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Nationalmannschaft : Die türkische Blüte des Mario Gomez

Kernkompetenz erwacht: Mario Gomez wird in der Türkei für Tore gefeiert Bild: Reuters

Braucht die Nationalmannschaft doch echte Stürmer? Mario Gomez steht vor einem Neustart bei Bundestrainer Joachim Löw - dank der Probleme in den jüngsten Spielen gegen defensive Gegner.

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          „Wir sind nicht mehr tödlich“, so hatte Bundestrainer Joachim Löw zuletzt geklagt. Er meinte die mangelnde Torgefahr seines Teams. Deshalb hat er den hauptberuflichen Torjäger Mario Gomez nach 14 Monaten ins Nationalteam zurückgeholt. Bei seiner Präsentation am Dienstag in München wurde Gomez gefragt, ob er das sei, was Löw sucht - also „tödlich“? Gomez dachte kurz nach. „An guten Tagen bestimmt“, sagte er dann. „Ich mag nur das Wort nicht.“ Das Wort mag niemand. Das, was es im Fußball bewirkt, mag jeder - den Treffer, das Tor, die Beute. „Tödlich“ wird der Pass genannt, der das Tor ermöglicht. Aber erst, wenn der Empfänger des tödlichen Passes es selber auch ist, wird ein Fußballschuh draus. Also ein Tor.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Gomez hat diesen Zusammenhang im „Kicker“ zur Frage nach dem „echten“ und dem „falschen“ Stürmer so ausgeführt: Deutschland habe oft „eindrucksvoll bewiesen“, auch ohne echten Stürmer in der Spitze spielen zu können, stattdessen zum Beispiel mit Mario Götze. „Manchmal aber braucht es den Killerinstinkt.“ „Spieler, die den tödlichen Pass spielen, hat Deutschland genügend“ - laut Gomez. „Aber ich finde, in manchen der letzten Spiele hätte ein Stürmer gutgetan.“ Einer wie er, der selbsternannte „Spezialist für Situationen rund ums Tor“. Denn Torjäger sind wie Fachärzte. Schöner wär’s, man käme ohne sie aus. Schmerzfrei, spielerisch. Aber manchmal braucht man sie.

          Neu erwachte Kernkompetenz

          Diese Kernkompetenz ist bei Gomez, der die Bayern nach dem „Triple“ 2013 verließ, weil mit Pep Guardiola ein Liebhaber des „falschen“ Neuners nach München kam, nun, nach zwei „verkorksten Jahren“ in Florenz, bei Besiktas Istanbul neu erwacht. Mit acht Toren in elf Spielen liegt er auf Platz zwei der türkischen Torjägerliste hinter Samuel Eto’o. Das hat ihm nun den Anruf des Bundestrainers eingebracht, dem nach Miroslav Kloses Rücktritt ein echter Strafraumstürmer fehlte.

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          Gomez war in Florenz mehr verletzt als fit, er kommt erst jetzt wieder in Frage. Und so richtet sich auch in diesem Fall, wie stets bei den immer wiederkehrenden Zyklen fußballphilosophischer Kernfragen - wie der nach „falscher“ oder „echter“ Neun -, die gültige Antwort immer nach den Spielern, die gerade verfügbar sind. „Man sieht“, sagte Gomez am Dienstag, „dass man das, was man hat, nicht so wertschätzt, wenn man es hat.“ Dass Deutschland Stürmer braucht, fiel demnach erst auf, als keiner mehr da war. Zwar hatte man immer noch einen Müller, Kruse, Podolski. Aber keinen, der exakt auf seine Planstelle passte.

          Die richtige Wahl

          Gomez lächelte bei seiner Pressekonferenz. Er sprach sanft und wirkte glücklich, er selber zu sein. Sich nicht dauernd entschuldigen zu müssen dafür, dass er mit wuchtigen 1,89 Metern nicht so leichtfüßig und filigran wie die omnipräsenten Mittelfeld-Fliegengewichte des modernen Fußballs wirkt. In einem „Kader von 23“, wie bei der Europameisterschaft, sei „Platz für einen wie mich“, findet Gomez. Als Mann für alle Fälle, „für die Spiele, in denen es nicht so läuft“. In den Länderspielen gegen die Franzosen an diesem Freitag in Paris (21 Uhr/ live in ARD und F.A.Z.-Liveticker) am Dienstag in Hannover gegen die Niederlande (20.30 Uhr/ live in ZDF und F.A.Z.-Liveticker) will er diese Empfehlung mit Taten unterfüttern.

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          Gomez glaubt, mit Istanbul diesmal die richtige Wahl getroffen zu haben. Florenz war die richtige in Sachen Lebensqualität, nicht in Fußballqualität. Er hatte 2013 auch Angebote aus Turin, aus Neapel und von beiden Madrider Klubs. Als Gomez ein Jahr später Real und Atlético im Finale der Champions League sah, dachte er, „dass ich wohl nicht die richtige Wahl getroffen hatte“, verriet er dem Magazin „Kicker“. Deshalb war die Entscheidung für Besiktas (und gegen ein Angebot aus England) „nicht einfach“. Mit dreißig Jahren wusste er, dass „die nächste Entscheidung sitzen musste“.

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          Die nächste Entscheidung, die nächste Chance - es sind Kategorien, in denen Mittelstürmer denken. Oder vielmehr, wie Gomez weiß, eben nicht mehr denken - „nicht groß nachdenken“ vor dem Tor, sondern die Chance einfach nutzen. Er hat sie genutzt, die letzte, und bekommt nun die nächste. Die auf den Neustart im Nationalteam: „Das ist wieder ein Anfang nach den schwierigen Jahren. Als mehr sehe ich das nicht.“

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