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Fifa-Skandal : Korruption und Größenwahn

Sein korrupter Vorgänger: Jack Warner aus Trinidad und Tobago

Im Jahr 2012, als er für seinen korrupten Vorgänger Jack Warner aus Trinidad und Tobago als Vizepräsident in den Fifa-Vorstand aufrückte, soll Webb bei einem Treffen drei Millionen Dollar dafür verlangt haben, dass die WM-Qualifikationsspiele in der Concacaf-Region für die Turniere 2018 (Russland) und 2022 (Qatar) an eine bestimmte Agentur vergeben würden. Man einigte sich. Immer im Spiel war der inzwischen weltweit tätige Sportvermarkter Traffic Sports International mit Hauptsitz in São Paulo.

Webb griff nicht nur überall ab, wo es ging, sondern er forderte nach Darstellung der amerikanischen Ankläger immer mehr. Mit krimineller Energie forcierte er die Bemühungen nach der nächsten Million. Es gab kaum eine bedeutende Fußballveranstaltung in der Region mehr, bei der in den vergangenen Jahren nicht Bestechungsgelder flossen. „Wenn wir erwischt werden, haben wir ein Problem“, wird in den Untersuchungsunterlagen ein Mitwisser zitiert, der gegenüber den Ermittlern offenbar auspackte. Beteiligt waren mehrere Verbandspräsidenten aus Brasilien, Uruguay, Paraguay, Venezuela, Nicaragua, Costa Rica. Die verbotene Provision kam auch von Sportmarketingagenturen in Argentinien.

Die Welt der kriminellen Abzocker im Fußball

Den ganz großen Deal fädelten die Verdächtigen im Jahr 2013 ein. Da ersetzte der Uruguayer Eugenio Figueredo den damals schon der Korruption überführten Paraguayer Nicolas Leoz als Präsident der südamerikanischen Fußballverbände und Fifa-Vizepräsident. Der 86 Jahre alte Leoz soll angeblich bei der WM-Vergabe für 2018 vom englischen Bewerberkomitee verlangt haben, dass für seine Stimme der Vereinspokal auf der Insel nach ihm benannt werden sollte. Korruption, gepaart mit Größenwahn, das war die Welt der kriminellen Abzocker im Fußball.

Vor zwei Jahren kam es unter Webbs Regie zum Supergeschäft. Die weltweiten Vermarktungsrechte an der Südamerika-Meisterschaft (Copa América), an der auch Nationalteams aus dem Concacaf-Verbund teilnehmen, wurden bis 2023 an eine neugegründete Agentur (Datisa) vergeben, in der die alten Seilschaften arbeiteten. Vertragssumme nach Anklageschrift: rund 351 Millionen Dollar. Bestechungsgelder für die Funktionäre: 110 Millionen Dollar. 40 Millionen sind schon an Webb und Co. geflossen. Wie immer ging es über Bankkonten in den Vereinigten Staaten oder auch der Schweiz, die Herkunft der Gelder wurde trickreich vertuscht, das Geld gewaschen. Offenbar hatte der Banker Webb seinen guten Job beim amerikanischen Finanzdienstleister Fidelity gegen einen lukrativeren als „Sportfunktionär“ getauscht.

Das korrupte System funktionierte wie einst in den Achtzigern und Neunzigern beim ISL-Skandal der Fifa. Hier bestach die ehemalige Schweizer Agentur ISL, die vom früheren Adidas-Mitbesitzer Horst Dassler gegründet worden war, Topfunktionäre, damit diese für die richtige Rechtevergabe sorgten. Auch der ehemalige Fifa-Chef João Havelange erhielt mehrere Millionen Dollar. Seinem Nachfolger Blatter konnte keine Beteiligung im juristischen Sinne nachgewiesen werden. Dennoch könnte es auch ihn erwischen: In der Anklageschrift geht es auch um zehn Millionen Dollar, die der südafrikanische Fußballverband für Stimmen bei der gewonnenen WM-Vergabe 2004 im Hinblick auf das Turnier 2010 angeblich versprochen hatte. Die Summe soll an den korrupten Webb-Vorgänger Warner in der Karibik ausgezahlt worden sein, über Fifa-Konten. Die Südafrikaner bestreiten das.

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