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Bilanz nach Karriereende : „Profifußball ist wie eine zweite Welt“

  • -Aktualisiert am

Karriereende als Erleichterung: Jan Rosenthal Bild: Imago

Danke und tschüss: Jan Rosenthal über die Erleichterung nach seinem Karriereende, das Ende der Bonusluxusprobleme und warum man als Spieler nicht öffentlich sagen kann, was man denkt.

          Im Sommer haben Sie mit 32 Jahren ihre Fußballkarriere beendet. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Jan Rosenthal vermisst am Profifußball am meisten….

          Ganz ehrlich: Ich vermisse nichts. Ich baue immer mehr Distanz auf, was ich an vielen Kleinigkeiten merke. Wir haben uns mit viel Eigeninitiative ein Haus in der norddeutschen Heimat meiner Frau und mir hergerichtet und den herrlichen Sommer mit Kind und Kegel an den Badeseen hier verbracht. Es ist vorbei mit dem Druck, ständig funktionieren zu müssen, dem Wechsel von Stadt und Umfeld alle zwei, drei Jahre. Von Hannover nach Freiburg, dann nach Frankfurt und Darmstadt.

          Aber Sie verfolgen noch den Betrieb, dessen Teil sie zwölf Jahre lang waren?

          Ich schaue mir die Ergebnisse an und habe mich am zweiten Spieltag mit meinem einstigen Freiburg- und Eintracht-Mitspieler Johannes Flum  zum Spiel St. Pauli gegen Darmstadt verabredet. Das wars dann aber auch. Ich habe auch bis weit in den September hinein außer ein bisschen Beachvolleyball keinen Sport mehr gemacht, weil ich keinen Bock mehr drauf hatte, nachdem ich zehn Jahre lang selbst in jeder Urlaubswoche gezwungen war, laufen zu gehen. Auch mein Sky-Abo habe ich gekündigt, weil ich am Wochenende nachmittags lieber etwas mit der Familie unternehme, als mir Fußball reinzuziehen. Und wenn ich mal was angeschaut habe, dachte ich nur: Puh, immer dieselben Sätze, dieselben Analysen und Interviews.

          Waren Sie überrascht, wie schnell Sie Abstand gewinnen konnten?

          Nein, zu vielen Mechanismen des Spiels bin ich schon während meiner Karriere immer mehr auf Abstand gegangen. Für viele Fußballer ist der Moment des Karriereendes ein Horror, ich fühlte mich dagegen regelrecht erleichtert.

          Warum?

          Ich habe bemerkt, dass ich mich mit vielen Dingen immer weniger identifizieren konnte und sich auch meine Prioritäten verschoben haben seit der Geburt meiner Tochter. Ich habe meine Abfahrt zu Training und Spielen immer weiter hinausgezögert, weil mir jede Minute mit der Familie wichtig war. Dabei sind wir Fußballprofis ja schon weitaus mehr daheim präsent als andere Väter, die von früh bis spät arbeiten und bei ihren Kindern viel verpassen. Mir ist auch darüber hinaus bewusst, dass ich sehr vom Fußballgeschäft profitiert habe.

          Fußball wird auch im Profibetrieb häufig mit dem Begriff Spaß verbunden…

          ….der ist mir über die Jahre mal mehr mal weniger stark abhandengekommen. Im Spätsommer hat es aber dennoch wieder etwas gejuckt. Ich habe angefangen ab und an bei der Regionalligamannschaft des VfB Oldenburg mit zu trainieren. Es gilt meinen Körper ja auch abzutrainieren. Mal gehe ich zwei Mal die Woche hin und dann auch mal drei Wochen gar nicht. Auf dem Platz war es zunächst so wie immer, es funktionierte alles noch. Das macht dann mega viel Spaß. Die Jungs sind cool drauf und fragen mich viel. Ich freue mich, da auch helfen zu können mit meinen Rückmeldungen.

          „Ich habe mein erstes Berufsleben komplett ausgelebt und ausgereizt.“

          Also ist ein Comeback auf kleinerer Flamme nicht ausgeschlossen?

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