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Blatter und Platini : Die Blattini-Zwillinge

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Ein Teil des Schadens, der dem Weltfußball in der jüngsten Vergangenheit widerfahren ist, lässt sich auf dieses absurde Duell zweier Männer zurückführen, deren Eitelkeit zum Extremsport ausartete. Blatter blockierte Platini, Platini blockierte Blatter - jetzt sind sie beide blockiert. Platini hat sogar den Verdacht geäußert, dass Blatter der Schweizer Bundesanwaltschaft den Tipp mit der nicht ordentlich belegten Zahlung gegeben hat, um ihn mit ins Verderben zu reißen. Er hätte, sagte er, Blatters letzter Skalp werden sollen. Blatter weist das weit von sich.

„Platini ist ein Star“, sagt Blatter über das einstige Fußball-Idol aus Frankreich. „Er hat ein Star-Dasein, und er glaubt, ein Star kann sich alles erlauben.“ Weil es aber Blatters Art ist, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind, und seinen Nutzen daraus zu ziehen, wurden die beiden im Jahr 1998 „dicke Freunde“. Am Freitag, den 13. März jenes Jahres, warf die Fifa-Exekutive ihn als Generalsekretär hinaus. Es war abzusehen, dass Protegé Blatter für die Nachfolge des nicht mehr tragbaren Brasilianers Havelange kandidieren würde.

Auch Platini war damals als Kandidat für das Präsidenten-Amt im Gespräch. Am 30. März aber gab Blatter - von der Fifa völlig isoliert - bei einer Pressekonferenz in Paris seine Kandidatur bekannt. An seiner Seite: Platini. „Er war sehr gut für mich 1998. Er war der Einzige, der bei mir war.“ Die Galionsfigur der damaligen Fußball-WM in Frankreich hatte offensichtlich einen Deal mit Blatter gemacht: Er bekam die Rolle des Kronprinzen. Der Lohn war üppig: Platini wurde hochbezahlter Fifa-Berater und 2007 mit Blatters Hilfe Uefa-Präsident. Der Preis für diesen Handel aber war höher, als beide ahnten.

Jetzt verbindet Platini und Blatter ein gemeinsames Delikt um eine Millionenzahlung.

Es lief super für Blatter. 1998 schlug er den Uefa-Präsidenten Lennart Johansson aus dem Rennen. 2007 sägte er mit Platinis Hilfe seinen schwedischen Kritiker vollends ab. Noch am Vorabend des Uefa-Kongresses in Düsseldorf hatte Blatter sich demütigen lassen müssen - er saß beim Bankett am Katzentisch. Tags darauf musste Johansson nach 17 Jahren den Hut nehmen. Blatter spricht von „dem Tag in Düsseldorf, wo ich geholfen habe, Platini zum Präsidenten der Uefa zu küren“. Sogar der stets moderate Franz Beckenbauer war damals pikiert, wie offen sich Blatter bei seiner Eröffnungsrede zu Platini bekannte. Ein sportpolitischer Doppelpass, der seinesgleichen suchte.

„Ich bin ein sogenannter Spielertyp“, sagt Blatter über sich selbst. „Ich hatte eine Spezialität: Wenn ich mit dem Rücken zum Tor bin, aber schon im Sechzehner, dann muss man mit der Hacke schlagen. Das sieht man heute selten. Es überrascht die Leute.“ Aber im Jahr 2007, nach seiner Wahl zum Uefa-Präsidenten, hörte Platini plötzlich auf, der Assistent von Blatters Solo-Spielchen zu sein. Er wollte selbst die Macht.

Blatter erklärt sich das so: „Ich habe immer gesagt, die Uefa hat einen Anti-Fifa-Virus. Und er wurde am Tag seiner Wahl auch davon befallen.“ In der Folge ließ er Platini einfach nicht ran. Blatter, der Meister der Stimmen-Akkumulation, ließ sich wiederwählen - 2011 und auch noch 2015. Platini, der Star, der alles geschenkt bekommen will, sah ohnmächtig zu.

Jetzt sind sie beide weg. Platini, der Jüngere, kämpft ingrimmig um Glanz und Privilegien. Und auch Blatter, der Ältere, muss seine Macht- und Anerkennungs-Rezeptoren weiter bedienen. Sie sind beide auf Entzug. Und so sitzen Blatter und Platini zusammen im gleichen Boot, wenden einander den Rücken zu und müssen doch in die gleiche Richtung rudern. Ein Männer-Drama. „Eine Art Hassliebe-Ehe“, nennt es Blatter.

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