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Jerome Boateng im Interview : „Die Kapitänsbinde wäre etwas Besonderes“

Der größte Tag als Fußballer: Jerome Boateng mit Tochter nach dem Sieg im WM-Finale. Bild: Picture-Alliance

Jerome Boateng fühlt sich bereit, in der Nationalmannschaft mehr Verantwortung zu übernehmen. Gegen Polen muss der Verteidiger zunächst den Bayern-Kollegen Lewandowski stoppen.

          Auch auf Jerome Boateng kommt es an diesem Freitag an, wenn die deutsche Fußball-Nationalelf auf Polen trifft (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET). Zuvor spricht der Verteidiger im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wie viel sind Sie momentan wert?

          Da habe ich keine Ahnung, meinen Wert als Fußballer legen andere fest. Aber ich stehe nicht auf der Verkaufsliste. Es ist natürlich schon so, dass wir Spieler über diese Entwicklung sprechen und uns Gedanken machen. Ich sehe nicht, dass diese Entwicklung sich noch mal umkehrt. Es wird immer mehr und mehr. Ich weiß auch nicht, ob ich persönlich davon noch mal betroffen sein werde. Aber diese Summen und diese Entwicklung sind schon Wahnsinn.

          Wie würden Sie denn derzeit Ihren sportlichen Wert taxieren? Manche sagen, Sie seien so gut wie nie.

          Im Moment ist das auch so. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft ist es gut für mich weitergegangen. Und auch jetzt bin ich fit und in einem guten Rhythmus. Man merkt jetzt, wie sich nach über zwei Jahren mit Pep Guardiola mein Spiel durch die gemeinsame Arbeit verbessert hat. Unsere Philosophie ist in jedem einzelnen Mannschaftsteil klarer zu erkennen. Ich bin so im Spielaufbau besser geworden, ruhiger am Ball, cleverer im Stellungsspiel. Ich habe von Guardiola sehr profitiert. Tatsächlich aber hat sich bei uns fast jeder individuell verbessert. Um sich zu entwickeln, braucht man Spielpraxis. Nur dann kann man das System und die Anforderungen verinnerlichen. Wir gehen jetzt zusammen in die dritte Saison, den Effekt spüre ich.

          Wie sieht dieser Effekt konkret aus?

          Ich habe beispielsweise Automatismen verinnerlicht. Darauf kann ich mich verlassen – und dadurch wächst auch meine Sicherheit im Spiel. Über gewisse Abläufe muss ich nicht mehr nachdenken.

          Jetzt spielen Sie gegen Polen ausgerechnet gegen Robert Lewandowski - der fühlt sich bei den Bayern ja auch ziemlich wohl. Könnte unangenehm werden.

          Es ist wirklich unangenehm, gegen ihn zu spielen. Aber das ist es als Verteidiger immer, wenn man gegen einen der besten Stürmer der Welt spielt. Und zu denen gehört Robert. Er ist sehr beweglich, körperlich stark und schirmt gut den Ball ab. Dazu ist er technisch versiert, schnell und torgefährlich. Das sind nicht gerade wenige Qualitäten für einen Stürmer.

          Und was machen Sie da?

          Ihn über neunzig Minuten zu kontrollieren ist nahezu unmöglich. Es wird nötig sein, ihn schon bei der Ballannahme zu stören, immer eng an ihm dran zu sein. Aber es ist ein Vorteil, dass ich ihn jetzt so gut aus dem Training kenne – er mich allerdings leider auch.

          Beflügelt vom Guardiola-Effekt: Boateng treibt auch bei den Bayern an.

          Wird die Nationalelf gegen Polen nach dem Titelgewinn erstmals wieder mit allem Ernst bei der Sache sein, wie das bei der WM der Fall war?

          Es ist jedenfalls wieder ein Spiel mit Druck. Und wir müssen zeigen, wo wir stehen, dass wir die Weltmeister sind. Das geht aber nur, wenn wir von Beginn an konzentriert auftreten, die gesamte Mannschaft. Wir müssen den Polen ihre Grenzen aufzeigen. Polen ist gut, aber wenn wir endlich wieder zeigen, was wir können, dann sehe ich kein Problem. Und das gilt auch für den Gruppensieg. Alles liegt nur in unserer Hand. Wir haben ein Riesenpotential. Junge Spieler sind nachgerückt, andere sind innerhalb der Hierarchie des Teams aufgestiegen, haben sich weiterentwickelt und übernehmen mehr Verantwortung.

          Es heißt, Sie wollen sogar Kapitän werden?

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