halbfinale im DFB-Pokalwettbewerb (21./22. April) erreichten. Es war auch Kimmichs Verdienst, das in den ersten zwanzig Minuten behäbige Münchner Spiel auf Touren gebracht zu haben, was Trainer Hans-Dieter Flick von der Seitenauslinie gegenüber Neuer angemahnt hatte, der diese Aufforderung an Kimmich weitergab. Von da an wurde die mit mehr Tempo im Spiel herbeigeführte Münchner Dominanz drückender und zwingender.

          Am Ende stand aber nur ein alltäglicher Bayern-Erfolg, den Flick mit den Worten, „die Mannschaft hat es sehr clever und routiniert runtergespielt“, richtig einordnete. Auch Neuer lobte die Pflichtübung seiner Mannschaft gegen den ob vieler verletzter Spieler personell arg geschwächten Tabellensechsten der Bundesliga. „Wir hatten die totale Spielkontrolle“, stellte die Nummer 1 der Nummer eins der Liga richtigerweise fest. „Stumpfer Rasen, lange Bälle, hinten reinstellen“, beschrieb er die taktische Grundhaltung der Schalker Spielverderber und kam zu dem umgekehrten Schluss: „Fußball zelebrieren konnte man nicht.“

          Auf der anderen Seite fand eine Schalker Personalie viel Anklang beim königsblauen Anhang. Trainer David Wagner hatte auf die zuletzt fehlerbehafteten Auftritte des zur kommenden Saison nach München wechselnden Torhüters Alexander Nübel reagiert und stattdessen den von einer Patellasehnenreizung genesenen deutschen U-21-Nationaltorwart Markus Schubert zwischen die Pfosten gestellt. Der machte seine Sache ziemlich gut, nachdem er bei seinem letzten Einsatz, der 0:5-Niederlage der Schalker beim Bundesligaspiel in München, ähnlich wie zuletzt Nübel gepatzt hatte. „Es war für mich alternativlos, den Wechsel vorzunehmen“, sagte Wagner über seine Entscheidung, den zuletzt auch psychisch angeschlagenen Nübel durch den zwei Jahre jüngeren Schubert zu ersetzen. Dabei dürfte es auch bis zum Saisonende bleiben, sofern nichts Gravierendes dazwischenkommt.

          Schuberts nächste Bewährungsprobe folgt am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen die Hoffenheimer, die neben dem VfL Wolfsburg und dem SC Freiburg zu den Mannschaften gehören, die den Schalkern den Europa-League-Qualifikationsplatz sechs streitig machen wollen. Nach zuletzt sechs sieglosen Bundesligaspielen mit einer Tordifferenz von 1:14 hat der couragierte Schalker Auftritt gegen die Bayern mit Burgstallers Lattenschuss als bedrohlichster Torannäherung (12.) die zuletzt schlechte Stimmung in der Gelsenkirchener Arena fürs Erste verscheucht. Es liegt an David Wagners Mannschaft, dem Versprechen im tapfer geführten Duell mit dem Meister aus München schon am Samstag frische Taten mit drei Punkten als Belohnung folgen zu lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.