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0:6 in Nations League : Löw und der große Scherbenhaufen

„Ein rabenschwarzer Abend“: Bundestrainer Joachim Löw Bild: Picture-Alliance

Die DFB-Elf erlebt ein gutes halbes Jahr vor der Fußball-EM beim 0:6 in Spanien ein Desaster. Bundestrainer Joachim Löw ist angeschlagen – und wehrt sich weiter gegen eine Rückkehr von Boateng, Müller oder Hummels.

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          Und dann meldete sich auch noch Mesut Özil zu Wort. Der Weltmeister von 2014, der sich nach dem Debakel bei der Weltmeisterschaft 2018 und der Affäre um das Erdogan-Foto ganz freiwillig aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft genommen hatte, wollte dem Bundestrainer etwas mitteilen. „Es ist Zeit, Jérôme Boateng zurückzuholen“, twitterte Özil am späten Dienstagabend, der sich nach seinem donnernden Abgang, garniert mit schweren Vorwürfen, einem klärenden Gespräch mit Joachim Löw immer entzogen hatte. Und nun also gab er aus der Ferne einen Rat zur Personalpolitik.

          Nations League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Da war der Bundestrainer gerade dabei, in der virtuellen Pressekonferenz im Stadion von Sevilla eine Erklärung zu finden für das zweite Desaster seiner nun immerhin mehr als 14 Jahre währenden Zeit als erster Mann der wichtigsten Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Mit 0:6 Toren ging die Nationalmannschaft im Nations-League-Spiel in Spanien unter. Es blieb bei Löw beim Versuch der Erklärung. Der Bundestrainer war sichtlich angeschlagen. „Es war ein rabenschwarzer Tag. Es war ein Abend, an dem uns gar nichts gelungen ist. Deswegen sind wir riesig enttäuscht und sauer. Es hat überhaupt nichts funktioniert“, beschrieb er das, was nur für alle allzu offensichtlich war.

          Die Tore von Álvaro Morata (17. Minute), Ferrán Torres (33., 55. und 71.), Rodrigo (38.) und Mikel Oyarzabal (89.) waren der Ausweis einer Demontage, wie sie viele trotz der mäßigen Leistungen der DFB-Elf in diesem durcheinandergewirbelten Corona-Jahr kaum für möglich gehalten hatten. Löw gab nach dem 1:0 im Test gegen die Tschechische Republik die Marschroute aus, nun mit dem Einspielen für die Europameisterschaft im kommenden Jahr zu beginnen. Eine Woche später steht er vor dem Scherbenhaufen einer Mannschaft. „Jetzt ein Fazit zu ziehen, ist schwierig. Wir haben eine herbe Niederlage einstecken müssen, die es so lange nicht mehr gab. Das ist bitter“, sagte Löw im Estadio Olímpico de La Cartuja.

          209 Tage sind es noch bis zum ersten EM-Gruppenspiel in München gegen Weltmeister Frankreich. In diesem Zustand scheint es ausgeschlossen, das ausgegebene „Minimumziel Halbfinale“ zu erreichen. „Wir haben gedacht, dass wir einen Schritt weiter sind nach den letzten Spielen und diesem Jahr, das insgesamt schwierig war“, sagte Löw, der weite Teile der Partie resigniert und sitzend auf seiner Bank verbrachte. „Wir haben einen richtigen Rückschlag hinnehmen müssen. Wir müssen schauen, wie wir im Trainerstab damit umgehen. Mit den Spielern haben wir leider keine Möglichkeit zu arbeiten, zu trainieren oder ein Spiel zu machen“, sagte er.

          Nach der Rückkehr nach Deutschland an diesem Mittwoch reisen die Spieler zurück zu ihren Klubs. Erst im März trifft Löw sie wieder, dann sind wieder drei Partien in kurzer Abfolge angesetzt, es geht dabei schon um die Qualifikation zur Winter-Weltmeisterschaft 2022 in Qatar. Und beim nächsten Treffen im Mai geht es unmittelbar in die EM-Vorbereitung mit wahrscheinlich völlig erschöpften Spielern nach einer Corona-Saison, wie es sie noch nie gab. Zwei Partien wird es voraussichtlich vor dem Turnier gaben, das war’s. Da bleibt wenig Zeit, um an den vielen Mängeln intensiv zu arbeiten.

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