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Blatter und Platini : Die Blattini-Zwillinge

  • -Aktualisiert am

Für immer verbunden? Der Walliser Blatter und der Franzose Platini waren einst König und Kronprinz. Bild: dpa

Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter und sein einstiger Rivale Platini sitzen im gleichen Boot – wenden einander aber den Rücken zu. Es ist die Geschichte eines Männer-Dramas.

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          Joseph Blatter sitzt vor seinem doppelten Espresso, zerreißt das Briefchen mit dem Süßstoff und lässt die kleine Tablette in die Tasse fallen. Seine Augen blitzen wieder, offensichtlich hat er sich von seinem gesundheitlichen „Absturz“, wie er es nennt, leidlich erholt. Seine Wangen sind wieder sorgfältig rasiert, er trägt kein Pflaster mehr im Gesicht wie im Dezember bei der Pressekonferenz nach seiner Suspendierung von allen Fußball-Tätigkeiten, dem Tiefpunkt seiner Karriere.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Pressekonferenz hat auch hier stattgefunden, im Restaurant Sonnenberg nahe dem Fußball-Weltverband (Fifa), für den Blatter 41 Jahre lang gearbeitet hat. Jetzt sitzt er wieder in dem schmucken Lokal mit der dramatischen Aussicht über die Stadt und den Zürichsee, trinkt einen Schluck und sagt mit einem Lächeln, man kenne ihn hier, darum sei in seinem Espresso das Assugrin immer schon drin.

          Bereicherungs-Maschinerie für kriminelle Funktionäre

          Die Eitelkeit ist noch intakt bei dem in Schimpf und Schande vom Fußball verjagten ehemaligen Präsidenten. Der alte Punch aber ist nicht mehr zu spüren. Am 10. März ist der Walliser achtzig geworden. Blatter hält sich für unschuldig daran, dass der Weltfußball zur Bereicherungs-Maschinerie für kriminelle Funktionäre pervertiert ist. Er sieht sich als Opfer der gierigen Kollegen und der Rachsucht der amerikanischen Politik. Er sitzt jetzt da wie einer, den seine eigenen Erben aus dem Fifa-Haus geworfen haben. Seit seiner Suspendierung hat er kein Stadion mehr betreten. Sein Büro auch nicht. Nur eines ist ihm erspart geblieben: Michel Platini ist nicht sein Nachfolger geworden. Der Franzose ist mit ihm abgestürzt.

          Dafür, wie die Dinge stehen, ist Blatter sehr gefasst. Nur manchmal blitzt die Bitterkeit durch: darüber, dass sein Name beim Fifa-Kongress im Februar in Zürich, bei dem sein Landsmann Gianni Infantino zu seinem Nachfolger gewählt wurde, nur zweimal am Rande genannt wurde. „Der Versammlungsleiter hätte sagen dürfen, da fehlt uns einer, der kann leider nicht mit uns sein. Aber wir sind mit ihm.“ Interimspräsident Issa Hayatou, ein ausgekochter Haudegen und alter Weggefährte, erwähnte ihn aber mit keinem Wort. Dass die Fifa in bedrängter Lage einen Strich unter seine Ära machen muss, sieht er nicht ein. „Wenn ich sehe, wie die Uefa ihren Präsidenten geschützt hat - und wie man mich einfach so schubladisiert hat.“

          Für immer entzweit? Die beiden Funktionäre entwickelten sich mit der Zeit zu erbitterten Rivalen.

          Tatsächlich: Der europäische Kontinentalverband Uefa führt den suspendierten Platini immer noch als seinen Präsidenten. Dabei sind beide wegen des gleichen Deliktes gesperrt, die Medien nennen den Fall sogar manchmal: Blattini. Blatter hat Platini im Jahr 2011 ohne schriftliche Vereinbarung 1,8 Millionen Euro überwiesen, angeblich für lange zurückliegende Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002. Beide sind vor den Internationalen Sportgerichtshof in Berufung gegangen gegen ihre Sechsjahressperren, das Urteil wird für Ende April erwartet. Es ist fatal: Der Fall hat den 80 Jahre alten Blatter und den 60 Jahre alten Platini zusammengezwungen wie siamesische Zwillinge. Und das, obwohl ihre Freundschaft in eine Rivalität umgekippt ist, die vor der Vernunft nicht mehr haltmachte.

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