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Jens Lehmann : Der Problemtorwart

  • Aktualisiert am

Beckenbauer warnt Lehmann: Leg dich nicht mit Wenger an Bild: dpa

Jens Lehmann manövriert sich bei Arsenal ins Abseits. Die EM-Teilnahme ist in Gefahr. Jetzt muss er beißen und verdrängen: entweder einen Konkurrenten oder wenigstens die Realität. Doch die Zeit arbeitet gegen ihn.

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          Ein schönes Wochenende auch! Natürlich wünscht jeder seinem Kollegen immer nur das Beste. Außer vielleicht, wenn der Kollege genau den Posten hat, den man gern selber hätte. Noch schlimmer: den man einmal selber hatte. Solche Trübnis des Angestelltenlebens lässt sich manchmal verdrängen, wenn man ins Wochenende geht. Außer wenn man Torwart ist - dann ist das Wochenende am schlimmsten.

          Was in Jens Lehmann vorgeht, wenn er an diesem Sonntag vor dem Spitzenspiel in Liverpool den Mann "warmschießen" muss, der seinen Job übernommen hat, wenn er also die Pflicht des Ersatztorwarts erfüllt, bevor er sich auf die Bank setzt - das kann man nur mutmaßen. Er redet nämlich nicht mehr darüber, und das ist wohl gut so. Von Franz Beckenbauer erging die Warnung, sich nicht weiter mit Trainer Arsène Wenger anzulegen, "sonst zieht Lehmann den Kürzeren" und "wird wahrscheinlich im Winter woanders spielen".

          Warnung von Oliver Bierhoff

          Von Oliver Bierhoff kamen noch deutlichere Worte: "Jens sollte über seine eigenen Leistungen reden und nicht über die seiner Konkurrenten", sagte der Manager des Nationalteams. "Die Tonlage war nicht sehr gelungen." Die Tonlage gegenüber Manuel Almunia, der derzeit das Tor des FC Arsenal hütet. Er wisse, "wie der andere Torwart mental veranlagt" sei, "ich kann mir nicht vorstellen, dass er das durchhält", lästerte Lehmann letzte Woche über den Spanier. Almunia habe "noch nicht gezeigt, dass er uns Spiele gewinnen konnte". Was eine sehr subtile Sicht der Dinge ist - denn von den letzten elf Partien, mit Almunia im Tor, gewann Arsenal alle elf und blieb achtmal ohne Gegentor.

          Lehmann leidet neben Trainer Wenger auf vder Bank

          Neulich hat man Wenger in London mit einer Bronzestatue geehrt. Der Arsenal-Trainer dankte und hielt einen kleinen Vortrag, der auf Lehmann zu passen schien: "Nicht was hinter mir liegt, ist wichtig, sondern das, was vor mir liegt. Es ist, wie wenn ein Spieler sagt: ,Für das, was ich für den Klub geleistet habe, verdiene ich es, nun zu spielen.' Das ist nicht richtig. Du verdienst es nur für deine Leistung im letzten Spiel." Lehmanns letztes Arsenal-Spiel war am 19. August in Blackburn, als ihm ein harmloser Weitschuss durch die Finger glitt. Es war der bisher einzige Punktverlust für den Klub - und ein weit größerer Verlust für seinen Torwart.

          Die Zeit arbeitet gegen ihn

          Als Lehmann nach überstandener Ellenbogenblessur und gutem Länderspiel in Irland den Stammplatz bei Arsenal öffentlich zurückforderte, setzte ihn Wenger gegen Bolton vor einer Woche auf die Tribüne, ohne dass es einen Aufschrei bei Fans oder Presse ausgelöst hätte. Es kommt derzeit dick für die Torhüter, die stets als eine Bank des deutschen Fußballs galten. Manuel Neuer patzte in Rostock und bei Chelsea. Michael Rensing schlief bei einem Weitschuss in Belgrad und bekam den Hoeneß-Rüffel. Timo Hildebrand musste in Valencia zurück in die Nebenrolle hinter Santiago Canizares. Doch am schlimmsten kam es für Lehmann. Der Mann, den man ihm vorzieht, ist nicht einmal Nationaltorwart.

          Anders als bei den deutschen Konkurrenten arbeitet die Zeit gegen Lehmann. Es ist eine Standardsituation in vielen späten Torwartkarrieren. Irgendwann, bei manchen schon mit Anfang oder Mitte dreißig, bei anderen später, kommen die kleinen Verluste an Schnelligkeit, an Explosivität, gegen die sich nicht antrainieren lässt und die irgendwann auch Erfahrung nicht mehr kompensiert.

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