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Blatter und der Fifa-Skandal : Die dunkle Seite der Macht

  • -Aktualisiert am

Blatter ist das Programm

In Asien, woher Blatter ein weiteres starkes Stimmenpaket beziehen wird - insgesamt sind 47 Stimmen zu holen -, liegen die Machtverhältnisse anders. Der gerade neu gewählte Präsident der Konföderation, Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa, Mitglied der Königsfamilie von Bahrein, bekam sein Amt durch die Hilfe eines mächtigen und zahlungskräftigen Förderers: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuweit, früher Vorsitzender der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), heute einer der wichtigsten Drahtzieher im internationalen Sport, unter anderem Unterstützer des Deutschen Thomas Bach auf dem Weg ins Präsidentenamt des Internationalen Olympischen Komitees. Scheich Ahmad rühmt sich auch, Blatters Helfer zu sein - gegen den Jordanier Prinz Ali, dessen Heimat-Konföderation Asien ja eigentlich ist.

Doch der Prinz wurde systematisch ausgeschaltet. Seinen Posten als Vizepräsident der Fifa konnte er nach vier Jahren Amtszeit nicht wiedergewinnen. Schon vor einem Jahr beschloss die Konföderation, diesen Sitz künftig dem Präsidenten zuzusprechen. Ali wurde beim Kongress Ende April in Manama (Bahrein) ohne Dank verabschiedet und erhielt, obwohl er Vorsitzender des jordanischen Fußballverbandes ist, keine Redezeit. Wie bei allen Kongressen der sechs Föderationen, mit Ausnahme Europas, durfte nur Blatter reden, seine Gegenkandidaten saßen nur stumm dabei.

Eine weitere Änderung der Statuten sicherte Scheich Ahmad selbst einen Platz in der Exekutive der Fifa - und zwar auf zwei Jahre beschränkt, was ihm die Möglichkeit zur Wiederwahl 2017 und zur Kandidatur für Blatters Nachfolge 2019 aus sicherer Position heraus ermöglichen würde. Sosehr Scheich Ahmad den Kontinent auch im Griff hat, könnte es dennoch sein, dass Prinz Ali dort bei den muslimischen Nationen ein paar Stimmen einsammelt. Ob allerdings der Vorstoß Palästinas, am Freitag in Zürich den Ausschluss Israels aus der Fifa zu beantragen, wirklich helfen wird, zumindest die arabischen Brudernationen hinter Ali zu versammeln, darf bezweifelt werden. Ali fürchtet, dass die Behauptung seiner Gegenspieler, er sei ein Freund Amerikas und damit Israels, ihn auch die letzten Mitstreiter kosten könnte. Egal, wie die Sache ausgeht: Jener 30. April 2015 in Bahrein, als der Konflikt benutzt wurde, um ein paar lumpige Stimmen für Blatter herauszuschlagen, könnte als ethischer Tiefpunkt in die Geschichte der Sportpolitik eingehen.

Blatter aber reiste gestärkt von dannen. Er rechnet für Zürich mit weiteren Stimmen aus Ozeanien und Amerika, und auch Europa steht nicht einig hinter Prinz Ali. Blatter war schon vorher überzeugt: Er wird’s. Er hat sich nicht einmal mehr die Mühe gemacht, ein Wahlmanifest zu formulieren. Ein Programm braucht er nicht mehr. Blatter ist das Programm. Und wenn die Tage von Zürich mit den Verhaftungen und dem Besuch der Schweizer Staatsanwaltschaft doch ein bisschen strapaziös gewesen sein sollten für den alten Herrn, kann er sich ja hinterher wie gewohnt in den Zug setzen und heimfahren nach Visp im Wallis. Dorthin, wo er geboren wurde, wo sich seine Stammbeiz „Napoleon“ im Besitz seines Schwiegersohns befindet und wo er einst begraben sein will.

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