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José Mourinho : Real oder surreal?

Wann ist es Ernst, wann ist es Spiel? Niemand weiß, ob Mourinho in die Richtung geht, in die er zeigt Bild: REUTERS

Vor dem Halbfinale der Champions League gegen Borussia Dortmund (20.45 Uhr) weiß niemand, wo für José Mourinho die Wirklichkeit aufhört und die Verfolgungsphantasien anfangen. Der Trainer von Real Madrid kennt jedenfalls nur ein Zentrum: sich selbst.

          Kürzlich im spanischen Sportfernsehen. Eine fünfköpfige Expertenrunde fragt sich, wann Real Madrid seinem Star Cristiano Ronaldo endlich einen besser dotierten Vertrag gibt. In der heißen Phase seiner vierten Saison beim spanischen Rekordmeister ist der Portugiese so treffsicher wie noch nie. CR7 (seine Initialen plus Rückennummer) hat gerade das stolze Team von Athletic Bilbao in dessen Stadion San Mamés - Spitzname: „die Kathedrale“ - mit zwei hinreißenden Toren erlegt: einem Freistoß nach kaum sechzig Sekunden und einem bildschönen Kopfball in der zweiten Halbzeit.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Der heute Achtundzwanzigjährige ist zu einem Ausnahmeathleten ohne Allüren und mit unantastbarer professioneller Einstellung gereift. Dass er in der Form seines Lebens spielt, sagen auch die Zahlen: 31 Treffer in 30 Ligaspielen. Gesamtbilanz im weißen Trikot: 196 Tore in 192 Partien. Wie es wäre, ohne ihn zu gewinnen, kann sich bei Real kaum noch einer vorstellen. Der einzige zulässige Vergleich ist Reals Stürmerlegende Alfredo di Stéfano.

          Wolkenbänke am Horizont

          Dann kommt in der Fernsehrunde eine heikle Frage auf. Werden Cristiano Ronaldo, Kapitän Iker Casillas und sein Stellvertreter Sergio Ramos weiter für Real Madrid spielen, wenn Trainer José Mourinho über das Ende der Saison hinaus im Amt bleibt? Große Ratlosigkeit. Die Gerüchte haben sich verdichtet, seit das Sportblatt „Marca“ am 3. Dezember 2012 verkündete, die Entzweiung zwischen dem portugiesischen Startrainer und seiner Mannschaft sei so gut wie perfekt. Fünf Monate später sind die Gerüchte dichter als je zuvor, ganze Wolkenbänke türmen sich am Horizont. Aber Mourinho ist noch da, und Real steht im Halbfinale der Champions League. (Mittwoch, 20.45 Uhr live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET).

          Man könnte jetzt über rivalisierende Spielweisen, das Erstarken des Ökosystems Bundesliga oder die Pikanterien deutsch-spanischer Fußballkultur philosophieren. Doch José Mourinho steht quer zu solchen Debatten. Mourinho repräsentiert nichts außer sich selbst. Das bringt den Zufallsfaktor ins Spiel, denn Wirbel, Gerede und Skandal sind sein natürliches Habitat. Mit rätselhaften Sprüchen heizt der Portugiese die Spekulationen um das Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber weiter an. Nach einer Auseinandersetzung mit einem seiner wertvollsten Spieler sagte er vor der Presse: „Mit meiner Frau verstehe ich mich besser als mit Sergio Ramos.“ Aha. Das dürfen wir nun deuten.

          Und was ist mit Mesut Özil, von dem es ebenfalls heißt, er sei auf Distanz zu Mourinho gegangen? Einer in der Fernsehrunde sagt: Am besten bleiben alle, der Coach und seine Stars! Ein anderer meint, der Wunschkandidat des Präsidenten für die kommende Saison sei Carlo Ancelotti. Das immerhin lässt sich verifizieren. Florentino Pérez, der mächtige Real-Boss, hat den Italiener immer wieder gelockt, doch der hat nie angebissen. Was es heute kosten würde, Ancelotti von Paris Saint Germain loszukaufen, will man sich lieber nicht vorstellen.

          Tatsache ist, dass in diesen Tagen gegen Ende April niemand etwas Sicheres weiß, und der Einzige, dem das gefallen könnte, ist Mourinho. Nachdem Real Madrid in der Primera División schon vor einem halben Jahr abgedankt hat, winken in den Maiwochen plötzlich zwei Trophäen: die Copa del Rey im Pokalfinale gegen Atlético Madrid. Und die Champions League, sofern im Halbfinale Borussia Dortmund besiegt wird und dann im Wembley-Stadion nach dem 4:0-Erfolg im Hinspiel vermutlich Bayern München und nicht der FC Barcelona in die Knie gezwungen werden.

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