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Blatter und Platini : Die Untoten des Fußballs

  • -Aktualisiert am

Man wird sie einfach nicht los: Michel Platini und Joseph Blatter sprechen immer weiter Bild: AFP

Sie tun es immer noch: Trotz ihrer Sperre lassen die ehemals größten Funktionäre des Weltfußballs nackte Tatsachen hinter eitlem Geschwalle verschwinden. Joseph Blatter und Michael Platini könnten auch gemeinsam im Chor singen.

          Dass Joseph Blatter und Michel Platini uns interessante Dinge erzählen könnten, ist wahr. Wenn die beiden ehemaligen Fußballpräsidenten denn wollten. Namen, Zahlen, Fach-Informationen über Geldwäsche, Absprachen, Gegengeschäfte, Boni, Gratifikationen, Erpressung, Gier und Größenwahn – sie hätten genügend Expertise auf Lager. Aber leider ist ihre Wahrheitsliebe ungefähr in dem Umfang anzusetzen wie die eines Fußballspielers, der sich gerade eine Schwalbe geleistet hat.

          Dass sich beide Funktionärsdelinquenten – sie wurden wegen eines Millionen-Transfers von Blatters Fifa auf Platinis Privatkonto gesperrt – zwanghaft vor ihrem alten Publikum produzieren müssen, ist trotzdem nicht verwunderlich. Eitles Geschwalle, hinter dem sie nackte Tatsachen verschwinden lassen können, war ja schon immer Teil ihrer Qualifikation als Fußball-Finanzfachleute. Darum verschwinden sie nicht. Sie sind immer noch da, sowohl Platini als auch Blatter, die beiden Untoten des korrupten Verbandswesens.

          Floskeln, die nach Mottenkugeln riechen

          Blatter, der einstige Welt-Präsident, ging bereits am Montag wieder um, Platini, die Europa-Variante, folgte an diesem Mittwoch. Mit weißen Bartfusseln im Gesicht und etwas zu weit gewordenem Hemdkragen hielt der 80 Jahre alte Walliser einen 40 Minuten langen Vortrag vor der Aktionärsversammlung des FC Thun. Endlich konnte er sich mal wieder in seine Philanthropen-Pose werfen und seine nach Mottenkugeln riechenden Floskeln hervorholen von der Welt-Harmonie durch Fußball. Blatter ist zwar für sechs Jahre von allen Fußball-Tätigkeiten ausgeschlossen, und gerade hat der Weltverband ein weiteres Verfahren gegen ihn eröffnet wegen des Verdachts der Bereicherung. Aber er hält sich trotzdem immer noch für den wahren Fußball-Guru. Und es stimmt ja: Er repräsentiert die marode Fifa immer noch überzeugend.

          Und Platini? Der hat vor dem Kongress der Europäischen Fußball-Union in Athen eine Rede gehalten, bevor die Verbände seinen Nachfolger aus dem Hut zauberten. Platini durfte dort eigentlich nicht sein. Auch ihn hat die Fifa, deren Vizepräsident er gleichzeitig war, für alle mit dem Fußball zusammenhängenden Tätigkeiten gesperrt. Aber die gleiche Ethikkommission, die ihm einst die Strafe aufbrummte, sprach jetzt eine Ausnahmegenehmigung aus. Als eine „Geste der Menschlichkeit“, wie aus Zürich als Begründung verlautet. Und das, obwohl ihm der Internationale Sportgerichtshof bei einer Revision die „Abwesenheit jeglicher Reue“ bescheinigte. Was uns das sagt? Unter Fußball-Kavalieren gibt es gar keine Delikte. Der mitteilungsbedürftige Franzose und der redselige Welsch-Schweizer könnten eigentlich auch zusammen im Chor singen: Non, je ne regrette rien.

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