https://www.faz.net/-gtl-a3qj8

Bayern-Torschütze Martínez : „Er ist ein verrückter Vogel“

Ein Tor zum Abschied? Javi Martínez (Zweiter von links) empfängt die Glückwünsche der Kollegen. Bild: EPA

Javi Martínez kam einst als Rekordtransfer nach München. Nun scheint seine Zeit beim FC Bayern abgelaufen. Beim Supercup-Sieg hat der Spanier aber noch einmal einen ganz besonderen Auftritt.

          3 Min.

          Als die Münchner Titelparty auf dem Rasen der Puskás Aréna in Budapest ihren Höhepunkt erreichte, stand der sportliche Held des FC Bayern im Abseits. Siegtorschütze Javi Martínez lachte zwar mit den Kollegen nach dem 2:1-Sieg über den FC Sevilla im Spiel um den europäischen Supercup, suchte sich auf dem Podium aber einen Platz ganz weit außen aus. Bis auch er den silbernen Pokal in die Hände bekam, hatten ihn schon fast alle Kollegen stolz präsentiert. Dabei hatte der eingewechselte Spanier die Partie in der Verlängerung mit seinem Kopfball-Treffer in der 104. Minute entschieden.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Sichern Sie sich alle aktuellen Informationen und Hintergründe zur Präsidentenwahl

          Jetzt F+ für nur 1€/Woche lesen
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Lange Zeit hatte Martínez keine Hauptrolle gespielt. Das galt nicht nur für das Spiel am Donnerstag in der ungarischen Hauptstadt. Dort war er erst in der 99. Minute für Leon Goretzka in Spiel gekommen. Der hatte die Führung von Sevilla durch einen Elfmeter von Lucas Ocampos (13.) mit einem Schuss auf Vorlage von Robert Lewandowski ausgeglichen (34.). Danach tat sich nichts mehr am Spielstand, sodass es 30 Minuten Extrazeit gab – und die große Stunde von Martínez schlug. Einen Schuss von David Alaba ließ der Torwart abprallen, Martínez wuchtete den Ball mit dem Kopf hoch ins Tor.

          „Das ist ein Traum“, sagte der Torschütze. „Egal, ob ich zehn oder 15 Minuten spiele, ich versuche immer, der Mannschaft zu helfen – heute mit einem Tor. Ich bin ganz zufrieden. Es war wie 2013, wo ich auch ein Tor gemacht habe.“ Vor sieben Jahren hatte sich der Defensivspieler ebenfalls von seiner trefflichen Seite gezeigt, als er mit seinem Ausgleich in letzter Minute der Verlängerung im Supercup-Duell mit dem FC Chelsea den Titelgewinn des FC Bayern im späteren Elfmeterschießen ermöglichte. Thomas Müller erinnerte sich auch noch und taufte Martinez prompt zum „Mister Supercup“.

          Es kommt nicht oft vor, dass der wuchtige Spanier trifft. In 239 Partien für die Münchner stehen 14 Tore in der Bilanz. Ob nun noch ein Treffer dazukommt, ist ungewiss. Nachdem Martínez 2012 als Rekordeinkauf für die damals stolze Summe von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao kam, neigt sich die Zeit des Zweiunddreißigjährigen in München dem Ende entgegen. Einen Stammplatz hat Martínez schon länger nicht mehr. Im defensiven Mittelfeld, wo er auch 2013 beim Champions-League-Sieg im Finale gegen Dortmund der wichtigste Spieler war, haben ihm andere den Rang abgelaufen.

          Joshua Kimmich und Leon Goretzka sind die Zukunft des FC Bayern, Martínez ist noch die Gegenwart, könnte aber schon in wenigen Tagen Vergangenheit sein. Eine Rückkehr nach Bilbao ist im Gespräch. Verletzungen plagten Martínez zuletzt immer wieder. Rund um den Jahreswechsel fehlte er gut zwei Monate mit einem Muskelbündelriss, sein Stammplatz danach war die Ersatzbank. „Er ist, wenn er gebracht wird, zu hundert Prozent da“, lobte Trainer Hansi Flick. „Was seine Zukunft betrifft, so ist das heute nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen. Das muss er auch alleine entscheiden.“

          Auch Martínez selbst wich bei Fragen zu seiner Zukunft aus. „Solange ich hier bleibe, werde ich alles geben und dieses Trikot verteidigen“, sagte er beim TV-Sender Sky. Sein Vertrag läuft noch bis zum nächsten Sommer, doch die Münchner würden den Haudegen wohl für eine eher geringe Summe nach Bilbao zurückkehren lassen. Die damals große Investition hat sich durch Martínez‘ Leistungen längst bezahlt gemacht für den Verein. Sagenhafte 21 Titel holte der Spanier mit dem FC Bayern in seinen acht Jahren dort, darunter auch zwei Mal den europäischen Supercup dank seiner Tore.

          Sevillas Torwart Yassine Bounou hatte keine Chance gegen den Kopfball von Javi Martínez.
          Sevillas Torwart Yassine Bounou hatte keine Chance gegen den Kopfball von Javi Martínez. : Bild: Reuters

          Nicht nur bei der Personalie Martínez muss eine Entscheidung bis zum 5. Oktober fallen. Dann endet die Frist für Transfers in diesem Jahr. Die Bayern sind auch noch auf der Suche nach Zugängen. Nach dem Spiel in Budapest wiederholte Trainer Flick noch einmal seinen Wunsch, dass sein kleiner Kader quantitativ und qualitativ verbessert wird. Derzeit haben die Münchner keine Verletzungssorgen, doch im dicht gedrängten Corona-Spielplan der nächsten Wochen und Monate, könnte ein wenig zu viel Pech mit Ausfällen von Spielern selbst die überragenden Münchner aus der Erfolgsspur werfen.

          Daran dachte beim Feierabend von Budapest aber zunächst niemand. Vielmehr stand Martínez doch noch einmal im Mittelpunkt. Auf Drängen der Mitspieler präsentierte auch er in vorderster Reihe der Jubelnden den wenigen mitgereisten Münchner Fans den Pokal und klopfte dabei mit der Faust auf das Klubwappen auf deinem Shirt. Womöglich war es auch sein Abschiedsgruß. Flick sprach von einer „absolut schönen Geschichte“, Müller nannte das Tor „die Kirsche auf der Sahne“. Nicht nur er dürfte Martínez vermissen, falls er München bald verlässt: „Er ist ein super Typ und ein verrückter Vogel.“

          Weitere Themen

          Die besondere Stärke des FC Bayern

          2:1 bei Lok Moskau : Die besondere Stärke des FC Bayern

          Supertorjäger Robert Lewandowski hat es schwer in Moskau. Dennoch gewinnen die Münchner auch das 13. Spiel in der Champions League in Serie. Dabei stehen zwei andere Spieler im Mittelpunkt.

          Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

          Fußball : Gladbach empfängt Real

          Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

          Topmeldungen

          Champions League : Darum ist Dortmund kein absolutes Top-Team

          Der Champions-League-Start ging durch die Niederlage in Rom daneben. Nun steht Dortmund gegen Zenit St. Petersburg schon unter Druck. Mats Hummels glaubt zu wissen, warum es beim BVB noch nicht ganz rund läuft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.