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Titel für Mourinho mit AS Rom : „The Only One“ gewinnt auch dieses Finale

José Mourinho küsst die Trophäe der Europa Conference League schon vor der offiziellen Übergabe. Bild: Reuters

José Mourinho triumphiert mit der AS Rom in der Conference League und stellt damit im Europapokal eine ganz spezielle Bestmarke auf. Der Trainer genießt beim Triumph von Tirana ein besonderes Gefühl.

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          José Mourinho hat wie immer offenbar alles gewusst. Noch in Rom, vor dem Abflug nach Albanien, hatte er verkündete: Die AS Roma, zu der er im Mai 2021 als Nachfolger seines glücklosen portugiesischen Landsmannes Paulo Fonseca als Cheftrainer gestoßen war, habe Geschichte geschrieben. Allein schon durch den Einzug ins erste Finale der neu geschaffenen Europa Conference League. Aber es werde möglicherweise noch ein weiterer Schritt hinzu kommen.

          Europa Conference League
          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Und als Nicolò Zaniolo, das von schweren Knieverletzungen immer wieder zurückgeworfene Riesentalent, in der 32. Minute mit dem ersten Schuss der Italiener aufs Tor aus kurzer Distanz den Ball an Feyenoord-Torhüter Justin Bijlow vorbei spitzelte, schickte er seine in Begeisterung aufgesprungenen Spieler zurück auf die Bank und mahnte sie zur Zurückhaltung. Denn er wusste, dass seine Mannschaft noch viel Glück und viel Leidensfähigkeit brauchen würde, um nach 95 langen Minuten den Pokal endlich in die Höhe recken zu können.

          Kurz nach der Pause rettete der Pfosten, später eine Glanzparade von Torhüter Rui Patricio in Zusammenarbeit mit dem Lattenkreuz die Roma vor dem Ausgleich der zu diesem Zeitpunkt drückend überlegenen Rotterdamer. Dass er bei den Spielerwechseln in der zweiten Hälfte das richtige Händchen bewies und rechtzeitig das Momentum der Niederländer störte, das war dann der letzte Beweis, dass José Mourinho, der selbsternannte „Special One“, wieder alles gewusst hatte. Nämlich dass er zum „Only One“ werden würde, zum ersten und bisher einzigen Trainer mit einem Titel in allen drei UEFA-Wettbewerben.

          Wann immer er mit einer Mannschaft ein europäisches Endspiel erreichte, gingen seine Spieler als Sieger vom Platz. So war es mit dem FC Porto im UEFA-Cup – dem Vorgänger der Europa League – im Jahre 2003 und in der Champions League ein Jahr später, sodann mit Inter Mailand abermals in der Königsklasse 2010 und schließlich mit Manchester United in der Europa League 2017.

          Und jetzt, 2022, die Europa Conference League mit der AS Rom. Es sei eine Sache, mit einer Mannschaft zu gewinnen, die zum Siegen gemacht sei, sagte Mourinho nach dem Sieg in Tirana. Eine andere, ganz besondere Sache sei es aber, wenn dies mit Teams wie Porto, Inter und jetzt Roma gelinge, die nicht zu den großen Favoriten zähle: „Das gibt dir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.“

          Und doch sprach Mourinho in Tirana und später bei der Rückkehr nach Rom am frühen Donnerstagmorgen fast ausschließlich von der Leistung seiner Mannschaft, die er gar nicht hoch genug loben konnte. Es war der erste europäische Titel der AS Rom nach 61 Jahren. Und es war der erste europäische Titel für einen Klub aus der Serie A nach zwölf Jahren. Damals, 2010, war es kein anderer als Mourinho, der mit Inter Mailand den FC Bayern München im Endspiel der Champions League besiegte.

          Ganz Rom feierte den Sieg von Tirana. Im Olympiastadion hatten zehntausende Fans auf Großbildschirmen die Partie in Tirana verfolgt. Die Nacht gehörte den Tifosi der AS Roma. Am Flughafen und später im Trainingszentrum Trigoria empfingen die treuesten der Fans die Mannschaft schon morgen zwischen vier und fünf Uhr. Am Nachmittag folgte die obligatorische Fahrt durch Rom im offenen Bus, am Kolosseum war der Teufel los. Der „Corriere dello Sport“ titelte schlicht „Im Paradies“. José Mourinho muss gewusst haben, dass der Weg ins Paradies über Rom führt.

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          72 Festnahmen in Rotterdam nach Finale

          Bei Ausschreitungen nach der Finalniederlage von Feyenoord Rotterdam hat es nach Polizeiangaben in der Nacht zum Donnerstag 72 Festnahmen in der niederländischen Hafenstadt gegeben. Zwei Einsatzkräfte seien leicht verletzt worden, wie der niederländische Sender NOS außerdem berichtete. Ein Bus und eine Straßenbahn seien beschädigt worden, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Die Lage habe sich gegen 1.00 Uhr beruhigt. In mehreren Gegenden Rotterdams seien „starke Zerstörungen“ angerichtet worden, sagte ein Polizeisprecher. Wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete, warfen aufgebrachte Feyenoord-Anhänger mit Feuerwerkskörpern und Fackeln um sich und schleuderten Steine, Gläser und Flaschen gegen Polizisten.

          Zahlreiche Fußball-Fans hatten am Mittwochabend in Rotterdam das 0:1 im Endspiel gegen AS Rom in Tirana verfolgt, auch im Feyenoord-Stadion De Kuip gab es ein Public Viewing. In Tirana blieb es nach den Ausschreitungen in der Nacht zum Mittwoch dagegen offenbar weitgehend ruhig, wie NOS auch unter Berufung auf die dortige Polizei berichtete. Die Polizei in der albanischen Hauptstadt hatte angekündigt, mit einem massiven Aufgebot weitere Zwischenfälle verhindern zu wollen.

          In Tirana war es in der Nacht vor dem Endspiel zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Fangruppen aus Rom und Rotterdam gekommen. Dabei waren Agenturangaben zufolge 19 Polizisten und fünf weitere Menschen verletzt worden. Ein Polizist ist den Angaben zufolge mit einem Messer verletzt worden. 48 italienische und zwölf niederländische Anhänger seien in Gewahrsam genommen worden. 80 Fans seien zurück nach Italien geschickt worden. (dpa)

           

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