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Chiles Nationalcoach hört auf : Jorge Sampaoli will nach Europa

  • -Aktualisiert am

Jorge Sampaoli sucht eine neue Herausforderung Bild: AP

Der geliebte Professor geht: Jorge Sampaoli will nicht mehr Trainer der chilenischen Nationalmannschaft sein. Um sich eine neue Herausforderung suchen zu können, greift der Argentinier sogar ins eigene Portemonnaie.

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          Der Vater des chilenischen Erfolges macht erst einmal eine Pause. Wer immer auch Jorge Sampaoli unter Vertrag nehmen möchte, müsse sich bis Ende Juni gedulden, sagte Fernando Baredes, Berater und Anwalt des in dieser Woche von seinem Posten als Trainer der chilenischen Nationalmannschaft zurückgetretenen Argentiniers. Mit Sampaolis freiwilliger Demission geht eine der erfolgreichsten Fußball-Ehen der vergangenen Jahre in Südamerika zu Ende.

          Als Sampaoli vor der WM 2014 die „La Roja“ übernahm, präsentierte sich die Mannschaft um Bayern-Star Arturo Vidal als ein zerstrittener Haufen. Dem charismatischen Workaholic gelang es aber, aus der Ansammlung egozentrischer Individualisten eine Mannschaft zu formen, die sich für die WM qualifizierte und dort erst in einem dramatischen Elfmeterschießen an Gastgeber Brasilien im Achtelfinale scheiterte.

          Der frische Ruhm bröckelte

          Es folgte ein historischer Triumph: Chile gewann 2015 im eigenen Land erstmals die Copa America. Im Finale in Santiago gelang ein Erfolg im Elfmeterschießen gegen Sampaolis Heimatland Argentinien, anschließend stieg der in Pressekonferenzen gerne zurückhaltend auftretende Sampaoli kurzzeitig zur Heldenfigur in der Andennation auf. Doch der frische Ruhm bröckelte danach, weil sich der Argentinier nicht uneingeschränkt zur Chile bekannte – es kam es zum Bruch zwischen Fanvolk und Startrainer, der es bei der Wahl zum Welttrainer des Jahres gemeinsam mit Barcelonas Luis Enrique und Bayerns Pep Guardiola immerhin unter die letzten Drei schaffte.

          Vor ein paar Tagen wurde Sampaoli am Flughafen in Santiago von wütenden Fans mit Hassparolen empfangen. Da hatte der Poker um einen neuen Vertrag schon das Klima vergiftet und für Sampaoli, der sich stets zurückhaltend über seine Zukunft äußerte, war es der letzte Beweis, dass es Zeit für einen Klimawechsel sei.

          Sampaoli ist klug genug zu wissen, dass er mit Chile den Zenit erreicht hat. Dem erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation mit einem Heimsieg über Brasilien (2:0) folgte am vierten Spieltag eine herbe 0:3-Niederlage beim Erzrivalen Uruguay. Trotz eines durchaus guten Auftaktes drohen die „Eliminatorias 2018“, die südamerikanische Qualifikationsrunde, zu einer Zitterpartie für den Südamerikameister zu werden. Der liegt derzeit nur auf Rang fünf, was nur zu einem Play-off-Spiel berechtigen würde. Und dahinter lauert schon das angeschlagene Argentinien. Sampaolis Verhältnis zum neuen Verbandschef Arturo Salah ist gespannt, und wie sehr diese „Anspannung“ auch Kalkül ist (wie chilenische Medien spekulieren), um einen Vorwand für einen vorzeitigen Abschied zu finden, bleibt dahin gestellt.

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          Den 55 Jahre alten Fußball-Lehrer zieht es nach Europa, stellt Berater Baredes klar. Er wäre ein idealer Mann für die Primera Division in Spanien, auch der FC Chelsea hat offenbar Interesse. Mit Sampaoli drängt einer der aktuell profiliertesten und unverbrauchten Trainer auf den europäischen Markt. Vor allem die englischen Spitzenklubs gieren nach neuen Persönlichkeiten.

          Auch deshalb hat Sampaoli wohl keine Probleme, einen Teil der festgelegten 5,8 Millionen Euro zu zahlen, die er bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung auf den Tisch legen musste. Für Bayern-Profi Arturo Vidal ist das keine gute Nachricht. Er schickte seinem ehemaligen Vereinstrainer und Förderer, der ihn auch dann nicht fallen ließ, als Vidal bei der Copa America angetrunken einen Ferrari zu Schrott fuhr, einen emotionalen Abschiedsgruß: „Geliebter Professor, ich wünsche Ihnen alles Glück der Erde.“

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