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Blatter und der Fifa-Skandal : Die dunkle Seite der Macht

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Unter seiner Führung scheffelte die Fifa zwar immer mehr Geld - im vergangenen Jahr machte sie einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar. Aber ihr Ruf ist katastrophal. Blatter und die anderen Funktionäre gelten als korrupt, gierig, skrupellos, intrigant und moralisch verkommen. Aber auch das juckt ihn wenig. Dabei müsste er als Vater der großen Fifa-Familie eigentlich wissen, was Verantwortung bedeutet.

Blatter hat sie alle so erzogen

Wenn die Fifa Blatters Familie und er ihr Patriarch ist, gibt es nur einen Schluss: Er hat sie alle so erzogen. Er hat sie zur übelsten Kaste im nicht gerade renommierten Kreis der internationalen Sportfunktionäre verkommen lassen, ja er hat die schlechten Charaktere seiner ausgesuchten Schlüsselfiguren zu einem vielseitigen Machtinstrument zusammengeschraubt, mit dessen Hilfe er sein schmutziges Imperium steuert. Darum helfen auch keine Reformbemühungen und Bauernopfer mehr: Niemand, der dem von innen zerfressenen Fußballsystem eine Erneuerung wünscht, würde freiwillig an Blatter festhalten. Aber darüber kann Blatter nur lächeln. Er wird bleiben. Der Kongress wird wie geplant stattfinden. Blatter wird sich wählen lassen. Weil er es kann.

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Die einst dreiköpfige Gruppe seiner Herausforderer ist inzwischen ohnehin auf einen tapferen Solisten zusammengeschrumpft: den etwas naiv wirkenden, 39 Jahre alten Jordanier Prinz Ali bin al Hussein, für den es schon ein enormer Erfolg wäre, eine Zweidrittelmehrheit für Blatter im ersten Wahlgang zu verhindern. Mehr geht nicht gegen Blatters ausgereifte Macht, die sich auf drei Säulen stützt.

Erstens die Geldverteilung: Erst jüngst hat Blatter jedem der 209 nationalen Verbände eine Apanage von jährlich 1,3 Millionen Dollar versprochen, die im Juni ausgezahlt wird und für anderthalb Jahre gilt - zusätzlich zu den umfangreichen Zuwendungen für sogenannte Entwicklungshilfe. Dass in vielen Ländern auf dem langen Weg zum Jugendzentrum oder zum Bolzplatz eine Menge des zu philanthropischen Zwecken ausgeschütteten Geldes in Funktionärstaschen wandert, ist bekannt.

Das Wissen des Joseph Blatter

Zweitens die Verteilung der Quotenplätze für die Fußball-Weltmeisterschaft: Die Kontinentalverbände, genannt Konföderationen, konkurrieren scharf um die 32 Positionen. In den vergangenen Wochen hat Blatter im Rahmen des Stimmenfangs etwa der asiatischen Konföderation (AFC) einen zusätzlichen Platz in Aussicht gestellt. Dazu einen halben der Concacaf, der Konföderation von Nord- und Zentralamerika und der Karibik, deren Präsident Jeffrey Webb von den Kaiman-Inseln ein enthusiastischer Unterstützer Blatters ist - am Mittwoch aber leider kurzfristig abhandenkam und in Auslieferungshaft verschwand. Leidtragender der WM-Quotenverlagerung dürfte das aufmüpfige Europa sein. Schade zwar, dass keine der vier asiatischen Mannschaften bei der vergangenen WM in Brasilien die Vorrunde überstand. Aber sie wollen besser werden. Und klug wiederum von Blatter, für die Vergabe der Quotenplätze eigens eine außerordentliche Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees anzusetzen. Und zwar auf Samstag, den Tag nach der Wahl.

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