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Schmadtke beim VfL Wolfsburg : Der neue Lackierer

  • -Aktualisiert am

Hat momentan gut lachen: Mit Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke gelangen dem VfL Wolfsburg zwei Siege zum Auftakt der Bundesliga-Saison. Bild: EPA

Weniger reden, mehr arbeiten: Mit der Anstellung von Jörg Schmadtke haben die Wölfe ein schmerzliches Kompetenzvakuum beseitigt. Kehrt mit dem Manager wieder ein bisschen mehr Glanz zurück in die Autostadt?

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          Kaum ein Spieler würde merken, dass der Chef mal wieder genauer hinsieht. Von seinem Büro im ersten Stock hat Jörg Schmadtke den Trainingsbetrieb bestens im Blick. Doch wenn er wissen will, wie es gerade beim VfL Wolfsburg läuft, dann begibt er sich doch lieber auf den Platz. Beobachterrolle – so nennt er seinen Job als Geschäftsführer Sport, dessen erste Arbeitswochen kaum erfolgreicher hätten verlaufen können. Nach Siegen gegen Schalke 04 und bei Bayer Leverkusen steht ein Verein, der zwei Spielzeiten lang nur gegen den Abstieg gekämpft hat, wieder im angenehmeren Rampenlicht der Fußball-Bundesliga. An diesem Samstag ist daheim gegen Hertha BSC Berlin von einem Spitzenspiel die Rede. Mit einer solch hochtrabenden Einschätzung sollte man allerdings eher vorsichtig sein, wenn der zur Tiefstapelei neigende Schmadtke in der Nähe ist.

          Schwer zu sagen, wie genau er das schafft. Auf wundersame Art und Weise gelingt es ihm, eine wertvolle Nähe zu den Spielern zu pflegen und doch distanziert zu bleiben. Wenn Schmadtke um den Trainingsplatz schleicht, wissen die Spieler: Hier guckt einer genauer hin, der bestens weiß, wie es in einer Fußballkabine zugeht. Mit der Verpflichtung von Schmadtke ist es dem VfL Wolfsburg gelungen, ein Kompetenzvakuum in seiner zuletzt nur rudimentär besetzten Geschäftsführung zu beseitigen. An ihm richtet sich alles neu aus. „Der Jörg macht sein Ding. Auf seine Art. Sehr ruhig“, berichtet VfL-Trainer Bruno Labbadia. Harte Einheiten liegen hinter einer Mannschaft, die neu sortiert und geerdet worden ist. Die Saisonvorbereitung war lang und unbequem. Schmadtke hatte auch hier genau hingesehen. „Es gab keinerlei merkwürdige Verletzungen, mit denen Spieler gerne Freizeit generieren“, sagt der frühere Torhüter mit der für ihn typischen Ironie. Gemeint ist damit, dass in Wolfsburg wieder eine Gemeinschaft aus Profis entstanden ist, die nicht könnten oder sollten, sondern wirklich wollen.

          Seit 21 Jahren in Serie ist der VfL Wolfsburg in der ersten Liga vertreten. Noch nie ist es dem Verein in dieser Zeit gelungen, mit drei Siegen in die Saison zu starten. Die aktuelle Chance, sich im oberen Viertel der Tabelle zu etablieren, kommt überraschend. Der VfL ist nämlich der Klub, der angesichts der Personalrochaden bei seinem Hauptsponsor Volkswagen seinen Aufsichtsrat umsortieren und im April mit VW-Manager Frank Witter an der Spitze neu besetzen musste. Als Ergänzung zu Schmadtke gibt der ehemalige Stammspieler Marcel Schäfer sein Debüt als Sportdirektor. Und zum 1. November wird Michael Meeske vom 1. FC Nürnburg als Finanz-Geschäftsführer zu den „Wölfen“ wechseln. Die Umwälzungen waren auch notwendig. Dass ein großzügig finanziertes Tochterunternehmen eines weltweit erfolgreichen Konzerns nicht einmal mehr Mittelmaß war, muss sich wie ein tiefer, langer Kratzer im Hochglanzlack angefühlt haben. 30.000 Zuschauer haben die Chance, das etwas andere Bundesliga-Spitzenspiel gegen Hertha BSC Berlin im Stadion mitzuerleben. Aber dummerweise hat der VfL Wolfsburg in den vergangenen beiden Jahren nicht gerade an Sympathien gewonnen. Lediglich 18.000 Dauerkarten konnten für die Saison 2018/19 verkauft werden. Das sind 2500 weniger als im Vorjahr.

          Training am Mittellandkanal, statt PR-Reise

          Auch daraus sollte ein Ansporn entstehen, sich wieder besser zu präsentieren. „Wir strahlen wieder Freude aus. Es macht Spaß. Wir haben einen Grund für Euphorie“, meint Labbadia. Ihm war es egal, dass er während der Sommerpause als Feindbild für die Spieler herhalten musste, während sie sich im Trainingslager zu quälen hatten. Intensiver, detaillierter – mit diesen Adjektiven beschreibt Mittelfeldspieler Maximilian Arnold, wie unter Labbadia gearbeitet wird. Einer wie Schmadtke benutzt andere Worte, um den identischen Sachverhalt zu beschreiben. Weniger reden, mehr arbeiten: Das ist seine Empfehlung für das weitere Vorgehen.

          Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass der VfL Wolfsburg mit voreiligem Lorbeer belästigt worden ist. Unter der Regie von Cheftrainer Dieter Hecking war dem Verein vom Mittellandkanal die Rolle aufgedrängt worden, doch, bitte schön, den Jäger des FC Bayern zu spielen. Dass daraus trotz millionenschwerer Investitionen wenig geworden ist und man danach im Wettstreit mit Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel um den Klassenverbleib bangen musste, hatte Spieler, Entscheider und Verein gleichermaßen gelähmt. In der neuen Konstellation wird wieder gelacht und konzentriert gearbeitet. Gleich nach seinem Amtsantritt hatte sich Schmadtke im Sommer dagegen ausgesprochen, dass der VfL mehr den Konzern repräsentiert, als Fußball spielt. Statt einer lästigen PR-Reise gab es Training in der Heimat. Schmadtke hat auch zur Kenntnis genommen, dass so manches Mitglied im Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH einen einstelligen Tabellenplatz am Saisonende erwartet. „Ich habe die Botschaft verstanden“, sagt der 54-Jährige. Aber er spricht lieber von einem Stabilisierungsprozess, den man gemeinsam anstreben sollte.

          Interessant bleibt, wie es dem Cheftrainer und Sport-Geschäftsführer gelingen wird, sich in neuen Konstellationen zu beweisen. Labbadia möchte seinen Ruf loswerden, dass er ein besserer Retter und Motivator als Entwickler und nachhaltiger Arbeiter ist. Schmadtke wiederum hat bei Hannover 96 (2009 bis 2013) und beim 1. FC Köln (2013 bis 2017) bewiesen, wie man aus eher bescheidenen Möglichkeiten eine ganz Menge machen kann. „In Wolfsburg“, sagt der Charakterkopf, „geht es um eine andere Größenordnung. Es gibt bei uns ein paar sehr angenehme Dinge.“ Darauf zu achten, dass nahezu perfekte Rahmenbedingungen nicht zu Trägheit und Passivität führen, ist ein zentraler Bestandteil seiner Beobachterrolle.

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