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DFB-Team in Estland : Die Forderung des Joachim Löw

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„Konzentration und Seriosität“ will Bundestrainer Joachim Löw von seinem Team in Estland sehen. Bild: dpa

Die Personallage beim DFB-Team entspannt sich. Der Bundestrainer verrät vor dem Duell mit Estland sogar schon Details zur Startelf. Zudem erklären Joachim Löw und Kapitän Manuel Neuer, was sie vom Team erwarten.

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          Bundestrainer Joachim Löw wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Estland auf mindestens zwei Positionen verändern. Kapitän Manuel Neuer kehrt wie schon zuvor angekündigt am Sonntagabend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation und bei RTL) in Tallinn ins Tor zurück. Außerdem läuft Ilkay Gündogan nach einer überstandenen Muskelverletzung und der Pause beim 2:2 im Testspiel gegen Argentinien im Mittelfeld auf. „Ilkay wird von Anfang an spielen“, sagte Löw am Samstag in Tallinn.

          Fußball-Länderspiele

          Für die endgültige Besetzung der Offensive wollte Löw „Eindrücke“ beim Abschlusstraining am Samstagabend sammeln. Sicher ist, dass Erfolgsgarant Serge Gnabry wieder angreifen wird. Auch der Dortmunder Marco Reus soll nach überwundenen Kniebeschwerden auflaufen. Einsatzfähig ist zudem wieder der Leipziger Timo Werner nach einer Grippe. „Die personelle Situation hat sich ein bisschen entspannt“, sagte Löw. Nach den zahlreichen Absagen stehen dem Bundestrainer drei Torhüter und 16 Feldspieler zur Verfügung.

          Der Bundestrainer erwartet von seiner Mannschaft „Konzentration und Seriosität“ gegen den sieglosen Tabellenletzten der Gruppe C, den das DFB-Team im Juni in Mainz mit 8:0 besiegte. Ein „Selbstläufer“ werde das Auswärtsspiel nicht, erklärte Löw. In der Gruppe dürfe man sich „keine Punktverluste mehr leisten“, so die deutliche Ansage an seine Spieler. Kapitän Neuer forderte ein möglichst frühes Führungstor, um „auf die Siegerstraße zu kommen“ und eine „hochkonzentrierte Vorstellung“. Man brauche gegen die Esten „eine gute Raumaufteilung, ein schnelles Passpiel“.

          Bedrohlich wirkende Regenwolken hatten Löw und sein Team nach einem rund 1500 Kilometer langen Flug von Dortmund nach Tallinn am Vormittag empfangen. Die Aufgabe für die Fußball-Nationalmannschaft in der am Finnischen Meerbusen gelegenen estnischen Hauptstadt birgt aber allenfalls Gefahr, wenn der viermalige Weltmeister Deutschland gegen den krassen Außenseiter lediglich mit halber Kraft zur Sache gehen sollte. Löw wird in den Teamsitzungen vor der Partie nochmals explizit darauf hinweisen, dass man sich auf dem Weg zur EM-Endrunde 2020 keinen Aussetzer leisten darf.

          Bei der Rückreise nach Deutschland am Montag will der 59-Jährige diese Punkte im Gepäck haben, um in den dann noch zwei anstehenden EM-Qualifikationspartien gegen Weißrussland und Nordirland im November mindestens den zweiten Platz und damit das Direktticket zur paneuropäischen Endrunde fix machen zu können. Derzeit haben in der Gruppe C die Niederlande, Deutschland und die Nordiren jeweils zwölf Punkte. Platz eins kann das Löw-Team durch den verlorenen direkten Vergleich mit den Holländern nicht mehr aus eigener Kraft erreichen.

          Dass Löw in der kleinen A. Le Coq Arena – Namensgeber ist eine estnische Brauerei – nach dem Ausfall von Hertha-Verteidiger Niklas Stark nicht seine Topauswahl zur Verfügung hat, sollte gegen die Nummer 102 der Weltrangliste kein Problem darstellen. „Es soll nicht abgehoben klingen. Aber unser Anspruch ist es natürlich, in Tallinn zu gewinnen“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

          „Sie werden sehr defensiv spielen“, bemerkte Serge Gnabry zum Rückspiel. Der Bayern-Stürmer ist derzeit der Tore-Garant und gefährlichste Akteur in der Nationalmannschaft. Das will der 24-Jährige auch in Tallinn beweisen und seinen zehn Toren in elf Länderspielen möglichst weitere hinzufügen: „Ich habe gerade einen super Lauf. Da gehört viel Arbeit dazu, man darf nicht lockerlassen.“ Denn eine Garantie auf Dauer gebe es auch für ihn nicht: „Ich muss mich immer wieder neu beweisen. Wenn ich drei Spiele absolute Kacke spiele, würden andere die Spielzeit bekommen“, sagte der Münchner.

          Gnabry wäre 2014 fast Fußball-Weltmeister geworden. „Ich wollte ihn mit zur WM 2014 nehmen, er hat sich leider verletzt“, verriet Löw am Samstag. Gnabry, der damals beim FC Arsenal spielte, wäre beim Titelgewinn vor fünf Jahren in Rio 18 Jahre alt gewesen. Er sei „spielstark“ und „torgefährlich“, sagte Löw: „Es gefällt mir einfach von seiner Art, wie er sich in den Räumen bewegt. Er hat hervorragende Voraussetzungen, um auf allerhöchstem Niveau zu spielen. Das müssen wir fördern.“

          Unter Beobachtung: Bundestrainer Löw (rechts) und Manuel Neuer auf dem Podium bei der Pressekonferenz.

          Die kleinen Fortschritte beim Kontrahenten unter Karel Voolaid, der nach dem 0:8 in Deutschland Estlands Rekord-Nationalspieler Martin Reim als Nationalcoach abgelöst hatte, hat Löw registriert. In dieser Woche holte Punktelieferant Estland mit einem 0:0 in Weißrussland den ersten Zähler in der laufenden EM-Ausscheidung. „Estland wird sicherlich viel Widerstand leisten“, sagte der Dortmunder Julian Brandt: „Aber gehen wir mit großem Mut dahin. Wir wissen ja, was wir können. Auch wenn momentan viele gute Spieler fehlen.“

          Der Ausfall von immer noch zwölf EM-Kandidaten ist eine weitere Chance für Nachrücker. Emre Can (Juventus Turin) oder der gegen Argentinien debütierende Robin Koch (SC Freiburg) könnten abermals in die Abwehrkette rücken. Das Leverkusener Juwel Kai Havertz darf sich möglicherweise wieder im zentralen Mittelfeld beweisen. Jeder einzelne Spieler hat bei jedem Länderspiel schon die EM 2020 im Hinterkopf. „Natürlich ist es mein Ziel, nach einer erfolgreichen Qualifikation auch bei der EM zu spielen“, sagte etwa der Leipziger Lukas Klostermann.

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