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Jerome Boateng im Interview : „Die Kapitänsbinde wäre etwas Besonderes“

Irgendwann kann ich mir das sicher vorstellen, nur stellt sich die Frage momentan überhaupt nicht. Nicht jetzt. Und auch nicht in einem Jahr. Aber klar, die Kapitänsbinde wäre für mich etwas ganz Besonderes und eine große Ehre in meiner Karriere, trotz des Weltmeistertitels. Als erster farbiger Kapitän wäre das mit Blick auf die Integration auch ein starkes Zeichen nach außen, auf das ich sehr stolz wäre. Auch beim FC Bayern kann ich mir das eines Tages vorstellen, wobei mir klar ist, das Amt bekommt man nicht, indem man es einfordert.

Haben Sie über Ihre Ambitionen mit Löw und Guardiola gesprochen?

Nein, aber bei den Bayern bin ich vierter Kapitän. In der Nationalmannschaft hat der Trainer ja auch schon gesagt, dass Toni Kroos und ich aufgestiegen sind – und wir auch mal die Kapitänsbinde tragen sollen, wenn die anderen verletzt absagen müssen.

Für wie realistisch halten Sie Ihren Traum - glauben Sie wirklich daran, dass es so kommt?

Klar! Ich bin bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Wird Boateng in Zukunft Joachim Löws Kapitän in der Nationalelf?

Welche sportlichen Ziele haben Sie für diese Saison?

Erst mal müssen wir die Qualifikation schaffen. Aber mit dieser Mannschaft muss es unser Ziel sein, dass wir nach dem WM-Titel auch die Europameisterschaft gewinnen. Wir sind entschlossen und haben einen großen Willen. Und bei den Bayern haben wir natürlich auch das Potential, wieder auf alle drei Titel zu gehen. Mir ist dabei in dieser Saison die deutsche Meisterschaft am wichtigsten, vier Titel in Folge hat vorher noch niemand gewonnen. Dass wir den Titel aber wieder mit großem Abstand gewinnen, glaube ich nicht.

Und in Zukunft werden dann die englischen Klubs die Bayern und alle andere Konkurrenz auch in der Champions League abhängen?

Das glaube ich nicht. Geld heißt nicht, dass man Titel gewinnt. Zumindest nicht sofort. Und Geld alleine formt auch keine bessere Mannschaft. Der FC Bayern und auch andere Bundesliga-Mannschaften sind gut aufgestellt. Und gerade Bundesligisten haben jetzt viel Geld aus England bekommen. Es ist ja nicht so, dass sie jetzt nicht einkaufen können.

Sie waren ja schon einmal bei Manchester City - könnte Sie das Geld vom FC Bayern weglocken?

Ich kann mich beim FC Bayern über gar nichts beschweren. Mit dem Klub identifiziere ich mich und freue mich, dass ich hier spielen darf. Ich fühle mich sehr wohl und kann mir im Moment sogar sehr gut vorstellen, meine Karriere in München zu beenden.

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Die Bayern verteidigen extrem offensiv, aber in der Vorsaison war die Mannschaft in der Rückrunde immer wieder anfällig. Woran liegt das?

Im vergangenen Jahr hatten wir viele Verletzte. Da hat man viele Spiele, wird müde und manchmal fehlt der letzte Schritt. Dann passiert so etwas. Das liegt aber nicht an der Art und Weise, wie wir verteidigen. Auch in der Nationalmannschaft sind wir in der Defensive ja auf dem Weg zu dieser Spielweise. Aber das ist ein Prozess, das geht nicht so schnell.

Sie werden derzeit auch in Vermarktungsfragen offensiv. Im Sommer haben Sie einen Vertrag mit Jay Z unterschrieben. Der Rapper hat 18 Grammys gewonnen, sein Vermögen wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt, verheiratet ist er mit Beyoncé. Und er hat schon einige Sportler als Manager unter Vertrag. Was erwarten Sie sich von diesem Deal?

Der Kontakt kam über mein Management in Deutschland zustande. Die Idee ist, auf dem amerikanischen Markt stärker zur Geltung zu kommen. Da gibt es viele Möglichkeiten. In Deutschland ist der Werbemarkt eingeschränkter, dort ist es leichter möglich, mit verschiedenen Marken zusammenzuarbeiten. Vielleicht auch mit Partnern des FC Bayern – der Klub hat ja im letzten Jahr auch ein Büro in New York eröffnet. Mein Vertrag läuft über zwei Jahre. Dann muss man sehen, wie sich die Dinge entwickeln, die jetzt angestoßen werden.

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