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Neuer AS-Trainer Mourinho : „Rom hat einen neuen Imperator“

Der Imperator Roms? AS-Rom-Trainer José Mourinho Bild: EPA

Einst spottete José Mourinho über die AS Rom. Nun kommt er als Trainer und soll den Klub wieder zu Titeln führen. Doch auch für Mourinho selbst geht es um einiges beim neuen Job in Italien.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Wenn von José Mourinho und dem AS Rom die Rede ist, dann schweifen Kenner zurück in den März des Jahres 2009. Der Portugiese war damals Trainer von Inter Mailand, ein Jahr später sollte sein Team das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League gewinnen. Monate vor seinem größten Triumph fühlte sich Mourinho – wie so oft in seiner Karriere – von der Öffentlichkeit kritisiert und angegriffen.

          Er holte zu einem seiner berüchtigten Gegenangriffe aus und lästerte in einer Pressekonferenz ausführlich über die damalige Konkurrenz in der Serie A, die bei ähnlichem Potential wie Inter Mailand seinem Urteil nach gar nichts zustande gebracht hätte. Über den AS Rom, damals Inter Mailands größter Rivale, sagte Mourinho, der Verein habe „großartige Spieler“, aber „zero titoli“, also keinen einzigen Titel gewonnen. „Zero titoli“ oder mit portugiesischem Einschlag „zero tituli“ wurde zum geflügelten Wort in der Serie A. Jetzt soll der 58-Jährige ausgerechnet den Verein zu messbaren Erfolgen führen, dem er diese Fähigkeit vor zwölf Jahren abgesprochen hat.

          Am Dienstag hatte der AS Rom die Verpflichtung von Mourinho als neuem Trainer vom 1. Juli an verkündet. Der noch amtierende, ebenfalls aus Portugal stammende Coach Paolo Fonseca wird zum Saisonende gehen. Wie italienische Medien berichten, kam der Kontakt mit Mourinho erst vor Tagen zustande. Der Coach aus Setúbal war bis vor drei Wochen noch Cheftrainer der Tottenham Hotspur in der englischen Premier League.

          Nach seiner Entlassung stürzte sich offenbar der AS Rom mit seinem ebenfalls portugiesischen Sportdirektor Tiago Pinto auf ihn. Über Mourinhos Agenten Jorge Mendes, der auch Cristiano Ronaldo betreut, setzte sich dann auch die amerikanische Eigentümerfamilie des AS Rom mit dem Portugiesen in Verbindung.

          Erst vergangenen Donnerstag war der Klub, derzeit nur Tabellensiebter der italienischen Serie A, mit einem 2:6 im Halbfinal-Hinspiel der Europa League bei Manchester United unterlegen. Das enttäuschende Ergebnis beschleunigte die vorzeitige Entlassung von Trainer Fonseca. Mourinho, der in Rom einen Vertrag bis Mitte 2024 und ein Nettogehalt von zehn Millionen Euro pro Saison bekommen soll, wurde als neuer Coach verpflichtet.

          „Die Stadt spielt verrückt“

          Damit treffen zwei Welten aufeinander, die immer noch über viel Anziehungskraft verfügen, aber zuletzt viele Frustrationen erleiden mussten. Der Traditionsverein AS Rom hat nach dem Karriereende von Francesco Totti viel von seinem Glanz eingebüßt, der nun durch die Trainer-Ikone Mourinho ein Stück weit wettgemacht werden könnte. Das wegen seiner Emotionalität berühmt-berüchtigte Umfeld in Rom reagierte begeistert, ein paar Tifosi versammelten sich auf den Straßen und veranstalteten Hupkonzerte.

          2008, in dem Jahr, in dem Mourinho bei Inter Mailand begann, errang der Verein mit dem Gewinn des italienischen Pokals seinen letzten Titel. Mourinho selbst gewann in seiner Trainer-Karriere insgesamt 25 Titel, insbesondere sein jüngstes, nur 17 Monate währendes Engagement bei den Tottenham Hotspur war von Enttäuschungen geprägt. Die Mannschaft spielte nicht nur unattraktiv, wie es den meisten Teams Mourinhos unterstellt wird, sondern auch erfolglos. Zuvor war der Portugiese auch beim FC Chelsea und Manchester United entlassen worden.

          Für Dan Friedkin, den kalifornischen Milliardär und Filmproduzenten, der den AS Rom im vergangenen Sommer für knapp 600 Millionen Euro erwarb, ist die Verpflichtung Mourinhos ein Coup. Einerseits garantiert der umstrittene Portugiese größte Medien-Aufmerksamkeit, Mourinho ist selbst eine Marke. Andererseits lassen sein Stolz und Ehrgeiz hoffen, dass auch ihm persönlich daran gelegen ist, mit der Roma wieder in die Erfolgsspur zu kommen, garantiert ist der Erfolg natürlich nicht.

          „José hat überall Trophäen gewonnen und steht für Leadership und Erfahrung in unserem ehrgeizigen Projekt“, sagte Friedkin, der mit dem Transfer auch die wichtige Fanbasis in Rom hinter sich versammelt hat. Sein Vorgänger James Pallotta war auch am Widerstand der Tifosi gescheitert, wie schon viele andere Protagonisten in Rom. „Die Stadt spielt verrückt“, schrieb die Gazzetta dello Sport nach der Bekanntgabe der Verpflichtung Mourinhos. „Rom braucht keinen neuen Bürgermeister“, schrieb La Repubblica. „Rom hat einen neuen Imperator.“

          Mourinho als großer Motivator

          Es bleibt die Frage, ob Mourinho als Trainer noch einmal das Topniveau erreichen kann, das ihn neben seinem großen Talent zur Selbstdarstellung jahrelang ausgezeichnet hat. Die große Bühne betrat er 2004, als er den Underdog FC Porto zum völlig überraschenden Gewinn der Champions League führte. 2010 folgte der Triple-Erfolg bei Inter Mailand und direkt anschließend der Wechsel zu Real Madrid.

          Langsam ging es anschließend bergab, was möglicherweise mit den Abnutzungserscheinungen einer auf höchste Effizienz und beinahe blinde Gefolgschaft der Spieler getrimmten Methode zu erklären ist, aber auch mit der technischen Entwicklung des modernen Fußballs. Der Provokateur Mourinho gilt als großer Motivator, aber nicht als Denker oder Herold der Attraktivität des Spiels. Was er kann wie kein Zweiter, ist Kommunikation. Eine kleine Kostprobe gab Mourinho am Dienstag, als er sich mit dem Schlachtruf der Roma-Tifosi „Daje Roma“ vorstellte. „Die unglaubliche Leidenschaft der Tifosi“ habe ihn dazu bewogen, die Aufgabe beim AS Rom zu übernehmen.

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