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Blatter und der Fifa-Skandal : Die dunkle Seite der Macht

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Drittens tiefes Wissen um die Schlechtigkeit der anderen: Blatter, so ist zu vermuten, ist so ziemlich alles, was die international agierenden Fußball-Abräumer vor den Behörden zu verstecken versuchen, bekannt. Er hat erst vor kurzem noch ein reiches Reservoir hinzubekommen: Den Garcia-Bericht. Der ehemalige amerikanische Bundesstaatsanwalt Michael Garcia untersuchte in Blatters Auftrag - angeblich um die Fifa gründlich von finsteren Elementen befreien zu können - die fragwürdige Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Qatar, dazu weitere Korruptionsfälle.

Alle haben Angst vor Hayatous Willkür

Im Dezember 2014 trat er aus Protest gegen die unzureichende öffentliche Auswertung seines Rapports zurück. Und hinterließ Blatter eine Waffe in zwiefacher Hinsicht. Ein Dossier voller Informationen über seine Kollegen - und ein wirksames Mittel gegen seine Mitbewerber. Selbstverständlich verlangten alle drei, der Niederländer Michael van Praag, der Portugiese Luis Figo und Prinz Ali, die sofortige Offenlegung des Garcia-Berichts - und nicht erst zu einem unklaren Zeitpunkt in der Zukunft, wie Blatter das tat. Damit hatten seine Gegner logischerweise all jene - möglicherweise mächtigen - Funktionäre gegen sich, die fürchten müssen, in Garcias Bericht eine unrühmliche Rolle zu spielen.

Von Issa Hayatou, dem Vorsitzenden der afrikanischen Konföderation CAF, weiß man, dass er kein Unschuldslamm ist. Es ist nachgewiesen, dass der Kameruner im Zuge der Schmiergeldaffäre um den ehemaligen Rechtevermarkter ISL 20.000 Dollar genommen hat. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), dessen Mitglied Hayatou wie Blatter ebenfalls ist, erteilte ihm für dieses Vergehen zumindest einen Verweis - die Fifa nicht. Hayatou gehört auch zu den drei Afrikanern, die nach Aussage von Phaedra Almajid, einer ehemaligen Mitarbeiterin der Bewerbung Qatars, die Kaufsumme für ihre Stimme bei einem Treffen auf 1,5 Millionen Dollar hochgetrieben haben sollen. Es ist anzunehmen, dass dieser Vorgang auch im Garcia-Bericht erwähnt wird, möglicherweise detaillierter als bekannt. Falls dem so ist, weiß Blatter auch das.

Als Männerfreund von Blatter scheidet Hayatou aus: 2002 verlor er die Fifa-Präsidentenwahl gegen den Schweizer. Und doch legte er ihm Anfang April beim Kongress seiner Konföderation in Kairo ganz Afrika zu Füßen. Er garantierte ihm alle 54 (von insgesamt 209) Stimmen seines Kontinents. Hayatou rief: „Afrika ist an deiner Seite!“ Und damit ist zu rechnen, obwohl Afrikas Verbände murren. Als Hayatou versuchte, eine „Standing Ovation“ für Blatter zu organisieren, erhoben sich nur die Delegierten von Guinea-Bissau und der Republik Kongo.

Doch das wird nichts ändern am Wahlverhalten der Afrikaner am Freitag. Alle haben Angst vor Hayatous Willkür. Hinter seinem Rücken sagen sie, dass sie parteiische Schiedsrichter fürchteten, die Entwicklungshilfe könnte ins Stocken kommen, sie könnten mit Bewerbungen scheitern. Und, Ultima Ratio des Weltpräsidenten: Die Fifa, und damit Blatter, kann per Statut eine nationale Verbandsführung in einem Handstreich durch ein „Normalisierungskomitee“ ersetzen. Was angeblich gedacht ist, um politischen Einfluss zu verhindern, eignet sich durchaus auch als Disziplinierungsmaßnahme für frech gewordene Funktionäre.

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