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WM-Quali in Tschechien : Löw heizt Konkurrenzkampf im DFB-Team an

Reich an Talenten: Bundestrainer Joachim Löw mit gutem Ausblick. Bild: dpa

Der deutsche Fußball ist stolz auf seinen Reichtum. Bundestrainer Löw ruft vor dem Qualifikationsspiel in Tschechien mit Blick auf die WM den „härtesten Konkurrenzkampf“ seiner Schaffenszeit aus.

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          Irgendjemand musste vergessen haben, Mats Hummels Bescheid zu sagen. Als er am Donnerstag in Prag gefragt wurde, inwieweit seine Gedanken schon in Richtung Weltmeisterschaft gingen, antwortete er, als könne kaum etwas ferner liegen. „Das Turnier“, sagte er, „ist noch gar nicht bei mir im Kopf.“ Irgendwann im Dezember, wenn die Auslosung anstehe, könne man „anfangen, sich damit zu beschäftigen“. Im Moment aber, schloss Hummels, sei die WM „noch etwas sehr Fiktives“.

          Das klang plausibel aus Sicht eines vielbeschäftigten Fußballprofis am letzten August-Nachmittag, mehr als neun Monate, bevor die WM in Russland angepfiffen wird. Es kam aber zugleich auch etwas überraschend, weil doch Joachim Löw in den Tagen zuvor einen ganz anderen Ton gesetzt hatte. Da machte der Bundestrainer deutlich, dass das Unternehmen Titelverteidigung nicht irgendwann nächstes Jahr, sondern jetzt, mit den beiden Qualifikationsspielen an diesem Freitag in Prag gegen Tschechien (20.45 Uhr/ live in RTL und F.A.Z.-Liveticker) und am Montag in Stuttgart gegen Norwegen, beginne. Das bekräftigte er auch am Donnerstag in Prag – nachdem Hummels das Presse-Podium wieder verlassen hatte.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Jeder Spieler müsse sich bewusst machen, was er im kommenden Jahr leisten könne: „Was kann ich tun, dass ich jeden Tag ein bisschen besser werde, dass ich dann wirklich in Top-Form bin?“ Löws Appell an die Eigenverantwortung ging einher mit dem Hinweis, dass sich die Konkurrenzsituation beim Nationalteam merklich zugespitzt habe. „Ein Frei-Ticket hat eigentlich niemand“, sagte er und sprach voller Zufriedenheit davon, wie der Sommer der Entdeckungen beim Confed Cup die „Breite im Kader“ vergrößert habe. Es gebe jetzt drei oder vier Kandidaten für jede Position. Tatsächlich haben der Bundestrainer und seine Assistenten für die 23 bei der kommenden Sommerreise zu vergebenden Plätze 35 bis 40 Kandidaten im Blick – nicht jeder mit derselben Aussicht auf eine Teilnahme oder gar eine Startelf-Position natürlich, aber ein wenig im Überfluss schwelgen lässt sich schon.

          Der deutsche Fußball ist stolz auf seinen Reichtum, er hat ihn sich mit konsequenter Nachwuchsarbeit seit über einem Jahrzehnt redlich verdient. Aber er soll jetzt natürlich auch Rendite in Form von weiteren Titeln abwerfen. Der Bundestrainer ist da gewissermaßen als Wealth Manager gefragt. Der zwischen konservativen Anlagen und solchen mit womöglich größerer Phantasie – aber auch einem gewissen Risiko – abwägen muss.

          Drei bis vier Kandidaten pro Position: Die ConfedCup-Sieger machen Druck

          Dass es ihm ernst damit ist, hat er mit der Nominierung des ersten Kaders der Saison bewiesen. Zu spüren bekamen das vor allem Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes, beide im goldenen Sommer 2014 dabei, ihre Plätze nehmen diesmal Niklas Süle und Matthias Ginter ein, die im Sommer den Confed Cup eroberten. Stolze 17 Mann aus jenem Kader hat Löw wieder berufen – das richtige Zeichen nach diesem ebenso überraschenden wie überzeugenden Erfolg. Um zu beurteilen, ob es mehr als das ist, ist es allerdings zu früh.

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