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Pressestimmen zum Fifa-Skandal : „Ein Tsunami gegen die Korruption im Fußball“

  • Aktualisiert am

Im Mittelpunkt der Kritik: Fifa-Präsident Joseph Blatter Bild: dpa

Der Korruptionsskandal um den Weltverband Fifa erschüttert die Fußball-Welt. Im Mittelpunkt der Kritik steht Präsident Joseph Blatter. Das schreibt die internationale Presse zum „Fifagate“.

          3 Min.

          Der Korruptionsskandal um den Weltverband Fifa erschüttert die Fußball-Welt. Die Meinungen in der internationalen Presse:

          VEREINIGTE STAATEN

          „Washington Post“: „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für die Fifa, ihre Entscheidung für diese beiden Länder (Russland und Qatar) zurückzunehmen und die Ausschreibung unter unabhängiger Aufsicht wieder zu eröffnen. (...) Es wäre auch ein guter Zeitpunkt, die Karriere von Fifa-Präsident Sepp Blatter zu beenden, der seit 1998 über den Verband geherrscht und dessen Einnahmen verteilt hat.“

          „New York Times“: „Die Fifa darf dieses Mal nicht so tun, als gehe es um ein paar korrupte Funktionäre. Ein erster Schritt wäre, sofort Herrn Blatter zu schassen und die Fifa umzustrukturieren.“

          GROßBRITANNIEN

          „Guardian“: „(Fifa-Präsident Joseph) Blatter sitzt ganz oben auf diesem dampfenden Haufen von Bestechung. Er mag äußerlich ruhig wirken, aber er ist am Ende. Entweder er geht, oder die Fifa bricht zusammen. Oder es passiert beides.“

          FRANKREICH

          „Libération“: „Der Chef (Joseph Blatter) dieser von Korruption durchsetzten Institution ist sexistisch, homophob, leugnet Rassismus im Fußball und Sklavenarbeit in Qatar. Wenn Mafia-Methoden einer so mächtigen Organisation wie der Fifa ans Tageslicht kommen, dürfen Politiker nicht schweigen, nur weil sie darauf hoffen, dass ihnen die Organisation einer Sportveranstaltung zugestanden wird.“

          „La Croix“: „Es gibt zu viele Fußballfans, die zweifeln, ob ihr Lieblingssport Platz lässt für traurige Praktiken, aber lieber nicht darüber nachdenken.“

          „Dernières Nouvelles d’Alsace“: „Es ist viel mehr notwendig als eine Razzia, so spektakulär sie auch sein mag, um der bis auf die Knochen korrupten Hydra, die den weltweiten Fußball regiert, ein Ende zu bereiten. Aber es ist schon mal ein guter Anfang.“

          „L’Alsace“: „Beim Fußball spielen elf gegen elf und am Ende ist es das Geld, das gewinnt.“

          SPANIEN

          „El País“: „Es ist nicht glaubhaft, dass der Präsident die tiefen Korruptionswurzeln nicht gekannt hat, die (amerikanische Justizministerin) Loretta Lynch angesprochen hat (...) Selbst wenn er wirklich nichts gewusst hat, war und ist Blatter verantwortlich. Der logischste Schritt wäre nun der Rücktritt - auch wenn die Fifa behauptet, dass der Präsident ,nicht verwickelt ist’.“

          „Marca“: „Das FBI nimmt die Fifa auseinander. Die Ermittler besuchen die Kloaken des Fußball-Weltverbandes.“

          „Sport“: „Die Fifa bezieht wegen der Korruption Prügel. Die Folgen für den Fußball-Weltverband sind unabsehbar, denn die amerikanische Justizministerin sagte, dass zwei Generationen von Funktionären betroffen seien.“

          „La Vanguardia“: „Bei der Fifa wurde die Zeit des Wandels eingeläutet. Aber dieser Wandel scheint unter Blatter nicht durchführbar. Und - sagen wir das ohne Umschweife - auch nicht ohne eine ernsthafte Gewissensprüfung seitens der Sponsoren und der Verwalter der TV-Rechte, die den Niedergang mitverantwortet haben.“

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          SCHWEIZ

          „Neue Zürcher Zeitung“: „Die Fifa wird sich um einen ruhigen Kongress bemühen und vermutlich den Präsidenten Joseph Blatter im Amt bestätigen. Aber ihre dunklen Geister wird sie so schnell nicht los, auch wenn die mutmaßlichen (Korruptions-)Vorgänge abermals Erdteile betreffen, die von Europa und Zürich weit entfernt sind.“

          NIEDERLANDE

          „de Volkskrant“: „Blatters Verbleib im Amt ist tödlich für das Image der Fifa. So sieht es jedenfalls ein Teil der Welt. Blatter hat keine Botschaft für jenen Teil der Welt, der vor allem aus europäischen Ländern besteht.“

          TSCHECHIEN

          „Lidove noviny“: „Die Gegner von Fifa-Präsident Joseph Blatter blicken nun hoffnungsvoll auf den Gegenkandidaten. Der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein soll derjenige sein, der dem Weltfußball sein sauberes Image zurückgibt und ihn aus der Krise führt! Das ist eine schöne, aber etwas naive Vorstellung.“

          „Hospodarske noviny“: „Es überrascht überhaupt nicht, wie die Ära Blatter Tage vor seiner erwarteten Wiederwahl in eine fünfte (!) Amtszeit endet. Natürlich wirft die Wahl des Zeitpunkts bei manch einem Fragen auf. Doch jeder, der Fußball gern hat und dafür sein Geld ausgibt, sollte jubeln, als ob sein Team ein wichtiges Spiel gewonnen hätte.“

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          ÖSTERREICH

          „Der Standard“: „Neben korrupt ist es vor allem ein Adjektiv, das im Zusammenhang mit Joseph Blatter besonders häufig fällt: mächtig. Der mächtige Präsident, der mächtige Schweizer, der mächtige Sepp. Angesichts der aktuellen Entwicklungen sollte man endlich ein „ohn“ voranstellen. (...) Kaum vorstellbar, was der seit 1998 wirkende Blatter (79) in vier weiteren Jahren anrichten und welchen Nachfolger er aufbauen würde.“

          BRASILIEN

          „O Globo“: „Ein Tsunami gegen die Korruption im Fußball. Ein Tsunami, der anstatt Zerstörung zu bringen, den Weltfußball vom Schlamm der Korruption säubern könnte.“

          „Estado de São Paulo“: „Fifagate. Was ein weiteres angenehmes Treffen der „Familie“ hätten werden sollen, wurde zum Sturm.“

          „Folha de São Paulo“: „Man stelle sich vor, was passierte, wenn sich herausstellte, dass die Wahl Brasiliens (als WM-Gastgeber 2014) nicht nur der Naturschönheit geschuldet war und der Leidenschaft für den Sport, den die Fifa kommandiert. Das wäre ein immens größerer Schock als das 7:1, das Deutschland Brasilien zufügte.“

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