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Joseph Blatter im Gespräch : „Künftig soll der Kongress die WM vergeben“

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Ein Mann kämpft um seinen Platz: Joseph Blatter will die Glaubwürdigkeitskrise überwinden Bild: AP

Am 1. Juni will Joseph Blatter als Fifa-Präsident wiedergewählt werden. Im Interview mit der F.A.Z. spricht der Schweizer über Korruption und Wohltaten, seinen Gegenspieler bin Hammam, seine Wahlchancen und sein eigenes Gehalt.

          7 Min.

          Und er bewegt sich doch: Der 75 Jahre alte Schweizer Langzeit-Präsident Joseph Blatter (seit 1998), der vom Qatarer Mohamed bin Hammam herausgefordert wird, kündigt für eine weitere Amtszeit Reformen an. Ein „Rat der Weisen“ soll der von Korruption beschädigten Organisation neue Glaubwürdigkeit bringen.

          In welchem Land waren Sie denn zuletzt?

          In Panama. Ich habe sieben Länder in Mittelamerika besucht.

          Waren Sie auf Stimmenfang für den Wahlkongress am 1. Juni in Zürich?

          Nein. Eigentlich stand die Reise schon im Juni letzten Jahres auf dem Programm und wurde dann verlegt. Ich habe Projekte des Entwicklungshilfeprogramms „Goal“ eröffnet, die schon lange geplant waren. Sieben Länder in sechs Tagen.

          Was? Sechs Länder in sieben Tagen?

          Nein, sieben Länder in sechs Tagen, an einem Tag war ich in zwei Ländern, in Belize waren wir nur einige Stunden.

          Eigentlich kein Wunder, dass Ihr 62 Jahre alter Gegenspieler Mohamed bin Hammam gesagt hat, Sie seien erschöpft. Haben Sie mit 75 Jahren immer noch nicht genug von solchen präsidialen Gewalttouren?

          Ich bin weniger erschöpft als die Leute, die mich begleiten, obwohl sie eine bis anderthalb Generationen jünger sind. Das ist meine innere Uhr, die ständig tickt. Wenn ich beim Fußball und meinen Projekten bin, wo ich mit vielen jungen Leuten zu tun habe, ermüdet mich das nicht. Das gibt mir Energie.

          Kinder begrüßen Sie, Staatspräsidenten hofieren Sie – wie erklären Sie sich eigentlich, dass der Fußball so beliebt ist und die Fifa gleichzeitig einen so schlechten Ruf hat?

          Das ist natürlich nicht sehr angenehm. Aber wo hat die Fifa einen schlechten Ruf? Sicher nicht auf der ganzen Welt. Im deutschen Sprachgebiet ist er schlecht, Richtung Frankreich schon besser, die englische Presse geht auf und ab. Doch der Fußball ist eine Institution, die man pflegen muss. 300 Millionen Menschen gehören zur Fußballfamilie. Er setzt heute weltweit 300 Milliarden Dollar im Jahr um – ein Großteil durch die Fans, die ihren Mannschaften nachreisen. Der Fußball hat eine sozialkulturelle und eine politische Dimension, die ich noch weiter vertiefen möchte.

          Trotz all dieser Leistungen wird das System Fifa aber vor allem als korrupt gesehen, und das ja nicht ohne Grund.

          Das sagt sich so leicht. In unserem Finanzbericht kann man nachlesen, dass 70 Prozent unserer Einnahmen direkt an den Fußball zurückgehen. Die guten Werke will ich gar nicht alle aufzählen. Natürlich kann man nicht sagen, unter 300 Millionen Menschen sind alle gut. Es gibt natürlich immer schwarze Schafe.

          Peinlich aber, wenn die schwarzen Schafe in der Exekutive sitzen wie die beiden, die von der Ethikkommission im vergangenen Dezember wegen Bestechlichkeit ausgeschlossen wurden. Könnten Sie sich vorstellen, dass sich nach dieser Erfahrung in Zukunft an der Vergabe von Weltmeisterschaften etwas ändern wird? Könnten in Zukunft nicht einfach die 208 Verbände im Kongress entscheiden?

          Das ist ein Projekt, das ich im Hinterkopf habe. Ich würde gerne das Beispiel vom Internationalen Olympischen Komitee übernehmen, um künftig zu vermeiden, was jetzt stattgefunden hat. Die Exekutive bekommt zehn oder zwölf Kandidaturen, schaut sie sich an, schlägt die besten vor, und lässt dann die Vollversammlung wählen. Das wäre eine Lösung für die Fifa, etwas Positives. In Anbetracht der unkomfortablen Situation, die ich am 2. Dezember hier in Zürich hatte, ist das eine Idee.

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