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Fifa-Skandal : Korruption und Größenwahn

Jeffrey Webb: Er griff nicht nur überall ab, sondern forderte auch immer mehr Bild: AP

Als Nachfolger des korrupten Jack Warner stellte sich Jeffrey Webb als Reformer der angeschlagenen Fifa vor. Die amerikanische Justiz hält ihn allerdings für den Gierigsten der kriminellen Bande.

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          Eigentlich wollte Jeffrey Webb in Zürich weiter an seinem Fortkommen arbeiten. Der Mann von den Kaiman-Inseln ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Funktionäre innerhalb des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) aufgestiegen. Er ist dem alten, schwer angeschlagenen Patriarchen Joseph Blatter so nahe gekommen, dass dieser ihn als möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht hatte. Nun sitzt Webb in Schweizer Abschiebehaft – in einem Züricher Polizeigefängnis. Der 50 Jahre alte Fifa-Vizepräsident gehört zu denen, die am Mittwoch in einem Luxushotel festgenommen worden waren. Wie zu hören ist, suchen die schwer belasteten Funktionäre händeringend nach guten Anwälten in der Stadt, um ihre Auslieferung an die Vereinigten Staaten zu verhindern. Die Vorwürfe sind erschlagend.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der neue Fifa-Skandal könnte sich für den Weltverband nicht nur unter Blatters Regie zu einem unkontrollierbaren Flächenbrand ausweiten. Die Anklageschrift der amerikanischen Ermittlungsbehörden zieht vernichtende Schlüsse, die auch zum Ende von Blatters Amtszeit führen könnten. Es geht um Bestechungsgelder, die im Zuge der WM-Vergabe für 2010 an Südafrika angeblich über die Fifa ausbezahlt worden sind. Die Details aus der Untersuchung weisen auf ein kriminelles Netzwerk hin, das alle bisherigen Korruptionsanschuldigungen rund um den Weltverband in den Schatten stellt. In diesem Sumpf gehörte der Funktionärsaufsteiger Webb nach Meinung der amerikanischen Staatsanwälte zu den besonders gierigen Empfängern illegal gezahlter Millionen Dollar.

          Als Führungsfigur einer neuen Fifa gesehen

          Die schweren Vorwürfe gegen den früheren Banker verblüffen, weil sich der Fifa-Vizepräsident in den vergangenen Jahren als eine Reformkraft innerhalb der Fifa positioniert hatte. Webb leitete die Arbeitsgruppen der Fifa gegen Rassismus und Diskriminierung und wurde selbst von Anti-Korruptions-Experten, die beim Weltverband in den vergangenen Jahren als Berater tätig waren, als Führungsfigur einer neuen Fifa gesehen. Alles nur Fassade. Der wahre Webb ist aus Sicht der Ermittler ein Krimineller. Ihm drohen in den Vereinigten Staaten bei einer Verurteilung viele Jahre Gefängnis.

          Was bedeutet diese Erkenntnis aus dem Einzelfall für die gesamte Fifa? Auf den 161 Seiten der Anklageschrift wird ein Geflecht aus Bestechung, Schmiergeld, Geldwäsche und Steuerhinterziehung beschrieben. Vor allem geht es um kriminelle Handlungen, die nicht nur vor zwanzig oder dreißig Jahren, sondern in jüngster Zeit stattfanden: während die Fifa nach massiver Kritik ihre sogenannte Reformoffensive vorantrieb.

          Webb vom Concacaf suspendiert

          So soll Webb, seit 2012 Präsident der Verbände aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (Concacaf), zusammen mit anderen Funktionären aus der Region und auch aus Südamerika eine Bande gebildet haben, die immer wieder das gleiche kriminelle Geschäftsmodell anwendete: Beteiligte Sportrechteagenturen erwarben die Vermarktungsrechte an verschiedenen Turnieren und Spielen, die den Verbänden gehören. Unter dem Tisch bedienten sie jene Funktionäre, die über die Vergabe der Rechtepakete (Fernsehen, Sponsoren) entschieden. Und zwar mit Kick-back-Zahlungen. Geschädigte der Korruption sind die Verbände, die um die ganze Höhe der Einnahmen gebracht werden. Am Donnerstagabend wurde Webb vom Concacaf suspendiert.

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