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Pokal-Endspiel in Berlin : Das bittere Finale des Jérôme Boateng

  • Aktualisiert am

Ob Jérôme Boateng in Berlin für die Bayern nochmal spielen darf, ist ungewiss. Bild: Reuters

Normalerweise ist ein DFB-Pokalfinale in seiner Geburtsstadt vor allem für ihn ein Festtag. Doch diesmal ist bei Jérôme Boateng alles anders. Der Frust ist groß beim früheren Nationalspieler vor dem Spiel des FC Bayern in Berlin.

          Das DFB-Pokalfinale in seiner Geburtsstadt Berlin war für Jerome Boateng stets ein Festtag – auch wenn er am Ende nicht immer den Cup gewann. Familie, Freunde und Bekannte fieberten im Olympiastadion mit ihrem Jerome, nach dem Spiel zogen sie gemeinsam durch die Nacht. Doch bei seinem sechsten Heim-Finale an diesem Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) ist alles anders, es schwingt ein Hauch von Abschied mit.

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          „Bei Bayern München, meine Situation, wie sehe ich die?“, fragte Boateng am Rande eines Werbe-Drehs in dieser Woche und gab sich die ehrliche Antwort selbst: „Es ist glaube ich für beide Seiten nicht die optimale Saison gewesen.“ Deshalb plante Trainer Niko Kovac für Samstagabend gegen RB Leipzig mit dem einstigen Abwehrchef auch nicht in der Startelf – wie so oft zuletzt. Erste Wahl im Abwehrzentrum sind Niklas Süle (41 Saisonspiele) und Mats Hummels (32), was bei Boateng (nur 28 Einsätze) Frust erzeugt.

          Vor einem Jahr war Boateng, einer der Finalhelden beim deutschen WM-Triumph 2014 in Rio, noch ein wichtiger Faktor in der Nationalmannschaft und bei den Bayern. Ein historisches WM-Desaster und zwölf Monate später hat er ein unwürdiges Aus im DFB-Team hinter sich – und in München droht ihm ein Abschied durch die Hintertür. Die Bayern, das ist ein offenes Geheimnis, würden ihn bei einem entsprechenden Angebot abgeben. „Wie geht‘s weiter? Es ist ein bisschen so, dass ich mich überraschen lasse“, sagte Boateng Anfang Mai.

          Während das Meisterschaftsfinale am vergangenen Wochenende für Boatengs langjährige Teamkollegen Franck Ribery, Arjen Robben und Rafinha zur emotionalen Abschiedsparty wurde, schien der 30-Jährige bereits abgeschlossen zu haben. Der Party auf dem Rasen verweigerte er sich ebenso wie der internen Feier auf dem Nockherberg, stattdessen weilte er auf der Hochzeit eines Freundes. Im Sommer 2018 hatte Kovac den fast schon sicheren Wechsel von Boateng zu Paris St. Germain noch verhindert. Und jetzt? Mit den Weltmeistern Lucas Hernandez und Benjamin Pavard haben die Bayern bereits zwei Abwehrspieler für zusammen 115 Millionen  Euro verpflichtet. Für Boateng scheint da kaum mehr Platz zu sein, obwohl er noch zwei Jahre Vertrag hat.

          In der Hinrunde habe er „nicht so gut gespielt“, sagte Boateng, „da bin ich ehrlich zu mir selbst“. Die Rückrunde sei dagegen „sehr ordentlich“ gewesen – „wenn ich gespielt habe“. Das tat er zumindest in den wichtigen Duellen wie gegen Dortmund (5:0), im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Liverpool (1:3) oder im Liga-Schlussspurt in Leipzig (0:0) und gegen Frankfurt (5:1) nicht mehr. Im Pokal-Halbfinale in Bremen kam er nur zum Einsatz, weil Niklas Süle gesperrt war. Er hätte  sich gewünscht, dass er „in den wichtigen Spielen mehr gespielt hätte“, gibt Boateng unumwunden zu.

          In acht Jahren FC Bayern hat Boateng 286 Pflichtspiele bestritten (acht Tore), er hat als Stammspieler die Champions League und sieben Meisterschaften gewonnen. Doch als Legende verehrt wie „Robbery“ wird er nicht. „Ich war immer ein Spieler, der beim  FC Bayern in den wichtigen Spielen da war“, sagte Boateng, „deswegen habe ich überhaupt keine Bedenken, dass mir da irgendwas nachgesagt wird.“

          Sein Abwehrkollege Mats Hummels fiebert derweil dem Anpfiff mit einer hohen Erwartungshaltung entgegen. „Es steht ein großes Spiel auf dem Plan“, sagte der 30 Jahre alte Innenverteidiger in einem Interview, das der deutsche Fußball-Rekordpokalsieger am Tag des Endspiels im Berliner Olympiastadion veröffentlichte. Die Stimmung im Münchner Team sei sehr gut nach dem Meisterschaftsgewinn. „Der Wille, die Motivation ist riesig, den zweiten Pokalsieg aus persönlicher Sicht zu holen, den ersten seit ich bei Bayern bin“, erklärte Hummels. Das erste Pokalendspiel mit den Münchnern hatte er vor einem Jahr in Berlin gegen Eintracht Frankfurt verloren.

          Der Respekt vor den Leipzigern ist beim favorisierten deutschen Meister groß, insbesondere das Tempo der Sachsen sei beeindruckend. „Das ist die vielleicht schnellste Mannschaft der Liga“, sagte der Münchner Innenverteidiger. Namentlich nannte Hummels Stürmer Timo Werner sowie die Abwehrspieler Lukas Klostermann und Ibrahima Konaté. „Da sind wirklich ein paar Pfeile dabei“, erklärte Hummels. Den früheren deutschen Nationalspieler beeindruckt auch das extreme Pressing der Leipziger, die erstmals im Pokalfinale stehen. Hummels sprach von einem „Guerilla-artigen Anlaufen ganz vorne“. Die Bayern wollen eine Woche nach dem Gewinn des 29. Meistertitels auch den 19. Pokalsieg feiern. Es wäre das zwölfte Double der Vereinsgeschichte.

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